Da bahnt sich was an!

CASTOR 2020 stoppen!

CASTOR-Alarm 2020? Hat sich da nicht jemand im Jahrzehnt vergriffen? Leider nicht. Für die Jahre 2020 bis 2024 sind vier Castor-Transporte geplant, bei denen hochradioaktiver Atommüll von Frankreich und Großbritannien nach Deutschland verschoben werden soll, ohne dass es ein Konzept für eine langfristige Lagerung gibt und geben kann. Jeder einzelne Transport stellt ein zusätzliches Risiko durch radioaktive Verstrahlung dar.

Für die breite Bevölkerung scheint der Atomausstieg 2022 beschlossene Sache zu sein. Ausstiegskonzepte beinhalten aber immer die Möglichkeit eines Ausstiegs vom Ausstieg. Die Anti-Atom-Bewegung fordert schon seit langem die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit. Doch sechs Atomreaktoren sind in Deutschland noch in Betrieb. Dazu kommen die Uranfabriken in Lingen und Gronau, die unbefristet weiter laufen sollen. Durch das gezielte Ausbremsen des Ausbaus erneuerbarer Energien und der Stromnetze, kommt die Energiewende nur schleppend voran. Im Windschatten der Klimakatastrophe versuchen die Befürworter*innen der mörderischen Atomenergie nun wieder in die Offensive zu kommen. Industrie und Politik arbeiten auf eine Laufzeitverlängerung der noch laufenden AKW hin – über die vorgesehenen Stilllegungsdaten hinaus. Auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs im Dezember 2019 wurde die Atomenergie als Beitrag zur Klimaneutralität ausdrücklich genannt. Aber die Atomenergie ist mit all ihren Gefahren für Mensch und Umwelt – vom Abbau des Urans über den Betrieb der Reaktoren bis zur nicht geklärten Atommüllproblematik – kein Beitrag zur Lösung der Klimakrise. Wie längst totgeglaubte Zombies taucht die Atomenergie nun aber wieder in der öffentlichen Diskussion auf.

Der erste Castor-Transport soll im ersten Halbjahr 2020 per Schiff und dann per Zug von Sellafield (UK) ins Zwischenlager beim Atomkraftwerk Biblis stattfinden. Der genaue Zeitpunkt wird erst wenige Tage vorher feststehen, wir werden uns dem Transport aber trotzdem mit unserem Protest gegen sinnlose Atommüll-Verschiebungen und drohende Laufzeitverlängerungen von AKW entgegenstellen.

Unser Protest wird bunt und vielfältig sein und verschiedene Formen haben. Es wird eine angemeldete Mahnwache für alle in Biblis geben. Auf dem deutschen Teil der Transportstrecke wird es neben weiteren Mahnwachen oder Kundgebungen Kleingruppenaktionen und anschlussfähige gemeinschaftliche Aktionen mit vielen Aktivist*innen aus der Antiatom- und Klimabewegung geben. Wir organisieren uns in Bezugsgruppen und es wird in den Tagen vor dem Transport einen gemeinsamen Anlaufpunkt geben.

Bei der Vielfältigkeit der Aktionen achten wir darauf, dass wir uns gegenseitig nicht gefährden und verschiedene Aktionsformen nebeneinander möglich sind. Auf Grund der Kurzfristigkeit müsst ihr euch stärker als sonst vorbereiten, flexibel und mobil sein. Wer kann, bildet schon im Vorhinein Fahrgemeinschaften.

Wir rufen Menschen aus der Antiatom- und Klimabewegung auf, Teil der Proteste rund um den Castor-Transport zu sein. Überlegt euch, welche Aktionsform für euch in Frage kommt und organisiert euch in Bezugsgruppen. Auch wenn ihr nicht zu den Protesten kommen könnt, nutzt den bevorstehenden Transport um auf die Gefahren der Atomkraft hinzuweisen und klar zu machen, dass Klimaschutz und Atomkraft nicht zusammengehen.

Für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit!

Don’t nuke the Climate. Wir stellen uns quer.

Rückblick Bundesweiter Aktionstag am 2.2.20 zu Castor stoppen

Am 2.2.20 hat ein Bundesweiter Aktionstag stattgefunden.

Die Anti Atom Initiative Karlsruhe hat mit Unterstützung von Freund*innen ebenfalls am Bundesweiten Aktionstag teilgenommen. Vor dem KA Hfb wurde mit Transparenten, Atommüllfässern auf die bestehenden Castor Transporte aufmerksam gemacht. Mehrere hundert Flugblätter wurden an die Reisenden verteilt.
Unser Eindruck war, dass die Informationen interessiert aufgenommen wurden und es gab viel positive Rückmeldung und interessante Gespräche mit Passant*innen.
Für die Anti Atom Ini KA war die Aktion ein Erfolg.

Erfolgreicher Aktionstag gegen #castor2020 am 2. Februar: Mehr als 300 Menschen beteiligten sich bundesweit an ersten Protesten gegen die Atommülllieferung und für den sofortigen Atomausstieg.

Mehr Infos zum Aktionstag unter
http://castor-stoppen.de/
oder unter: Rückblick zum Aktionstag

Presseerklärung: Bündnis CASTOR-stoppen
03.02.2020
CASTOR-Gegner*innen ziehen positive Bilanz

An einem Dutzend Orten hat es am Sonntag im Rahmen eines ersten Aktionstags kreative und wirkungsvolle Protestaktionen gegen den geplanten CASTOR-Transport aus der WAA Sellafield (GB) ins hessische Biblis gegeben. Damit hat ein Teil der Anti-Atom-Bewegung deutlich gemacht, dass sowohl erneute CASTOR-Transporte als auch eine angedachte Renaissance der Atomkraft als Energieträger auf erheblichen Widerstand stoßen werden.

weiterlesen:

CASTOR-Gegner*innen ziehen positive Bilanz
CASTOR-Gegner*innen ziehen positive Bilanz

Verharmlosung des mittelaktiven Atommülls in den Glaskokillen bezüglich seines Gefährdungspotentials

Beitrag von Harry Block, Karlsruhe den 30.01.2020

Guten Tag beisammen:

„Die Castoren aus Sellafied und La Hague beinhalten ja nur mittelaktiven Atommüll und keine hochgefährlichen abgebrannte Brennelemente … “

Ich kannte das Verhältnis der Strahlung von Castor V zu Castor HAW (s. Folie 1 im Anhang aus Infokommission Philippsburg 2015) aus Berechnungen des Umweltministerium Baden-Württemberg. Dann besuchte ich das sich noch im Bau befindlichen Zwischenlager für etwa 6.000 Fässer mittelaktiven Atommüll der KTE im KIT Nord mit 2 m dicken Wänden (2019). Dort wurde mir die hochgefährliche Strahlung von mittelaktivem Atommüll deutlich vor Augen geführt und erläutert („1 Stunde neben einem dort gelagerten Fass und du bist tot“ = Strahlenchef KTE).

Mit dem hervorragenden, weil wissenschaftlich neutral und nicht verharmlosend, Vortrag von Herrn V. Metz PH.D. vom Institut für nukleare Entsorgung am KIT am 28. Januar 2020 wurde mir zahlenmäßig glasklar, dass in der Öffentlichkeit eine totale Verharmlosung des mittelaktiven Atommülls in den Glaskokillen bezüglich seines Gefährdungspotentials vorgenommen wird.

In diesem Vortrag ‚Einstieg in die Entsorgung nuklearer Reststoffe zur langfristigen Tiefenlagerung nuklearer Reststoffe‘ am 2020-01-28 von Dr. V. Metz (INE) bei kine erklärte er zu Folie 11 seines Vortrages (er hat uns die Folien zugesandt, aus Datenschutzgründen geben wir sie nicht weiter):

„Die Kontaktdosisleistung … sind Größenordnung 400.000 mSv/die Stunde! *1 … angenommen, dort in die Anlage würde eine Maus sich dahin verirren, die würde innerhalb von Sekunden kollabieren, würde sterben.

Zum Vergleich:
Die durchschnittliche Strahlenexposition für den normalen Bürger in Deutschland liegt bei 0.0002 mSv/pro Stunde.

Solche Glaskokillen, 28 zusammen, werden in einen Transport- und Lagerbehälter eingestellt … diese Castoren sind sehr dickwandig, dickwandig deswegen, weil sie diese Strahlung abschirmen. Was man an der Oberfläche messen kann, das ist um millionenfach geringer als der Zustand unter der Abschirmung. *2

*1 Messung 16. Febr. 2011, Transport von VEK zum Zwischenlager Lubmin
*2 laut Folie 11: Kontaktdosisleistung 0.0480 mSv/h an der dünnsten Behälterstelle“

Der Inhalt der Behälter aus Sellafield und La Hague (Castor HAW) ist bei Beschädigung der ‚Transportbehälter‘ ähnlich tödlich wie bei den Castor V eingelagerten abgebrannten Brennelementen. Die Unterschiede in der Größenordnung der Becquerel spielen da eine untergeordnete Rolle.

Zur ‚End‘lagerung des verglasten Materials sagte er:
„Da minore Actiniden (Pu, Am, Np, Cm …) in verglasten hochaktiven Abfällen nicht transmutieriert werden können, kann das existierende Actinideninventar in HAW-Glas nicht verringert werden und muss endgelagert werden.

Die radiologische Dosis des HAW-Glas wird dominiert durch langlebige Spalt-, Aktivierungs- und Zerfallsprodukte ( 14 C, 36 Cl, 93 Zr, 99 Tc, 129 I, 135 Cs, 226 Ra).“

Der Wissenschaftler des INE am KIT erklärte ferner in aller Deutlichkeit, dass niemand genau weiß, was in den in den Zwischenlagern sich befindlichen Castoren passiert. Die Forschung tappt im Dunkeln und forscht und forscht.

Aus der Folie dazu:
„Der Nachweis des Langzeitverhaltens von Metalldichtungen und anderen Komponenten der Behälter (z.B. CASTOR®) sowie der Nachweis der Integrität der Brennstäbe sind für eine verlängerte Zwischenlagerung (> 40 Jahre) zu führen.

Über Zeiten von vielen Jahrzehnten wird eine Abnahme der Integrität bzw. der Handhabbarkeit von Behältern / Behälterinventaren erwartet, insbesondere durch Alterung der Brennelemente im eigenen Strahlungsfeld, Versprödung / Korrosion der Zircaloy-Hüllrohre

  • Umorientierung von Zirkonhydriden
  • erhöhte Sprödbruchempfindlichkeit
  • Anstieg des mechanischen Drucks auf die Brennstabhülle
  • im Zircaloy/Brennstoff Kontaktbereich kann es zu Korrosion durch volatile Spaltprodukte (z.B. Cs-Iod-Verbindungen) kommen
  • Amorphisierung der Brennstoffmatrix durch Strahlung“

Seine Folie dazu zeigte ein Bild eines aufgeschnittenen Brennelements. Es macht deutlich, dass die Strahlung nicht nur den Brennstoff nach einiger Zeit pulverisiert, sondern die Ummantelung erst spröde, dann rissig werden lässt und ihn letztlich zerstört.*3

*3 Quelle: ESK (2015): Diskussionspapier zur verlängerten Zwischenlagerung (…). Entsorgungskommission, Bonn, Germany, Oktober 2015; Metz et al. (2016) Zircaloy cladding properties under conditions of prolonged dry interim storage. Abbildungen: F. Becker, V. Metz, KIT-INE

Schutzziel müsse sein: „Entsorgung radioaktiver Abfälle muss den Schutz von Mensch, Umwelt und Gütern heute und in der Zukunft sicherstellen, ohne künftige Generationen in unzumutbarer Weise zu belasten oder verpflichten.“

Dr. V. Metz sprach sich für die „Entsorgung nuklearer Reststoffe durch langfristige Tiefenlagerung aus“. Er erklärte sachlich alle damit verbundenen ‚Probleme‘ und Zeitabläufe.

Folie 1 aus Infokommission Philippsburg 2015

02.02.20 Bundesweiter Aktionstag: Es ist noch nicht vorbei … Die Rückkehr der Atomkraft verhindern!

Pressemitteilung, KA 26.01.2020

Castor Alarm: Frühjahr 2020!
Da bahnt sich was an!

Bundesweiter Aktionstag am 02.02.2020
um 15:00 Uhr am Karlsruhe Hauptbahnhof, Haupteingang Nord, Mahnwache der Anti-Atom-Initiative Karlsruhe

The return of the living dead!

CASTOR-Alarm 2020? Hat sich da nicht jemand im Jahrzehnt vergriffen? Leider nicht.

Für die Jahre 2020 bis 2024 sind vier Castor-Transporte geplant, bei denen hochradioaktiver Atommüll von Frankreich und Großbritannien nach Deutschland verschoben werden soll, ohne dass es ein Konzept für eine langfristige Lagerung gibt und geben kann.
Jeder einzelne Transport stellt ein zusätzliches Risiko durch radioaktive Verstrahlung dar. Die Standortlager werden zu ungeeigneten Langzeitlagern, so auch in Philippsburg.

Für viele scheint der Atomausstieg beschlossene Sache zu sein. Ausstiegskonzepte beinhalten aber immer die Möglichkeit eines Ausstiegs aus dem Ausstieg.

Die Anti-Atom-Bewegung fordert schon immer die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit. Doch sechs Atomreaktoren sind in Deutschland noch in Betrieb. Dazu kommen die Uranfabriken in Lingen und Gronau, die unbefristet weiter laufen sollen. In Karlsruhe forscht das Joint Research Center (JRC) an den Brennstoffen für eine neue Generation von Atomreaktoren. Durch das gezielte Ausbremsen des Ausbaus erneuerbarer Energien und der Stromnetze, kommt die Energiewende nur schleppend voran. Im Windschatten der Klimakatastrophe versuchen die Befürworter*innen der mörderischen Atomenergie nun wieder in die Offensive zu kommen.

Der erste Castor-Transport soll im ersten Halbjahr 2020 von Sellafield (UK) ins Zwischenlager beim Atomkraftwerk Biblis stattfinden. Für 2021 ist ein Atommülltransport von La Hague (F) ins Zwischenlager bei Philippsburg geplant.

Protest ist angesagt!

– Atomenergie ist kein Beitrag gegen die Klimakatastrophe
– Die Energiewende wird sabotiert
– Es gibt kein vertretbares Konzept für den vorhandenen Atommüll

29.12.2019 Abschaltfest KKP 2 in Philippsburg

Januar 2020, im Folgenden dokumentieren wir das Abschaltfest, zu dem die Anti-Atom-Initiative Karlsruhe aufgerufen hatte.
1. Aufruf/Einladung zum Abschaltfest
2. Begrüßung
3. Redebeitrag von Harry Block
4. Redebeitrag von Matthias Mauser
5. Zusammenfassung Abschaltfest

Aufruf/Einladung der Anti-Atom-Ini KA:
Der letzte badische Atomreaktor, KKP 2, wird für immer am 31.12.2019 abgeschaltet

Wir, die Anti-Atom-Ini Karlsruhe, wollen mit euch feiern

Nachdem wir 30 Jahre lang oft vor dem Atomkraftwerk Philippsburg demonstriert haben, werden wir am Sonntag, dem 29.12.2019, um 12:00 Uhr, die endgültige Abschaltung des letzten badischen Atomreaktors ´feiern´.
Da wollen wir natürlich vor Ort sein. Zusammen mit hoffentlich vielen Menschen, die sich für eine Energiewelt ohne Atomkraft einsetzen, gestalten wir um zwölf Uhr nochmals eine symbolische Abschiedsmahnwache am Haupteingang des AKW Philippsburg.

Wir laden dazu alle ein, die mit uns diesen für unsere Region historischen Moment begehen wollen, mit uns auch zu demonstrieren. Wir, die Anti-Atom-Ini-Karlsruhe, werden janusköpfige Masken tragen, die darauf hinweisen sollen, dass zwar die Gefahr eines Supergaus durch KKP 1 und KKP 2 endgültig der Vergangenheit angehört, aber 62 Castoren mit hochradioaktiven Atommüll in einem unsicheren Zwischenlager noch lange Zeit vor Ort verbleiben werden. Beim Abriss der beiden Blöcke wird noch viel Atommüll entstehen, werden noch viele Radionuklide in die Luft und in das Wasser abgeben werden.

Trotzdem: Wir feiern und freuen uns auf eure Grußadressen, und noch besser, auf eure Teilnahme
vor dem Haupteingang des AKW Philippsburg am Sonntag, dem 29.12.2019 um 12 Uhr

Begrüßung durch Gudrun Vangermain von der AAI KA:

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, guten Tag liebe Gäste,

mein Name ist Gudrun Vangermain, und ich bin Mitglied in der Anti-Atom-Initiative Karlsruhe. In deren Namen begrüße ich Sie alle: Anti-Atom-Bewegte und Gleichgesinnte und natürlich alle, die heute hier mitgeholfen haben.

Dazu gehören: Der „Bund für Umwelt und Naturschutz Bund“, Freundinnnen und Freunde aus Neckarwestheim, vor allem von der BI „Atomerbe Neckarwestheim“, und die Menschen von jenseits des Rheins aus Römerberg sowie die mit uns verbundenen Abgeordneten aus dem Landtag und dem Bundestag. Außerdem hat uns „.ausgestrahlt“ unterstützt.

Ich gebe nun das Mikro weiter an Harry Block von der Anti-Atom-Initiative Karlsruhe, der auch Mitglied im Vorstand des BUND mittlerer Oberrhein ist.

Er wird auch nochmals erklären, weshalb wir diese Januskopf-Maske als Symbol für heute gewählt haben. Und noch eins zum Ablauf von heute: Nach Harrys Rede wollen wir mit euch anstoßen – und danach gibt es noch einige Grußworte …

Rede von Harry Block fürs KKP 2-Abschaltfest am 2019-12-29 in Philippsburg vor dem AKW

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, guten Tag liebe Gäste,

herzlich Willkommen bei unserem Energiewendefest.

1966 begann in Baden das Atomzeitalter mit dem ersten Reaktor im Kernforschungszentrum Karlsruhe. Anfang der siebziger Jahre wollte die Landesregierung Ba-Wü das Rheintal zur Industriezone ausbauen. Die dazu notwendige Energie sollte aus Atomreaktoren kommen. So kam es, dass man 1970 die Planung von zwei Atomkraftwerken in Angriff nahm. Im Süden in Wyhl und im Norden in Philippsburg. Wyhl wurde der erste Ort in Deutschland, in dem sich der Widerstand gegen einen Atomreaktor regte. Die Geburtsstunde der Umweltbewegung in Deutschland begann in Baden, und die Wyhler waren erfolgreich.

Zur gleichen Zeit wurde hier Philippsburg 1970 mit dem Bau des Siedewasserreaktors KKP 1 begonnen und 1979 vom damaligen Badenwerk ans Netz gebracht. Der Widerstand hier in Philippsburg war gering. Deshalb irrte sich der Konzern aus Karlsruhe auch immer weiter voran.

1977 begann man mit dem Reaktor KKP 2, welcher 1984 ans Netz ging. 198 meldepflichtige Ereignisse hatten diese beiden Reaktoren in 40 Jahren. Auf jeder Hauptversammlung, auf vielen Demonstrationen und bei den Sonntagsspaziergängen vor Ort der dann umgegründeten Aktiengesellschaft EnBW forderten wir das Umdenken auf regenerative Energien. 40 Jahre erfolglos. Noch schlimmer, sie zementierten ihre Energieautobahn in Karlsruhe, Mannheim und Heilbronn mit neuen Kohlekraftwerken zu den bestehenden Atommeilern.

Wir mussten jahrzehntelang feststellen, dass die Politik und die Manager in einer Parallelenergiewelt zu unserer lebten. Sie im festen Glauben des unbegrenzten Wachstums und dem damit verbunden Ausbau der Atomenergie. Wir veranstalteten im Mai 1976 in Sasbach im Rheintal die weltweit erste Ausstellung über alternative Energien. Wir gründeten in Karlsruhe die Bürgerinitiative mit dem längsten Namen: „Bürgerinitiative für die Stilllegung der Atomanlagen und die Umwandlung des Atomforschungszentrums Karlsruhein ein Forschungszentrum für alternative Energien“. 1978! Diese Bürgerini befasste sich auch intensiv mit den hier bestehenden Atommeilern. Ihre Nachfolgerin, die Anti-Atom-Initiative Karlsruhe war bei vielen Demonstrationen vor Ort, bei allen Genehmigungsverfahren, auch des Zwischenlagers für hochaktiven Atommüll, als Einwenderin, aber auch Anklägerin in Wort und Tat in dem Erörterungsverfahren tätig. Man kann die Welt nicht allein ändern. Wir haben diesen Weg beschritten, tun das immer noch, indem wir uns organisierten und zusammenarbeiteten.

Es waren kritische Menschen aus der Schweiz, Freiburg, dem pfälzischen Römerberg von gegenüber, die heute auch ein Fest veranstalten, von .ausgestrahlt, den Inis rund um das AKW Neckarwestheim, aber auch aus dem Umfeld der GRÜNEN, Linken, der evangelischen Kirche und des Bund für Umwelt und Naturschutz mittlerer Oberrhein, die auf die Straße gingen und nur in den Akten der Genehmigungsverfahren oder Polizeiakten als Personen genannt werden, wie Anete, Armin, Brigitte, Gisela, Ginny, Gudrun, Ilse, Hartmut, Matthias, Mirko, Renate. Silke, Sylvia, Wilhelm, Wolfgang, Wolfram, um nur ein paar zu nennen, die bis zum heutigen Tag der Stilllegungs- und Abrissgenehmigungen immer dabei waren, in Wort und Tat das Ende der Atompolitik, eine andere Energiepolitik in Deutschland, aber auch weltweit zu fordern.

In diesen energiepolitischen Umbruchzeiten werden unsere damaligen Utopien realistisch. Den irrlichternden Gesellen der Atomkraftbefürworter schreibe ich ins Stammbuch: Wir hatten und wir haben die Perspektive und Entschlossenheit, dass die immer noch gegebene atomare und fossile Energiewelt bei uns und anderswo in absehbarer Zeit zu ihrem Ende kommt. Wir werden weiter daran arbeiten, das Wort kämpfen vermeide ich, aber wir werden daran arbeiten für eine regenerative, nachhaltige, klimaneutrale und soziale Energiewelt. Wir haben als Anti-Atom-Inis soweit als möglich auch Alarmismus vermieden, wiesen aber immer auf das Risiko eines atomaren Unfalls hin und wurden dafür bis Tschernobyl verhöhnt.

Die Atombefürworter werden weiterhin die verstaubten Atomenergiemärchen zum Besten geben. Sie werden wieder die Höhe des Risikos der Atomenergie leugnen, die Lagerung der hochradioaktiven Atommülls ausblenden sowie die militärische Seite dieser Technologie einfach weglassen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Supergaus haben wir nun zweimal erlebt. Es reicht. Für die atomaren Lobbyisten, in Deutschland oft aus dem Dunstkreis der AfD, gibt es keinen Klimawandel und sie fordern neue Atomkraftwerke. Man glaubt es nicht. Seit wann war und ist Atomkraft die Lösung für die weltweite Energieversorgung und schon gar für die sich anbahnende Klimakatastrophe?

Wir feiern heute, weil das Risiko eines atomaren Unfalls auch an diesem Standort immer immens hoch war. In Neckarwestheim und noch 5 weiteren Standorten wird dies noch bis Ende 2022 in Deutschland der Fall sein. Gott sei Dank wurde sie hier nie Realität obwohl KKP 2 2003 nur zentimeterweise an einem Desaster vorbeigeschrammt ist. Das war ein Verdienst der kritischen Mitarbeiter von KKP, aber nicht der Verdienst der Vorstände der EnBW oder der politisch Verantwortlichen.

Unsere janusköpfige Maske hat eine schwarze Seite. Über diese gefährliche Seite, den Abriss und die Lagerung des schwach-, mittel- und hochaktiven Atommülls schweige ich heute. Auch die bis heute als Realpolitik verkaufte Politik der Landesregierung hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Über die unglückselige, zaghafte Haltung beim Gesundreden von bekannten Sicherheitsmängeln des grünen Umweltministers als Genehmigungsbehörde dieser beiden Reaktoren, habe ich für heute ein Schweigegelübde abgelegt. Ich will mich heute nicht aufregen, sondern freuen – die weiße Seite der Januskopfmaske. Deshalb nur noch der kritische Hinweis, dass für uns der für die dezentrale Energiewende völlig unnötige Bau eines 500millionen-Konverters für Kohlestrom auf diesem Gelände wieder ein Holzweg in der Energiepolitik darstellt.

Wir wollen feiern, wir sind optimistisch und wollen durchaus vorhandenen Chancen der Energiewende nutzen und tragen so möglicherweise dazu bei, die Welt ein bisschen besser zu machen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, erneuerbare Energien in hinreichender Menge zu produzieren, aber auch mit weitreichender Beteiligung der Bevölkerung, wir müssen sie dezentral machen und sie muss bezahlbar bleiben.

Und für uns ist dies nicht wie jetzt für die EU eine neue Wachstumsstrategie. Das Predigen des ewigen Wachstums hat den Planeten in eine existenzielle Krise geführt. Mit dieser Logik müssen wir aufhören. Wir verbrauchen zu viel Energie und zu viele Rohstoffe, auch wenn die Energie erneuerbar ist und die Rohstoffe recycelt sind – es ist immer noch zu viel. Die Umstellung entwickelt sich quälend langsam und wird auch für die Fridays for future-Kids, und ich habe hier einige gesehen aus Karlsruhe und begrüße sie besonders herzlich, es wird noch sehr frustrierend werden für euch: Abgründe tun sich auf zwischen dem, was getan wird – und dem, was geschehen müsste. Die Beschlüsse zum Klima in Berlin und Madrid sind zum Weinen, und von der Leyens EU-Vorschläge sind bis jetzt nur eine Peterchens Mondfahrt.

Die hier liegen Atommeiler sind das Ergebnis des Irr-Glaubens an die Moderne, den Fortschritt, die Möglichkeit der Beherrschung der Natur. Setzt man auf vermeintliche Ökotechnologien à la FDP, die wie die Befürworter des Baus neuer Atomreaktoren der 4. Generation, wie im KIT in Karlsruhe, allen Menschen einreden wollen, dass man dank einer Wundertechnologie immer weiter, immer mehr konsumieren kann, wenn diese Richtung an Boden gewinnt, dann mündet dieses greenwashing in ein weltweites Wachstumsdesaster.

Unsere janusköpfigen Masken haben heute aber vor allem eine zukunftsgerichtete Seite. Wenn es uns noch mehr gelingt, die Mehrheit unserer Bevölkerung davon zu überzeugen, dass es eine nachhaltige Zukunft ohne Atom und auch ohne fossile Energien, für alle bezahlbar, geben kann, ja, dann können wir dies auch mit politischen Mitteln erreichen. Aber ohne die Fridays-Kids und uns auf der Straße wird dies nicht passieren.

Wir können in die Zukunft der Erde eingreifen und sie zu einem besseren Ort für alle Menschen machen. Wir freuen uns heute auch, die Früchte unserer jahrelangen Arbeit ein bisschen ernten zu dürfen. Heute wird hier in Sachen Energie für die Menschheit sicher nur ein winzig kleiner Schritt getan. Für Baden ist es ein großer Schritt in eine atomfreie Energiezukunft. Lasst uns die Gläser heben und auf das endgültige Aus des Atomenergie-Standorts Philippsburg – um 19 Uhr am 31. – trinken. Nach der Stilllegung aller Reaktoren im ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe, heute KIT Nord, hat in Baden nun auch an diesem Atom-Standort die Atomkraft ihr teures, noch mit vielen Problemen behaftetes Ende gefunden. Aus damit – es wäre schön, es wäre überall so. Auch wenn es pathetisch klingt: Ich bin heute ein wenig stolz auf uns, danke an alle Menschen in unserem Land, die daran mitgewirkt haben und vor allem auch euch, dass ihr heute gekommen seid, mit uns zu feiern. Prost auf den heutigen Erfolg und die noch vor uns liegenden Aufgaben.

Redebeitrag von Matthias Mauser AAI KA

Liebe Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegner,

Genug ist nicht genug – An diese Worte aus dem Mund von Konstantin Wecker fühle ich mich heute erinnert. Es ist uns nicht genug, wenn dieses Atomkraftwerk abgeschaltet ist

Unser Widerstand ist weiterhin nötig

Ein Rückblick:
Gerade der Reaktor Philippsburg 2 war von Anfang an mit unserem Widerstand verknüpft. Ironischerweise wurden für den Bau des Kraftwerks Komponenten verwendet, die ursprünglich für das damals geplante Atomkraftwerk Wyhl bestimmt waren. Genau desjenigen Kraftwerks, das durch den Widerstand der Anti-Atom-Bewegung verhindert wurde.

Während die Geschichte des Reaktors für die Atomaufsicht eine Geschichte von Skandalen, Störfällen und Pannen war, war sie für uns gleichzeitig eine Geschichte des Widerstands. Von hier aus ging 1995 der erste CASTOR-Transport nach Gorleben. Wir haben nicht nur gegen diesen Transport Widerstand geleistet, sondern auch gegen die zahlreichen, welche in die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague gerollt sind und damit zum einen Plutonium für französische Atomwaffen geliefert haben.

Zum anderen haben sie dort eine massive Verseuchung des Meeres und der Luft mitverursacht. Wir sind auf die Straße gegangen gegen den Einsatz von neuartigen Mischoxid- Brennelementen, die neben Uran bereits bei Anlieferung Plutonium enthalten. Wir haben über Jahrzehnte die Störfälle, die Vertuschungspolitik der Betreiber und deren mangelnde Eignung zum Umgang mit gefährlichen Stoffen und Anlagen angeprangert.

Wir haben auch gegen den Bau von Interims- und Zwischenlager protestiert; und letzteres droht, zu einem faktischen Endlager zu werden. Auch die Art, wie nun mit dem Abriss von Reaktor und Kühltürmen umgegangen wird, ist für uns schockierend: Für die Abrissarbeiten wurden ähnlich hohe Emissionswerte genehmigt wie für den Normalbetrieb der Reaktoren. Beim Abriss werden große Mengen radioaktiver Partikel in Luft, Wasser und Land großflächig verteilt.

Und bei einer Sprengung der Kühltürme besteht die Gefahr eines Strahlenunglücks, falls dabei das Zwischenlager getroffen wird und Radioaktivität aus den dort gelagerten CASTOR-Behältern freigesetzt wird.

Eine Alternative für den nun vorgesehen sofortigen Abriss des Kraftwerks wäre der Sogenannte „sichere Einschluss“ gewesen. D.h., man hätte die Anlage die nächsten 10-20 Jahre stehen lassen, bis die Radioaktivität auf noch ein 1000-stel. abgeklungen wäre. Stattdessen wurde das Atomgesetz jetzt so geändert, dass diese Möglichkeit verboten wurde. – Ein Skandal.

FAZIT
Genug ist nicht genug – Unser Widerstand ist weiterhin nötig.

Wir zählen auf euch.

Zusammenfassung des Abschaltfest KKP am 29.12.2019

Statt erwarteten 20, dann 40 Leuten, kamen rund 200.
Das Presseecho war immens, alle großen und viele kleine Medien haben darüber berichtet, so z.B. ARD, ZDF, SWR, dpa …

Das Abschaltfest war eine ausgesprochen erfolgreiche Veranstaltung und bester Stimmung, alle für die Anti-Atom-Bewegung im Landkreis Karlsruhe wichtigen Themen wurden von verschiedenen RednerInnen angesprochen.
Ablauf:

12 Uhr:
1 Begrüßung, Gudrun (Anti-Atom-Initiative Karlsruhe)

2 Harry Block (Anti-Atom-Initiative Karlsruhe, BUND)

3 Sylvia Kotting-Uhl (MdB)

4 Herbert Würth (Atomerbe-Neckarwestheim)

Danach Anstoßen und Pressefotos

5 Matthias Mauser (Anti-Atom-Initiative Karlsruhe)

6 Ralf (Atomerbe Biblis)

7 Gertrud Patan (Atom Erbe Obrigheim)

8 In Erinnerung an Wilhelm Knobloch

9 Dr. Jörg Schmid (IPPNW)

10 Wolfram Treiber (Anti-Atom-Initiative Karlsruhe)

11 Schlussworte von Harry Block

13:30, danach: zusammenpacken und ab nach Römerberg auf die andere Rheinseite

Felsenfest steht: Ohne die super tollen und hilfsbereiten ehrenamtlichen Herlfer*innen, wäre so eine erfolgreiche Aktion nicht möglich.
Unser besonderer Dank gilbt: Ilse und Armin (plus Anhang), Wolfgang, Brigitte u. Lothar, Silke, Wolfram, Harry u. Gudrun.
Ein großes Dankeschön an all unsere Gäste für ihr kommen.

Stand up for nuclear – Atomlobby spielt „Fridays for Future“

Von Axel Mayer, BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein, 10.10.19

Liebe Leute in allen Atomverteilern,
während wir teilweise mit dem Kopf noch in den Kämpfen der vergangenen Jahrzehnte stecken, haben sich die Durchsetzungsstrategien der Industrie massiv geändert. Wenn aktuell bundesweit mit“Grünen Kreuzen“ gegen das Agrarpaket demonstriert wird, dann geht es um Konzerninteressen. Bayer/Monsanto, Syngenta, Gen-Lobby & Co. sehen ihre Profitinteressen durch das Agrarpaket massiv gefährdet. Sie treten aber psychologisch geschickt nicht selber auf sondern schicken gezielt die „kleinen Bauern & Landfrauen“ vor.

Und noch perfekter ist die Atomlobby mit ihrem Aktionstag „Stand up for nuclear“.

stand up for nuclear – Atomlobby spielt „Fridays for Future“

https://www.mitwelt.org/stand-up-for-nuclear-propaganda.html
Auch im Jahr 2019 werden die Atomkonzerne wieder „Fridays for Future“ spielen. Am 20. Oktober 2019 sind weltweit Aktionen der gut getarnten Atom-Lobbyisten der „Nuclear Pride Coalition“ geplant. Unter dem Motto »Stand up for nuclear« (Aufstehen für Kernenergie) finden am selben Tag in Paris, London, Helsinki, Stockholm, Kopenhagen, Amsterdam, Toronto, New York, Los Angeles, Buenos Aires, Johannesburg, Mumbai, Taipeh, Seoul, Melbourne und an vielen weiteren Orten ebenfalls sogenannte Aktionstage statt. Atom-Lobbyisten spielen Umweltbewegungstheater.

Die internationale Atomlobby war nach den vielen Opfern der „zivilen“ Nutzung der Atomkraft, nach Fukushima und Tschernobyl für kurze Zeit ein wenig in Deckung gegangen. Aufgegeben hat sie nicht. Das globale atomare Dorf, die alten mächtigen Seilschaften aus Konzernen, Lobbyisten und Atomparteien funktionieren noch. Es werden zwar viele alte AKW stillgelegt, doch in Diktaturen, Halbdiktaturen und in Ländern in denen der Markt nicht funktioniert, werden immer noch AKW gebaut. Gerade mit vorgeschobenen Klimaargumenten wird auch 2019 intensiv für Gefahrzeitverlängerung und neue Atomkraftwerke geworben. Um die Bevölkerung nach Tschernobyl und Fukushima für ihre Gewinn-Interessen zu begeistern, ist insbesondere neoliberalen amerikanischen Indutrie-Lobbyist und Netzwerken kein Preis zu hoch und keine Methode zuwider. In geschickt inszenierten Kampagnen verbreiten sie Halbwahrheiten, verschleiern Tatsachen oder rühmen Selbstverständlichkeiten.

Was sich gegenüber den früheren Jahren geändert hat, sind die Durchsetzungs- und Propagandastrategien. Die früheren Konflikte um Atomkraft, Umweltschutz und Klimaschutz wurden noch zwischen UmweltschützerInnen und Konzernen ausgetragen und leider denkt und agiert die Umweltbewegung auch heute noch in den alten Denk- und Konfliktmustern. Heute werden die Konflikte „ausgelagert“. Vorfeldorganisationen der Atom- und Kohlekonzerne, die  Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Stiftungen und industrienahe Schein-Bürgerinitiativen wie „Nuclear Pride“ engagieren sich scheinbar unabhängig für Atomkraft und Kohlekraftwerke und bekämpfen erfolgreich überall in Deutschland die umweltfreundlichen, zukunftsfähigen Energien und die Energiewende.

Auch im AKW-Werbefilm „Thorium – Atomkraft ohne Risiko?“ zeigen sich die geschickten Durchsetzungsstrategien. Nicht etwa Konzerne wollen neue AKW, sondern BürgerInnen und Bürgerinitiativen…

Wie formulierte Dr. Sebastian Schwark, von der PR-Agentur Hill & Knowlton, die neue Aufgabe für Unternehmen der Energiewirtschaft? „Die Kernfrage ist […] nicht, wie Protest zu vermeiden ist, sondern wie wir Protest managen können“.

Gerade auch superreiche amerikanische Lobbyisten, die mit viel Geld Herrn Trump zur Macht verholfen haben, haben ein massiv-erfolgreiches Interesse am Weiterbetrieb und Neubau von Atom- und Kohlekraftwerken, an der Leugnung des Klimawandels und der Bekämpfung zukunftsfähiger Energien.

„Es gibt keinen menschengemachten Klimawandel, aber wegen des Klimawandels benötigen wir unbedingt die Laufzeitverlängerung von AKW und neue Kernkraftwerke.“ Dieser Satz erscheint Ihnen unlogisch? Aber schauen Sie sich einmal die UnterstützerInnen der „klimaschützenden“ Nuclear Pride Coalition an. Es sind die Kohlefreunde und Klimawandelleugner von EIKE, von der rechtsliberalen „Achse der Guten“ und die AfD. Sie kämpfen mit der Leugnung des Klimawandels für Kohlekraftwerke und sie argumentieren mit dem Klimawandel, um die Profite der Atomindustrie zu sichern.

Was »Stand up for Nuclear« gerne verschweigt:
Die Nutzung der Atomenergie ist nicht nur lebensbedrohend, sondern auch die teuerste Art von Klimaschutz. Die von der Atom- und Kohlelobby massiv bekämpften alternativen Energiequellen sind zwischenzeitlich viel kostengünstiger als der Strom aus gefährlichen AKW. Umweltforscher haben berechnet, dass sich durch Investitionen im Bereich Energieeinsparung mehr als die doppelte Menge an Kohlendioxid vermeiden lässt als bei vergleichbaren Investitionen in den Bau neuer AKW.  Warum sollen wir auf eine gefährliche, teure Hochrisikotechnologie wie den Thorium Reaktor setzen, wenn wir kostengünstige, umweltfreundliche Alternativen haben?

Graswurzelbewegungen – Kunstprodukte der Atomlobby
„Ein echter PR-Kracher ist allerdings die Organisation «Mothers for Nuclear». Zaitz ist hier Mitbegründerin und versichert, dass sie sich aus reiner Besorgnis um die Umwelt engagieren würde und keineswegs, weil sie von der Atomindustrie bezahlt werde (sie arbeitet als leitende Ingenieurin im umstrittenen kalifornischen Atomkraftwerk Diablo Canyon).
Gruppen wie «Women in Nuclear» oder «Mothers for Nuclear» werden in den USA oft als Astroturf-Organisationen bezeichnet. Astroturf ist der englische Begriff für Kunstrasen – also einem Plastikprodukt, das von weitem aussieht wie Gras. Ähnlich verhält es sich mit Astroturf-Organisationen, die aussehen sollen, wie Graswurzelbewegungen, aber statt dessen sorgfältig orchestrierte Kunstprodukte der Atomlobby sind. Zaitz Gesicht taucht daher auch gleich bei einigen Astroturf-Organisationen auf – oft zusammen mit dem stilisierten Atommodell: mit Fingerfarben auf bunte Pappe gemalt, auf T-Shirts gedruckt, auf Aufklebern und in Holz gefräst wie ein hübsches Mandala.“
Quelle: /www.infosperber.ch

Neue, kleine Thorium-AKW sollen zukünftig überall auf der Welt gebaut werden. Aus dem alten, großen Druck- und Siedewasser-Reaktor würden unzählige Klein- und Kleinstreaktoren… Ein zentrales Risiko der vielen, neuen, kleinen Dual Fluid Reaktoren wird von Nuclear Pride gezielt ausgeklammert. In jedem dieser Mini-Reaktoren entsteht die Radioakivität vieler Hiroshima-Bomben. Ein Unfall oder ein Anschlag auf ein Kleinst-AKW könnte eine Stadt unbewohnbar machen. Viele kleine Reaktoren sind viele kleine, zwangsläufig schlecht gesicherte, potentielle Anschlagsziele. Auch für die heutigen und zukünftigen Diktatoren der Welt brächte die Möglichkeit, „schmutzige Bomben“ zu bauen einen „nordkoreanischen Machtzuwachs“.
Um tatsächlich in großem Umfang teuren Atomstrom zu erzeugen, müssten weltweit extrem viele AKW in immer mehr Ländern gebaut werden. Doch jeder neue Staat, der mit Hilfe der Atomkraft in den Besitz von Atomwaffen kommt, erhöht die Gefahr zukünftiger Atomkriege und ist eine Katastrophe für die Menschheit und alles Leben auf diesem Planeten.
Hinter den am 20. Oktober weltweit geplanten Lobbyisten-Demos  von „Stand up for nuclear“ stehen gut getarnte PR-Agenturen und Konzerne, die Umweltbewegung spielen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer
Mehr Infos: https://www.mitwelt.org/stand-up-for-nuclear-propaganda.html