40. Jahrestag der Atomkatastophe Tschernobyl – Rede der Anti-Atom-Ini KA

25.04.26 am KA Hbf

Silke Gilliard: Teil 1. Die Katastrophe

Am 26. April 1986 ereignete sich im Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine der bisher schwerste Atomunfall in der Geschichte der sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenergie.
Unfallhergang: Das Atomkraftwerk Tschernobyl gehörte zu einem Reaktortyp, der ausschließlich in der ehemaligen Sowjetunion gebaut wurde. Während eines planmäßigen langsamen Abschaltens und eines gleichzeitigen Versuchsprogramms zur Überprüfung verschiedener Sicherheitseigenschaften der Anlage, kam es zu einer unkontrollierten atomaren Kettenreaktion. Dies führte zu einer Explosion des Reaktors, die das rund 1.000 Tonnen schwere Dach des Reaktorbehälters anhob. Mangels eines Beton- und Stahlschutzes lag der Reaktorkern infolge der heftigen Explosion frei, so dass radioaktive Stoffe aus dem Reaktor ungehindert in die Atmosphäre gelangten.

Das im Reaktor verwendete Graphit brannte. Bei den Lösch- und Aufräumarbeiten wurden viele Beschäftigte des Reaktors, Feuerwehrleute sowie als „Liquidatoren“ bekannte Rettungs- und Aufräumkräfte einer extrem hohen Strahlenbelastung ausgesetzt. Viele von ihnen starben nach vielen Jahren.

Die Freisetzungen radioaktiver Stoffe konnten erst nach 10 Tagen durch den Abwurf von ca. 5.000 Tonnen Sand, Lehm, Blei und Bor aus Militärhubschraubern auf die Reaktoranlage und das Einblasen von Stickstoff zur Kühlung des geschmolzenen Kernbereichs beendet werden.

In den Jahren 1986 und 1987 waren über 240.000 Personen als Liquidatoren innerhalb einer 30-KilometerSperrzone rund um den havarierten Reaktor eingesetzt. Weitere Aufräumarbeiten wurden bis etwa 1990 durchgeführt. Insgesamt waren etwa 600.000 Liquidatoren für den Einsatz registriert.

Anete Wellhöfer: Teil 2: Die Folgen

In diesem Beitrag sage ich etwas zu den Folgen, also zu der radioaktiven Ausbreitung im Umkreis der Atomanlage Tschernobyl und über ganz Europa:

Aufgrund der Explosion gelangten vom 26. April bis zum 6. Mai 1986 in erheblichem Maße radioaktive Stoffe in die Umwelt. Durch den 10 Tage anhaltenden Reaktorbrand entstand eine enorme Hitze. Mit dem thermischen Auftrieb gelangten tagelang große Mengen radioaktiver Stoffe durch das zerstörte Dach der Reaktorhalle in Höhen von vielen Tausenden Metern. Verschiedene Luftströmungen, also Winde, verteilten die radioaktiven Stoffe über weite Teile Europas. Sie verseuchten radioaktiv große Teile Europas. Wolken brachten eine der radioaktiven Wolken am 1. Mai 1986 auch nach Süddeutschland und damit auch nach Karlsruhe.

Freigesetzt wurden viele radioaktive Edelgase, wie etwa Xenon-133, leicht flüchtige Stoffe wie radioaktives Jod, Tellur und radioaktives Cäsium, die sich mit dem Wind weit über die Nordhalbkugel, insbesondere über Europa, verteilten. Darunter waren aber auch schwere radioaktive Nuklide wie Strontium und Plutonium, die sich vor allem in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern um den Unfallreaktor Tschernobyl in der Ukraine und in den angrenzenden Gebieten von Belarus ablagerten.
Aufgrund ihrer vergleichsweise kurzen Halbwertszeiten waren radioaktives Jod und Xenon-133 drei Monate nach dem Unfall praktisch aus der Umwelt verschwunden.
Cäsium-137 und Strontium-90 haben dagegen eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren und kontaminieren die Umwelt deutlich länger:

40 Jahre nach dem Atomreaktorunfall in Tschernobyl hat sich die Aktivität dieser radioaktiven Stoffe etwa halbiert. Plutonium-239 und Plutonium-240 haben mehrere Tausend Jahre Halbwertszeit – diese vor allem in der näheren Umgebung des Unfallreaktors vorzufindenden radioaktiven Stoffe sind bis heute praktisch nicht zerfallen, ihre Aktivitäten sind etwa so hoch wie 1986.

Am 1. Mai 1986 trafen die radioaktiven Luftmassen des Reaktorunfalls von Tschernobyl in Deutschland ein.
Aufgrund heftiger lokaler Niederschläge im Süden Deutschlands, wurde Süddeutschland deutlich höher belastet als Norddeutschland. Die radioaktiven Stoffe lagerten sich unter anderem in Wäldern, auf Feldern und Wiesen ab, auch auf erntereifem Gemüse und Weideflächen. Radieschen und frischer Salat durften nicht mehr gegessen werden, ebenso Milchprodukte. Noch heute müssen in Bayern geschossene Wildschweine getestet werden.

Der 40. Jahrestag des Super-GAUs in Tschernobyl, soll uns Anlass sein der Opfer zu gedenken und die Erinnerung an die Atomkatastrophe wachzuhalten. Die Folgen von Atomkatastrophen und im Besondere die von Tschernobyl, halten bis heute an.
Wir mahnen, dass Atomenergie eine Hochrisikotechnologie ist die an Ländergrenzen nicht halt macht. Tschernobyl steht symbolisch für die Unbeherrschbarkeit der Atomenergie.

Harry Block: Teil 3: Die Folgen Vorort und in KA

Ich berichte Ihnen, wie die Menschen vor Ort, also in der Ukraine betroffen waren:
Am Tag nach dem Unfall wurde die Stadt Prypjat evakuiert, sie ist bis heute nicht bewohnt. Das Gebiet in einem Radius von 30 Kilometern rund um das Kernkraftwerk Tschornobyl (russ.: Tschernobyl) wurde anschließend zum Schutz der Bevölkerung vor hoher Strahlung zur Sperrzone.

Die Orte innerhalb der Sperrzone wurden evakuiert und aufgegeben – betroffen davon waren 1986 neben Prypjat auch Tschornobyl, Kopatschi und weitere Ortschaften. Die Sperrzone wurde später anhand der Höhe der Kontamination räumlich angepasst. Insgesamt wurden mehrere 100.000 Personen umgesiedelt – zwangsweise oder aus eigenem Antrieb.

Die größte Belastung der Bevölkerung ist die Belastung der Schilddrüse mit radioaktivem Jod. Die Zahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen stieg nach 1986 in der Bevölkerung von Weißrussland, der Ukraine und den vier am stärksten betroffenen Regionen Russlands deutlich an. Dies ist zum größten Teil auf die Belastung mit radioaktivem Jod innerhalb der ersten Monate nach dem Unfall zurückzuführen.

Das radioaktive Jod wurde vor allem durch den Verzehr von Milch von Kühen aufgenommen, die zuvor kontaminiertes Weidegras gefressen hatten. Dies gilt als Hauptursache für die hohe Rate an Schilddrüsenkrebs bei Kindern. Radioaktives Jod wurde außerdem durch weitere kontaminierte Nahrung sowie durch Inhalation mit der Luft aufgenommen. Nach Aufnahme in den Körper reichert es sich in der Schilddrüse an.

Wird genau zum richtigen Zeitpunkt nicht-radioaktives Jod in Form einer hochdosierten Tablette aufgenommen, kann verhindert werden, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert (sogenannte Jodblockade). Entsprechende Informationen der zuständigen Behörden gab es in den betroffenen Staaten der ehemaligen SowjetUnion für die Bevölkerung, insbesondere in ländlichen Gebieten, jedoch nicht – auch nicht darüber, dass potenziell betroffene Lebensmittel, insbesondere Milch, nicht oder nur eingeschränkt verzehrt werden sollte. Dazu kam, dass die betroffene Bevölkerung oft keine Alternativprodukte zur Nahrungsaufnahme zur Verfügung hatte.

Die Katastrophe erreichte am 1. Mai 1986 Deutschland. Am 1. Mai gegen 13 Uhr fiel der radioaktive Regen auf die Region Karlsruhe.

Das Reaktorunglück trifft Ost und West gleichermaßen unvorbereitet. Auch in der Bundesrepublik gibt es keinen Notfallplan, keine gesetzlichen Vorgaben für Grenzwerte, keine offiziellen Empfehlungen, welche Maßnahmen zu treffen sind. Dass eine Katastrophe wie diese eintreten könnte, hatte man schlichtweg nicht für möglich gehalten – oder halten wollen.

In den folgenden Tagen stiegen die Strahlenwerte in manchen Regionen auf alarmierend hohe Werte. Besonders betroffen waren Teile Süddeutschlands –dort wuschen heftige Regenfälle die radioaktiven Stoffe aus der Atmosphäre aus.

Auch die Empfehlungen, wie sich die Bevölkerung angesichts der Strahlung verhalten sollte, variieren. In den Medien wurde vielfach das Einnehmen von Jod-Tabletten empfohlen, was dazu führte, dass diese innerhalb weniger Tage in den Apotheken ausverkauft waren. Die Stadt Hamburg riet ihren Bürgern, bei Regen nicht nach draußen zu gehen. Niedersachsen empfahl Kleingärtnern, die oberste Bodenschicht in ihren Beeten abzutragen. Bauern sollten ihre Kühe von der Weide holen und Blattgemüse unterpflügen. Behörden empfahlen, Kinder nach dem Spielen im Freien abzuduschen, Klassenfahrten in die DDR oder in Ostblockländer wurden abgesagt.

Die Bundesregierung dagegen erklärte mit Berufung auf die Strahlenschutzkommission, dass das Spielen und Sporttreiben im Freien unbedenklich sei. Eine Auffassung, die wiederum manche Politiker und Wissenschaftler als verharmlosend und fahrlässig kritisierten. Die vielen unterschiedlichen Empfehlungen und Anweisungen trugen maßgeblich dazu bei, die Bevölkerung zu verunsichern. Dosengemüse und H-Milch statt Frischprodukte

Auch die Berichterstattung in den Medien, die plötzlich voll war mit Begriffen wie Becquerel, Millisievert, Caesium-137 und Jod-131, trug zur Verunsicherung bei. So titelte die TAZ am 2. Mai 1986: „Misstraut den Offiziellen – auch wir können gefährdet sein“. Auf die zunehmende Verwirrung reagierte die Bundesregierung mit einer Anordnung, nach der sich die Bundesländer an die Empfehlungen der Strahlenschutzkommission zu halten hätten – woraufhin viele Bürger auf Frischmilch und -gemüse lieber ganz verzichteten und stattdessen zu H-Milch und Dosengemüse griffen.

In der DDR gab es keinerlei Mahnungen.

In Deutschland gilt für Lebensmittel der Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm, bei Milchprodukten und Babynahrung sind es 370. Becquerel ist die Maßeinheit für den Zerfall von Atomkernen pro Sekunde. Zum Vergleich: Der Verzehr von einem halben Kilo Wildschweinfleisch mit 600 Becquerel würde die natürliche Strahlenbelastung, der ein Mensch in einem Jahr ausgesetzt ist, so erhöhen wie durch eine Röntgenuntersuchung oder einen Langstreckenflug.

Durch die Pilze ist auch das bayerische Wild weiterhin belastet. Frei lebende Wildschweine wühlen gerne in der oberen Waldbodenschicht und suchen nach Leckerbissen. Auf ihrem Speiseplan stehen Hirschtrüffel, die besonders stark mit Cäsium-137 belastet sein können. Bei jedem geschossenen Wildschwein muss daher geprüft werden, ob das Fleisch unbedenklich ist, bevor es in den Handel kommen darf. Es sind immer noch Wildschweine so radioaktiv belastet, dass sie nicht verzehrt werden dürfen.

Anete Wellhöfer: Teil 4: Die Schutzhülle

Im folgenden Beitrag spreche ich über die Schutzhülle den sogenannten Sarkophag in Tschernobyl. Um die im zerstörten Atomreaktor befindlichen radioaktiven Stoffe einigermaßen sicher einzuschließen und weitere Freisetzungen radioaktiver Stoffe in die Umgebung zu begrenzen, wurde von Mai bis Oktober 1986 eine als „Sarkophag“ bekannte Konstruktion aus Beton und Stahl um und über den zerstörten Reaktor errichtet. Wegen der Dringlichkeit blieb keine Zeit für eine detaillierte Planung. Die Schutzhülle war nach wenigen Jahren defekt.

2016 wurde mit internationaler Unterstützung eine etwa 110 Meter hohe Schutzhülle – das „New Safe Confinement“ – über den ursprünglichen Sarkophag in Tschernobyl geschoben und 2019 betriebsbereit in die Verantwortung der Ukraine übergeben. Die Schutzhülle ist rund 165 Meter lang und besitzt eine Spannweite von ungefähr 260 Metern; ihre projektierte Lebensdauer beträgt 100 Jahre. Der Rückbau des alten Sarkophags sowie die Bergung und sichere Endlagerung des darin enthaltenen radioaktiven Materials stehen an.

Heute, 2026, ist Tschernobyl nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch Teil eines aktuellen militärischen Konflikts. Im Februar 2022, zu Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, besetzten russische Truppen das Gebiet des Atomkraftwerks Tschernobyl. Nach Angaben der Internationalen Atomenergieagentur IAEA und ukrainischer Behörden, gruben sich russische Soldaten in der besonders stark kontaminierten „Roten Zone“ ein – ohne ausreichenden Schutz. Der Verdacht: Die russischen Besatzer wussten nichts von der Strahlengefahr oder ignorierten sie. Nach rund fünf Wochen zogen sich die Truppen wieder zurück, offenbar mit ersten Krankheitsfällen unter den Soldaten.

Am 14. Februar 2025 schlug eine russische Drohne in die Schutzhülle ein, den sogenannten Sarkophag, des zerstörten Reaktors 4 im AKW Tschernobyl. Ein Sprengkopf verursachte ein über 15 Quadratmeter großes Loch und einen Schwelbrand. Der Drohneneinschlag beschädigte die Außen- und Innenwand der Schutzhülle, was zu einem Brand führte und die primäre Sicherheit des Einschlusses gefährdet. Die notwendige Druckdifferenz zwischen den Wänden konnte nicht mehr aufrechterhalten werden.

Die IAEA fordert eine umfassende Sanierung, da die Möglichkeit besteht, dass Radioaktivität austritt.Die Ukraine sagt, solange der Krieg anhält können sie nicht reparieren. Die Reparatur wird immense Kosten verursachen.

Was sollten wir daraus lernen. Atomkraftwerke, aber ebenso die 16 Zwischenlager in Deutschland sind tickende Zeitbomben und können mit Drohnen angegriffen werden.
Tschernobyl ist und bleibt eine Mahnung. Die Lehre von der Tschernobyl Atomkatastrophe 1986 ist heute aktueller denn je: Atomkraft kennt keine Grenzen – weder technisch, noch politisch, noch geografisch. Deshalb gibt es nur eine Forderung, weltweit alle AKWs abschalten und Kriege verhindern anstatt sie zu befeuern.

Harry Block: Teil 5: Aktuelle Lage

In Deutschland wird nach dem Atomausstieg 2023 über eine Wiederbelebung der Atomkraft debattiert.

– Die AfD fordert nach wie vor die Wiederinbetriebnahme der letzten stillgelegten Atomkraftwerke, obwohl bei einigen die Kühltürme schon gesprengt sind und der Abriss im Innern schon längst begonnen hat.

– Markus Söder (CSU) fordert ein Pilotprojekt für Mini-AKWs, die sogenannten small modula reactors (SMR), um die Versorgungssicherheit durch Kernenergie 2.0 zu erhöhen.

– EU-Kommissionspräsidentin und der Kanzler Merz halten den Ausstiegsbeschluss für falsch.

– Von der Leyen und die Europäische Union fördern den Ausbau von SMR mit 200 Millionen Euro.

– Gleichzeitig beginnt eine Diskussion um den Einstieg in die Fusionsforschung.

Die Technologie der kleinen modularen Reaktoren (SMR) gilt für die CSU als Hoffnungsträger. Diese Technik ist jedoch bisher kaum erprobt und besteht hauptsächlich aus Planzeichnungen. Ein Projekt in den USA wurde aus finanziellen Gründen eingestellt.

Auch wenn immer wieder eine „Renaissance“ der Atomkraft herbeigeredet wird: Die Fakten sprechen gegen Atomkraft. Denn sie ist und bleibt unsicher, unzuverlässig, gefährlich, dreckig und teuer. Punkt. Aus.

Vor einem Jahr verkündete das US-Energieministerium einen historischen Durchbruch: Erstmals gelang in einem Reaktor eine Kernfusion. Eine genauere Betrachtung zeigt, die Ergebnisse eignen sich nicht zur Stromerzeugung.

Die 3,5 Milliarden Dollar teure Anlage im kalifornischen Lawrence Livermore National Laboratory lieferte am 5. Dezember 2022 tatsächlich für einen ganz kurzen Augenblick 0,9 Kilowattstunden Energie. Eine Brennstoffkapsel mit den Wasserstoff-Isotopen Deuterium und Tritium wurde dabei so stark komprimiert und erhitzt, dass eine Kernfusion stattfand. Hauptsächlich trat der Energieüberschuss in Form von schnellen Neutronen auf – die sind zur Stromerzeugung allerdings überhaupt nicht nutzbar. Um diese Ausbeute zu erreichen, mussten die Forscher:innen das Hundertfache an elektrischer Energie in die Anlage stecken – der Energiegewinn war also rein theoretischer Natur. Das Experiment an sich hat minimalst Energie geliefert, der Versuchsaufbau deutlich mehr gekostet.

Kernfusion ist Jahrzehnte von Marktreife entfernt. Deshalb halte ich den ’neuen Hype‘ um die Kernfusion für unrealistisch. Es wird massiv Geld in eine Technologie gesteckt, die der Gesellschaft wenig Nutzen bringen wird und auch nicht zur laufenden Energiewende beiträgt. Die von der Bundesregierung bereitgestellte Milliarde Euro für die Fusionsforschung wäre im Zubau von erneuerbaren Energien sinnvoller investiert.

Tipps: Dokumentar-Filme zu Tschernobyl in der Mediathek bzw. MediathekView

Wer sich vor oder nach unserer Veranstaltung im ibz am Freitag, dem 24. April um 19 Uhr

zu 40 Jahre Tschernobyl informieren will, findet hier Dokumentationen zum Thema:

planet schule-Was ist 1986 in Tschernobyl passiert_ ⋅ Spickzettel (sehr empfehlenswert)

Tschernobyl 86 – Der Super-GAU (ARD, umfassend)

Exakt-Tschernobyl – Die Reaktorkatastrophe 1986

NZZ Format-Tschernobyl unter Beschuss – Europas nukleare Zeitbombe

Tschernobyl – Der Insiderbericht (1_3) (arte)

Tschernobyl – Der Insiderbericht (2_3) (arte)

Tschernobyl – Der Insiderbericht (3_3) (arte)

Tschernobyl im Krieg – ARTE Reportage

Tschernobyl – Die Katastrophe (ZDF)

Mit Sicherheit nicht ohne Risiken – AKW in der Ukraine (phoenix-Gespräch)

Dokumentar-Filme zu Tschernobyl bei youtube (u.a.)

Der Gau von Tschernobyl – Ganze Folge | Sekunden vor dem Unglück https://www.youtube.com/watch?v=se5dIzYQpmk

Super-GAU von Tschernobyl: Was wirklich geschah | ZDFinfo Doku https://www.youtube.com/watch?v=YSQnjyVUmzo

Tschernobyl – Der Insiderbericht (1_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=L133x8rktPU

Tschernobyl – Der Insiderbericht (2_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=cX6IhnNkNe4

Tschernobyl – Der Insiderbericht (3_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=nCtdwAF3BCk

Die Anti-Atom-Ini KA zu Gast beim Stand der DFG-VK

Am 1. Mai 2025 war die Anti-Atom-Initiative Karlsruhe auf Einladung der DFG-VK KA zu Gast bei deren Stand auf dem Karlsruher Marktplatz und konnte mit ihrem selbst gebauten Miniatur-Modell vom Sarkophag in Tschernobyl auf die Problematik des russischen Drohnenangriffs auf Tschernobyl aufmerksam machen.

Bei der Demo war auf der Brücke beim Jubez folgende Installation zu sehen, die wir sehr gut fanden. Daseinsfürsorge …

Rede von Harry Block zum 39. Tschernobyl-Jahrestag

Samstag, 26.04.2025, auf dem Marktplatz von Karlsruhe:

Am 26. April 1986 kam es im vierten Block des KKW Tschernobyl in der heutigen Ukraine (damals UdSSR), zu einem schweren Unfall, dem ersten Super-Gau, der auf der internationalen Störfall-Skala (INES) mit der höchsten Stufe, nämlich 7, bewertet wurde. In Folge der Explosion kam es zu einem Graphitbrand mit einer Freisetzung radioaktiver Stoffe in große Höhen von bis zu 10.000 Metern.

Tagelang brannte der Reaktor, jede Flamme schleuderte hochradioaktive Partikel hoch in die Luft. Mit Sand und Blei kämpften die Menschen in den ersten Tagen dagegen an. Und begannen schnell unter schlimmsten Bedingungen, eine Schutzhülle zu errichten. Die Strahlung war so hoch, dass die Arbeiter:innen nur wenige Minuten vor Ort bleiben konnten. Quasi im Vorbeirennen errichteten sie den ersten Sarkophag, der die Strahlung eindämmen sollte. Ein Einsatz, der vielen von ihnen ihre Gesundheit oder gar das Leben kostete. Hunderttausende Soldat:innen und Arbeiter:innen wurden dabei kontaminiert, viele Tausende erkrankten oder starben infolge der Strahlung. Hundertausende Menschen wurden evakuiert und verloren ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage. Ein Sperrgebiet mit einem Radius von 30 Kilometern wurde eingerichtet und besteht bis heute noch.

Die Strahlung kam auch bei uns an. Sie erreichte uns durch einen Gewitterregen am 1. Mai und führte bei uns zu zahlreichen Nahrungsmittelverboten, Bodenaustausch auf Kinderspielplätzen und noch viel mehr. Die Reststahlung ist bei uns immer noch vor allem in den Pilzen vorhanden, weshalb Fleisch von Wildschweinen heute noch auf Radioaktivität untersucht wird.

Nach dem Super-GAU in Tschernobyl begann sehr schnell der Bau einer Schutzhülle zur Eindämmung der Strahlung. Doch das Provisorium war bald einsturzgefährdet. Ein weiterer Sarkophag wurde gebaut und 2006 über die immer noch hochgradig strahlende Ruine des havarierten Reaktors geschoben, von dem Teile 2013 unter Schneemassen zusammenbrachen. Um eine zweite nukleare Katastrophe zu verhindern, baute ein Konsortium aus 28 Geberländern einen weiteren 1,5 Milliarden Euro teuren Sarkophag. Dieses riesige bewegliche Bauwerk wurde 2016 über die alte Hülle geschoben.

Am 14. Februar 2025 wurde diese Schutzhülle von einer russischen Drohne getroffen, die explodierte und das Dach durchschlug. Der Einschlag hatte Brände ausgelöst, die zu erheblichen Schäden an der Dachkonstruktion führten. Erst drei Wochen nach dem Angriff wurden die Brände als gelöscht bestätigt. Wenn Wasser in das Gewölbe eindringen, erfüllt der Schutzbunker seine Funktion nicht mehr. Radioaktivität könnte austreten.

In der Ukraine erleben wir das erste Mal, dass ein bewaffneter Konflikt in der Nähe von Atomkraftwerken stattfindet. Gegen militärischen Beschuss sind Atomreaktoren in der Welt und die 16 oberirdischen deutschen Zwischenlager für hoch radioaktiven Atommüll nicht ausgelegt. Ihr sicherer Betrieb ist zudem abhängig von der lückenlosen Versorgung mit elektrischer Energie und der Verfügbarkeit von hochspezialisiertem Fachpersonal. Beides ist in einem Krieg gefährdet bzw. nicht vorhanden. Die russischen Angriffe sind an mehreren Stellen ukrainischen Atomkraftwerken bereits sehr nahegekommen. Das Atomkraftwerk Saporischschja mit 6 Atomreaktoren ist von den Russen besetzt, abgeschaltet und deren Brennelemente müssen mit Strom von außen gekühlt erden. Durch den Beschuss von Energieanlagen verloren im November 2023 die restlichen 15 aktiven Atomkraftwerke in der Ukraine ihre Netzanbindung und konnten nur noch mit Notstromaggregaten betrieben werden. Es bestand die Gefahr von mehreren Super-Gaus, die nur mit erheblichen Einsatz tausender Mitarbeiter zum Teil unter Lebensgefahr behoben werden konnte.

Das Völkerrecht verbietet Angriffe auf Atomanlagen, aber wo auf der Welt werden in Kriegen das Völkerrecht beachtet. Kriege können jederzeit zu einer nuklearen Katastrophe führen wie der Angriffskrieg Russland gegen die Ukraine beweist. Diese Gefahr erfährt noch eine Steigerung, wenn Kriegswaffen in die Hände von Terroristen fallen und mit Hilfe von Drohnen Atomanlagen angreifen. Dies ist auch an jedem der 16 Standorte in Deutschland für hochradioaktiven Atommüll möglich. Die 80 cm dicken Betonwände, die in Philippsburg, ca. 30 km von hier, 106 Castoren umgeben, bieten keinen Schutz für kriegerische oder terroristische Angriffe. Kein Mensch würde ein Atomkraftwerk versichern. Die Deckungssumme für das Zwischenlager für Philippsburg beträgt 70 Millionen Euro. Nochmals die Sicherung mit einer Schutzhülle von Tschernobyl kostete über 1,3 Milliarden Euro.

Um auf diese Gefahr hinzuweisen, die Härtung der bestehenden Zwischenlager für hochaktiven Atommüll in Deutschland zu fordern und die weiterhin geplanten Atomanlagen in Europa zu verhindern, stehen wir, die Anti-Atom-Initiative Karlsruhe, hier auf dem Marktplatz.