40. Jahrestag der Atomkatastophe von Tschernobyl

Redebeitrag von Gesundheit statt Profite bei der Kundgebung am 25.04.26 am KA Hbf

Vertuscht und verharmlost

Tschernobyl steht wie Fukushima für eine der größten und verheerendsten zivilen Atomunfälle. Die radioaktive Wolke zog um die ganze Erde und macht Millionen von Menschen über Nacht zu Opfer.

Nach rund 70 Jahren „friedlicher Nutzung „der Kernenergie in großtechnischen Anlagen gehören geschmolzene Reaktorkerne, unbewohnbare Gebiet, radioaktive Wolken, verseuchter Atommüll, für den es immer noch keine adäquate Entsorgungsmöglichkeit gibt und vermutlich auch nie geben wird und eine unbekannte Zahl von Toten zur Bilanz.

Zu dieser Bilanz gehört auch der Versuch der verantwortlichen Politiker und Organisationen, das Ausmaß der wahren Folgen der bisherigen Atomunfälle zu verheimlichen oder zu bagatellisieren.

Die Folgen der Verstrahlung sind Frühaborte, Fehl- und Frühgeburten, Fehlbildungen, Chromosomenaberrationen, Leukämie, Lymphome und solide Tumoren und weitere strahleninduzierte Pathologien, beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems.

Dennoch wurde und wird über das Ausmaß der Verseuchung, die Hilfslosigkeit der Helfer und auch über die gewaltigen Kosten, die nicht die Atomindustrie, sondern vor allem die Staaten tragen, geschwiegen.

Die IAEO als internationale Atomenergiebehörde ist da ein unrühmliches Beispiel. Sie steht für die Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen, die Aufdeckung der gesundheitlichen und ökologischen Folgen von Atomkatastrophen steht nicht in ihrem Fokus.

So legte die IAEO am 20ten Jahrestag von Tschernobyl einen Bericht mit offensichtlich unzureichenden Angaben zur Strahlenbelastung, zur Größe der betroffenen Personengruppe und zum Zeitraum der erhöhten Strahlenbelastung mit ihren Folgen vor.

Dabei gibt es dazu ganz konkrete Zahlen:

  • In der unmittelbaren Umgebung des havarierten Kraftwerks arbeiteten in den Wochen und Monaten nach dem Super-GAU mehr als 800 000 Aufräum- und Katastrophenarbeiter, die sogenannten Liquidatoren. Sie erhielten die größte Strahlendosis und erlitten die schwerwiegendsten gesundheitlichen Schäden.
  • Ungefähr 8,3 Millionen Bürger und Bürgerinnen der Ukraine, Weißrusslands und Russlands wurden großen Mengen radioaktiven Niederschlags ausgesetzt.
  • schätzungsweise 500 Millionen Menschen in ganz Europa wurden mit geringeren Strahlendosen belastet.
  • Auch in Deutschland kamen so Millionen von Menschen jenseits medizinischer Behandlungen in Kontakt mit radioaktiven Isotopen wie Jod-131 oder Cäsium-137 und nahmen sie mit der Atemluft, kontaminierter Nahrung, Milch und Trinkwasser in den Körper auf. Bis heute werden gesundheitsschädigende Mengen radioaktiven Cäsiums in bayerischem Wild und Waldfrüchten gefunden.

Das Zitat von Hans Blix, von 1981 bis 1997 Direktor der IAEO

„Angesichts der Wichtigkeit der Kernenergie könnte die Welt einen Unfall vom Ausmaß Tschernobyl pro Jahr ertragen“

spiegelt die Haltung der Atomwirtschaft und ihren verantwortlichen Politikern wider.

Zum Jahrestag von Tschernobyl gehört auch die Erinnerung, wer damals sofort und umfassend geholfen hat. Kuba hat damals Tausende von verstrahlten Kindern und Jugendliche aufgenommen und behandelt. Dasselbe Kuba, das jetzt auf der Abschussliste des Mörders im Weißen Haus steht.

Das Wissen über Radioaktive Strahlung und ihre Folgen auf die Gesundheit von Menschen und Natur sind heute überaus relevant, besonders vor dem Hintergrund der EU-Politik, die Milliarden an Fördergeldern in Atomprojekte fließen lassen will.

  • Frau von der Leyen befürwortet bspw. die Entwicklung sog. Minireaktoren
  • Die EU und ganz vorne Deutschland planen die Entwicklung europäischer Atomwaffen
  • Noch 2026 ist die Aufstellung amerik. Mittelstreckenraketen, die atomar bewaffnet/ bestückt werden können, in Deutschland geplant.

Nehmen wir diesen 40.ten Jahrestag zum Anlass NEIN zu sagen. Nein zum europ. Atomprogramm. Nein zur Militarisierung und Aufrüstung. Nein zur Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland.

Prävention bedeutet für uns Beschäftigte im Gesundheitswesen, dass wir verhindern müssen, was wir nicht heilen können!

40. Jahrestag der Atomkatastophe Tschernobyl

Rede vom KA Friedensbündnis bei der Kundgebung am 25.04.26 am KA Hbf

Rede gegen Atomwaffen

Vor vierzig Jahren passierte die Katastrophe in Tschernobyl.
Heute werden im Iran, in der Ukraine, in Russland Atomkraftwerke bombardiert, werden von den Kriegstreibern der Welt als legitime Ziele definiert. Erst einmal ist das ein verachtenswerter Angriff auf zivile Infrastruktur, denn jeder Tag ohne Strom
bedeutet für Millionen Menschen, dass ihre Häuser dunkel und unbeheizt sind, dass ihre
Lebensmittel in Kühlhäusern und Kühlschränken vergammeln, dass das moderne Leben zu einem halt kommt. Auf längere Sicht führen Angriffe auf Kraftwerke also zu humanitären Katastrophen, sie haben das Ziel, Menschen zu erdrosseln und zu brechen. Diese Taktik sehen wir in immer mehr der großflächigen Kriege dieses Jahrhunderts, immer auf die
Infrastruktur, immer möglichst viele Menschen treffen, totaler Krieg.

Doch bei der Bombardierung eines Atomkraftwerkes kommt natürlich noch dazu, dass es nukleare Kriegsführung ist: Jeder Angriff auf ein Atomkraftwerk nimmt Schäden am Reaktor, nimmt Austritt radioaktiven Materials, nimmt eine Kernschmelze in Kauf. Alles Schäden, die wieder die Bevölkerung besonders betreffen würden. Die Kriegstreiber setzen auch darauf, dass diese Schäden wegen der unübersichtlichen Situation
nicht repariert werden können.

Wir sehen es an den gezielten Infrastrukturbombardierungen durch die USA, an Israels offener Besatzung in Palästina und dem Libanon, wir sehen es bei den gegenseitigen Öl Blockaden vor dem Iran, wir sehen es an den Massakern in der Ukraine und am laufenden Völkermord in Sudan, überall sind Zivilist:innen und zivile Gesellschaft die Hauptziele der Kriegsführung. In diesem Licht müssen wir auch die erneut in Mode gekommenen Drohungen mit nuklearem Krieg betrachten.

Trump tweetet vom Tod ganzer Zivilisationen, Putin spricht von taktischem Atomwaffeneinsatz, Merz und Co. fordern einen Atomschirm für Europa, und laut eines indischen Diplomaten bereiten sich die Vereinten Nationen auf einen Atomschlag gegen Teheran vor. Viele hier kennen die Zahlen, andere nicht:
Über 12000 Atomwaffen gibt es weltweit, ca. 5500 davon bei Staaten der NATO.
Es gibt 9 bekannte Atommächte weltweit.
Es gibt 9 Oberbefehlshaber, die den Erstschlag entscheiden könnten.
3900 Atomwaffen werden jederzeit abschussbereit gehalten, ihre Ziele sind bereits ausgewählt.
Viele dieser Waffen sind an Computer gekoppelt, die allein im Fall einer gegnerischen
Abschusswarnung automatisch feuern.

Auch heute reichen die Atomwaffen aus, um jeden Menschen auf der Erde etliche Male
umzubringen. Durch die Pläne der EU, überall französische Atomwaffen zu stationieren, würde Frankreich weiter aufrüsten. Auch andere Staaten wie Finnland suchen nach Wegen, ein Atomwaffenarsenal aufzubauen, Deutschland hätte diese Kapazitäten bereits. Regionale Wettrüsten wären die Folge. Stationieren, drohen, nachrüsten, das wirkt alles wie ein großes Spiel. In diesem „Spiel“, so nennen es Politiker und Analytiker euphemistisch, ein Spiel mit dem Leben von Milliarden, geht es immer um die Erpressung der Machthabenden mit dem Leid ungezählter Menschen.

Seit wann kümmern sich die Machthaber um ihre Untertanen? Wenn sie das täten, hätten wir dann in allen Atommächten Obdachlosigkeit, Hungertote, Elendsviertel? Niemand kann das Spiel gewinnen! Durch ihr Spiel werden wir zu Zielen. Jede Stadt, die eine Atomrakete stationiert, wird zum Ziel eines Erstschlages, jede Stadt, in der ein Atomkraftwerk steht, könnte schon deshalb angegriffen werden.

Und auch im Frieden bedrohen stationierte Atomwaffen die Zivilbevölkerung:
1982 baute ein Raketenlaster bei Malsch einen Unfall, ein scharfer Atomkampfkörper wurde beschädigt, hunderte Anwohner:innen wurden evakuiert, einige Zeit später passierte ähnliches nahe Heilbronn, beide Male wurden ganze Nachbarschaften belogen, bis heute gibt die US-Army an, dass damals kein Sprengkopf vorhanden gewesen wäre, was
Aslo allein in dieser Region zwei Vorfälle, in denen man beinahe die eigene Bündnisbevölkerung bombardiert hätte.

Wer den Frieden will, braucht keine Atomwaffen. Da die Deutsche Führung aber Atomwaffen will, braucht sie offensichtlich keinen Frieden. Nur wir können uns gegen die Stationierung von Atomwaffen in unseren Städten und Ländern wehren, indem wir uns zusammentun und unsere Ablehnung auf die Straße tragen.
Nein zu Atomwaffen, nein zu Atomwaffenstationierungen!
Ich bin vom Friedensbündnis, wir setzen uns gegen die fortschreitende Militarisierung hierzulande ein, wenn ihr Interesse an Mitarbeit habt, kommt doch gerne auf mich zu.

40. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl

Redebeitrag von Stefan Lau am Sa. 25.04.2026 bei der Kundgebung am KA Hauptbahnhof

Ohne Atombomben keine Atomkraft – ein paar Gedanken zum Atomzeitalter“

Es gibt keine friedliche Nutzung der Atomenergie; am Anfang war die Atombombe!

Unsere Epoche des Atomzeitalters bedeutet die Möglichkeit der Selbstvernichtung der Menschheit, bzw.weise der Wahrscheinlichkeit der Selbstvernichtung.“

(Günther Anders, Hiroshima ist überall“, S. XXVII)

schwer auszuhalten, wir sollten es uns an Gedenktagen wir heute trotzdem immer wieder klar machen was Atomzeitalter bedeutet. – und heute kommen noch die globalen Folgen des menschengemachten Klima-Umbruchs dazu.

Kurze Erinnerung: Wie fing alles an:

Von 1942 bis 1945 entwickelten mehr als 150.000 Wissenschaftler*innen, Techniker*innen und Arbeiter*innen unter dem Codenamen „Manhattan Project“ die ersten Atombomben. Das „Manhattan Project“ wurde gestartet, weil Nazi-Deutschland an der Entwicklung einer Atombombe forschte. Bis Ende 1945 beliefen sich die Kosten auf 1,9 Milliarden US-Dollar. Das Manhattan-Projekt zählt zu den größten technischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Menschheitsgeschichte.

  • 16. Juli 1945 wurde die erste Atomexplosion ausgelöst:
    der sogenannte Trinity-Test in New Mexiko im Tal »Jornada del Muerto«
    (Tag des Todes); es war eine Plutoniumbombe gleicher Bauart wie sie dann über Nagasaki abgeworfen wurde.
  • 6. August 1945: Abwurf der Uranbombe „Little Boy“ über Hiroshima durch den US-Bomber Enola Gay. Ungefähr 70.000 starben direkt am Tag des Angriffs, bis Ende des Jahres 1945 kamen weitere 70.000 Tote dazu. Fünf Jahre später sollten es rund 200.000 werden.
  • 9. August 1945: Abwurf der Plutoniumbombe „Fat Man“ von einem US-amerikanischen B-29-Bomber auf Nagasaki. Ungefähr 22.000 Menschen starben direkt am Tag des Angriffs, 42.000 wurden verletzt.

Aber auch ohne direkten Einsatz im Krieg führen Atomwaffen zu Tod und Elend. Angefangen bei der Gewinnung von Uran; das Uran für die Hiroshima-Bombe und für den Reaktor in Fukushima wurden in der gleichen Mine im Kongobecken geschürft, ein von Bürgerkrieg und Warlords dominiertes Land,

Unfällen mit Atombomben,
der Gefahr eines „Atomkriegs aus Versehen“,

den wenig beachteten Langzeitfolgen der Atombombentests und
der Gefahr eines Atomkriegs „aus Versehen“.

Am 17. Januar 1966 kollidierte ein Tankflugzeug der US-Luftwaffe mit einem B-52-Bomber mit vier Wasserstoffbomben an Bord. Beide Flugzeuge explodierten; die Einzelteile und die gefährliche Fracht fielen über dem kleinen Küstendorf Palomares in Andalusien vom Himmel. Bei zwei der vier Bomben öffnete sich der Fallschirm nicht. Sie zerbarsten beim Aufprall auf der Erde und verseuchten Luft und Boden rund um Palomares mit Plutonium und Uran. Die vierte Bombe fiel ins Mittelmeer und wurde erst 80 Tage später gefunden. – Die B52-Bomber flogen seit 1961 im Rahmen der Operation »Chrome Dome« mit H-Bomben täglich über Spanien. Während der Kubakrise 1962 waren täglich 42 Bomber in der Luft. Fünf Jahre lang
flogen mehr als 17.000 Bomber mit ca. 35.000 Wasserstoffbomben über Spanien, um „gegebenenfalls“ schnell auf einen Angriff der Sowjetunion zu reagieren. Kein anderes Land in Europa erlaubte damals solche gefährlichen Manöver in seinem Luftraum.

Am 21. Januar 1968 verursachte der Absturz eines mit Atomwaffen bestückten B-52 Bombers der US Air Force über Grönlandgroße Landflächen und die umliegenden Gewässer mit radioaktivem Plutonium. Die Besatzung konnte sich per Schleudersitz retten, die Maschine stürzte etwa 13 km südlich der US-Luftwaffenbasis Thule ab.
Ein Besatzungsmitglied starb bei dem Absturz, die anderen sechs überlebten.

Durch eine glückliche Fügung kam es beim Absturz der Wasserstoffbomben nicht zu einer atomaren Kettenreaktion. Allerdings explodierte der nicht-atomare Sprengstoff und führte zur großflächigen Verseuchung des umliegenden Geländes mit ca. zehn Terabecquerel radioaktivem Plutonium (Tera = Billion) sowie Uran, Americium und Tritiom.

Einige Eisschollen sanken unter dem Gewicht der radioaktiven Stoffe und nahmen die strahlenden Partikel mit auf den Meeresboden. Man schätzt, dass insgesamt etwa fünf Gigabecquerel (Giga = Milliarde) radioaktives Plutonium in die umliegenden Gewässer gelangten. Eine radioaktive Wolke driftete zudem vom Unglücksort nach Süden ab und verseuchte die Region rund um das etwa sieben Kilometer entfernt liegende Dorf Narssarssuk.

Grönland ist völkerrechtlich Teil Dänemarks, welches sich offiziell zur atomwaffenfreien Zone erklärt hatte. Nach Großdemonstrationen der Bevölkerung reagierte die dänische Regierung auf die radioaktive Verseuchung schließlich zumindest mit einer Protestnote an die USA.

Bei großflächigen Dekontaminationsmaßnahmen wurden nach Angaben der USA ca. 90 % des Plutoniums entfernt und als Strahlenmüll in die USA zurückgebracht. Schätzungsweise ein Terabecquerel Plutonium verblieb aber im Meer und Eis rund um Thule.

Die Aufnahme von Plutonium durch die Nahrung ist ein relevantes Gesundheitsrisiko für die indigenen Inughuit in der Region rund um Thule geworden, da deren Ernährung vor allem aus Fisch und Meeressäugern besteht, deren Fleisch durch das Plutonium kontaminiert wurde. Vor allem die Bewohner nahe gelegener Siedlungen wie Narssarssuk sind betroffen. Epidemiologische Studien ihres Gesundheitszustandes wurden jedoch nie veröffentlicht.

Die dänischen Aufräum- und Dekontaminationsarbeiter berichteten von einer erheblichen Rate an Krebserkrankungen und Todesfällen unter ihren Kollegen. Bei einer Erhebung aus dem Jahr 1995 wurden in einer Stichprobe von 1.500 Arbeitskräften 410 Todesfälle durch Krebserkrankungen gefunden. Ähnliche Studien wurden an den US-amerikanischen Arbeitern nie durchgeführt, obwohl sie dem radioaktiven Material stärker ausgesetzt waren als ihre dänischen Kollegen.

Am 7. April 1989 brach auf dem sowjetischen Atom-U-Boot „Komsomolez“ zwischen Norwegen und Spitzbergen in etwa 400 Metern Tiefe im Heck ein Brand aus. Die Crew konnte ein Feuer im Maschinenraum nicht unter Kontrolle bringen, 42 Menschen an Bord starben. Das U-Boot liegt seitdem in fast 1.700 Metern Tiefe in der Norwegischen See – mit einem abgeschalteten Atomreaktor und zwei nuklearen Sprengköpfen an Bord. Um eine radioaktive Verseuchung zu verhindern, wurden 1994 Torpedorohre und andere Löcher mit Titanplatten versiegelt.

Untersuchungen zeigen, dass es Anzeichen dafür gibt, dass radioaktives Material aus dem atomaren Antrieb wie auch gelagerter nuklearer Brennstoff zerfällt.
„Die gute Nachricht“: Im Meeresboden ringsum das U-Boot lässt sich das nicht weiter nachweisen – vermutlich wird das Material nachdem es austritt sofort durch das Wasser verdünnt und abtransportiert. Die Forschenden empfehlen aber, das Wrack trotzdem regelmäßig zu kontrollieren.

Auch bei uns im Südwesten gab es Unfälle mit Atomraketen:

Am 2. November 1982 versagten in Waldprechtsweier die Bremsen eines US-1Militärtransporters mit einer Pershing-I-A-Rakete. Ein Autofahrer wurde getötet und für die Bergung musste wegen der Explosionsgefahr der Kurzstreckenrakete der gesamte Ort evakuiert werden.

Am 11. Januar 1985 fing bei einer Routineübung eine Pershing-II-Rakete auf dem Militärgelände Heilbronn-Waldheide Feuer und brannte explosionsartig ab. In 250 Meter Entfernung waren gefechtsbereit Pershing-II-Raketen mit Atomsprengköpfen stationiert. 3 US-Soldaten wurden damals getötet und 16 schwer verletzt.

Die Folgen für die Bevölkerung und Arbeiter habe ich eben schon kurz angesprochen; die Langzeitfolgen der bislang über 2.000 Atomwaffentests weltweit werden bislang immer noch recht wenig beachtet:Nach einer Studie der internationalen Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) kam es allein durch oberirdische Atomwaffentests bis zum Jahr 2000 zu 430.000 zusätzlichen Krebstoten. Die betroffenen Regionen liegen meist fernab von den testenden Staaten und sind überwiegend von einer nicht-weißen Bevölkerung und ethnischen Minderheiten bewohnt.

Die größte Gefahr durch Atombomben ist meiner Ansicht nach ein Atomkrieg „aus Versehen“, wg. Fehlalarm; Ein Beispiel für viele weitere:

Moskau, am 26. September 1983, kurz nach Mitternacht: Ein sowjetischer Frühwarnsatellit meldet den Angriff einer Handvoll US-Raketen auf die Sowjetunion. Sonne, Satellit und US-Raketenfelder waren so aufeinander ausgerichtet, dass die Strahlen der Sonne von den Satelliten falsch identifiziert wurden. Glücklicherweise entschied sich der sowjetische Oberst Stanislaw Petrow, den Alarm nicht an seine Vorgesetzten weiterzuleiten.

Ausführlichere Infos zu allen genannten und vielen weiteren Unfällen mit Atomwaffen und den Gefahren eines Atomkriegs „aus Versehen“ findet ihr hier:
https://www.atomwaffena-z.info/start

Die Gefahr eines Atomkriegs „aus Versehen“ wird sich durch die nächstes Jahr geplante Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Deutschland weiter erhöhen, denn diese Raketen lassen sich praktisch ohne Vorwarnzeit abfeuern und treffen binnen Minuten ihr Ziel – eine politische Reaktion ist also kaum mehr möglich. Zudem lassen sich atomare und konventionelle Geschosse beim Anflug praktisch nicht unterscheiden.

„Möglich“ wird die geplante Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Deutschland, weil der INF-Vertrag 2019 durch die USA unter der ersten Präsidentschaft von Donald Trump (und danach durch Russland) aufgekündigt wurde. Der INF-Vertrag wurde 1987 unterzeichnet und führte zur Verschrottung der vorhandenen Mittelstreckenraketen und Verbot neuer Mittelstreckenraketen. Das der Vertrag damals zustande kam, war auch ein Verdienst der damaligen Friedensbewegung.

Wir rufen deshalb zu Demo gegen die geplante Stationierung von neuen Mittelstreckenraketen in Deutschland am 30.Mai Wiesbaden auf! Auch von Karlsruhe wird es eine gemeinsame Anreise geben; die Abfahrtszeit findet ihr (in Kürze) auf der Webseite des Friedensbündnis Karlsruhe:
https://friedensbuendnis-ka.de/

Eine (noch) weitgehend unterschätzte Gefahr sind Atomkraftwerke als Kriegsziele.

Am 14. Februar 2025 wurde die Schutzhülle des AKW Tschernobyl von einer russischen Drohne getroffen, die explodierte und das Dach durchschlug. Erst drei Wochen nach dem Angriff wurden die Brände als gelöscht bestätigt. Es bestand die Gefahr, das Radioaktivität austreten könnte.

In der Ukraine erleben wir das erste Mal, dass ein bewaffneter Konflikt in der Nähe von Atomkraftwerken stattfindet. Gegen militärischen Beschuss sind Atomreaktoren und auch die deutschen Zwischenlager für radioaktiven Atommüll nicht ausgelegt.

Dazu mehr am Sonntag um 17:00 Uhr, wenn wir in der Kinemathek den Dokumentarfilm „Atomkraftwerke im Krieg“ zeigen und den Regisseur Reinhart Brüning zu Gast haben.

Zum Thema gehört auch, dass Atomwaffen völkerrechtlich verboten sind!
Am 7. Juli 2017 stimmten auf Initiative der internationalen Friedensbewegung in der
UN-Generalversammlung 122 Staaten für die Annahme des Atomwaffenverbots-vertrags. Nachdem im Herbst 2020 mit Honduras der 50. Staat den Atomwaffen-verbotsvertrag ratifizierte, trat er am 22. Januar 2021 in Kraft.
Seit nun über fünf Jahren sind Atomwaffen also völkerrechtlich verboten!

Trumps Atombombendrohung:
Am 7. April stellte US-Präsident Donald Trump dem Iran ein Ultimatum:
Entweder der Iran schließe bis 20 Uhr US-Ostküstenzeit mit den USA ein Abkommen zur Beendigung des Krieges, oder „eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals wieder zurückkommen“.

ICAN dazu: https://www.icanw.de/neuigkeiten/pm-ican-verurteilt-trumps-vernichtungsdrohung/

und: https://www.atomwaffena-z.info/heute/blog/war-trumps-nukleare-drohung-ernst-gemeint

Abschließend noch ein Zitat von Kenzaburo Oe, japanischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger:

Der Glaube an die atomare Abschreckung und der an die friedliche Nutzung der Atomenergie sind unweigerlich mit einander verknüpft.
Wir müssen uns von beidem lösen.“

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

Stefan Lau, Sprecher der Gruppe Karlsruhe
Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen DFG-VK

Tipps: Dokumentar-Filme zu Tschernobyl in der Mediathek bzw. MediathekView

Wer sich vor oder nach unserer Veranstaltung im ibz am Freitag, dem 24. April um 19 Uhr

zu 40 Jahre Tschernobyl informieren will, findet hier Dokumentationen zum Thema:

planet schule-Was ist 1986 in Tschernobyl passiert_ ⋅ Spickzettel (sehr empfehlenswert)

Tschernobyl 86 – Der Super-GAU (ARD, umfassend)

Exakt-Tschernobyl – Die Reaktorkatastrophe 1986

NZZ Format-Tschernobyl unter Beschuss – Europas nukleare Zeitbombe

Tschernobyl – Der Insiderbericht (1_3) (arte)

Tschernobyl – Der Insiderbericht (2_3) (arte)

Tschernobyl – Der Insiderbericht (3_3) (arte)

Tschernobyl im Krieg – ARTE Reportage

Tschernobyl – Die Katastrophe (ZDF)

Mit Sicherheit nicht ohne Risiken – AKW in der Ukraine (phoenix-Gespräch)

Dokumentar-Filme zu Tschernobyl bei youtube (u.a.)

Der Gau von Tschernobyl – Ganze Folge | Sekunden vor dem Unglück https://www.youtube.com/watch?v=se5dIzYQpmk

Super-GAU von Tschernobyl: Was wirklich geschah | ZDFinfo Doku https://www.youtube.com/watch?v=YSQnjyVUmzo

Tschernobyl – Der Insiderbericht (1_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=L133x8rktPU

Tschernobyl – Der Insiderbericht (2_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=cX6IhnNkNe4

Tschernobyl – Der Insiderbericht (3_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=nCtdwAF3BCk

Zum Tode von Matthias Mauser,

geboren 28. Mai 1959 in Mannheim
gestorben am 21. Januar 2026 in Karlsruhe

Seit über 40 Jahren gehörte Matthias zum festen, aktiven Kern der Karlsruher Anti-Atom-Bewegung.

Er gründete schon in den 1980iger Jahre mit uns die „Bürgerinitiative für die Stilllegung der Atomanlagen des Kernforschungszentrums Karlsruhe und die Umwandlung des Atomforschungszentrums Karlsruhe in ein Forschungsinstitut für alternative Energien.“


Er hielt 1986 eine Rede bei der endgütigen Stilllegung des Schnellen Brüters Karlsruhe vor der damaligen Hauptzentrale des Badenwerks.

Bei deren Nachfolger, der EnBW, trat er bei vielen Hauptversammlungen auch als kritischer Aktionär auf.

Er beteiligte sich aktiv an den Erörterungsterminen zum Zwischenlager für hochaktiven Atommüll in Philippsburg ebenso wie bei den vielen anderen atomrechtlichen Genehmigungsverfahren.


Sein Rat und seine verbindende Art waren für uns politisch wie menschlich wichtig.
Kein Weg zu einer Demonstration gegen die Atomanlagen war dem begeisterten Radfahrer zu weit, um mit uns, per Rad ´angereist´, Präsenz zu zeigen. Er wird uns und der Anti-Atomkraft- Bewegung nicht nur fehlen – sein Verlust ist für uns nicht ersetzbar.

Matthias, du bist nun nicht mehr bei uns. Aber du bist sicher überall mit dabei, wo wir gegen den atomaren Wahn Widerstand leisten.

Link zur Gedenkseite:
https://karlsruhe.gemeinsam-trauern.net/Begleiten/matthias-mauser

Verwaltungsgerichtshof Mannheim am 16.12.2025:

von Harry Block

Was man auch aus einem verlorenen Prozess lernen kann …

Im Zwischenlager für hochaktiven Atommüll in Philippsburg stehen 106 Castoren. In denen befindet sich hoch radioaktiver Müll, welcher aus der Stromproduktion in Philippsburg aus zwei Atomreaktoren der vergangenen Jahrzehnte stammt. Dieser Müll hat Philippsburg nie verlassen. Nur vier Castoren stammen aus der Wiederaufbereitungsanlage in Frankreich und enthalten in Glas eingeschmolzenen hochaktiven Atommüll. Hierbei handelt es sich um deutschen Atommüll, den Deutschland zurücknehmen muss. Die letzten vier Behälter kamen erst 2024 ins Lager. Nur um diese letzte Einlagerung geht es jetzt in der 9. und 10. Änderungsgenehmigung bei dem Gerichtsverfahren. De facto beinhaltet aber jeder Behälter radioaktives Inventar in einer Größenordnung, die bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde.

Bürgermeister Stefan Martus und seine drei Mitkläger bemängeln, dass bei der ursprünglichen Genehmigung des besagten Zwischenlagers die Gefahr durch Drohnenangriffe nicht berücksichtigt wurde. Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass selbst günstige Baumarkt-Drohnen mit Sprengstoff militärisch wirksam eingesetzt werden können. Die zentrale Frage ist deshalb: Reichen die heutigen Schutzkonzepte noch aus, wenn Terroristen oder fremde Mächte Drohnen gegen das Zwischenlager einsetzen? Was, wenn bei einem solchen Angriff Radioaktivität freigesetzt wird?

Der Anwalt der Bundesrepublik Deutschland gab zum Wort ‚Drohnenangriff‘ folgende Einlassung: Erst jetzt im Prozess würden die Kläger vom Drohnenangriff mit mehreren Drohnen sprechen, und deshalb könnte man die Einlassung von Oda Becker für die Kläger nicht akzeptieren. Die Gutachterin der Kläger hatte erklärt, dass ein Drohnenangriff mit mehreren Drohnen erfolgt. Die erste Drohne durchdringt mit entsprechender Bewaffnung jede Betonkonstruktion. Die 2. Drohne fliegt durch die Betonlücke in das Lager und schießt mit einem Hohlmantelgeschoss auf die Castoren. Es ist also nur ein Drohnenangriff für eine Katastrophe notwendig.

Die Kläger wollen ferner geklärt wissen, ob die Schutzkonzepte, zum Beispiel bauliche Sicherungen oder Luftsicherungsmaßnahmen eines gezielten Flugzeugabsturzes oder einen mit Bewaffnung ausgestatteten Militärjet aushält.

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) antwortete, dass bei einem absichtlich herbeigeführten Flugzeugabsturz auf ein Zwischenlager eine Gefährdung von Leben und Gesundheit der Bevölkerung ausgeschlossen werden könne. Das Lager sei mit zusätzlichen Stahlbetonwänden nachgerüstet worden, und das Gelände liegt in einem Flugbeschränkungsgebiet (Anwohnerinnen bestätigen einige direkte Überflüge). Auch die Lüftungsschlitze am Dach des Lagers (das Lager wird mit Umgebungsluft gekühlt) seien verschlossen worden. Die BGZ räumt jedoch ein, dass es Risiken gibt, die der Betreiber allein nicht abdecken kann. Für den Schutz gegen Angriffe von außen seien Maßnahmen der BGZ (BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH) und staatliche Maßnahmen eng verzahnt.

Dazu gab es nun zwei bemerkenswerte Einlassungen.

  1. Ein Luftwaffenoffizier der Bundeswehr wurde nach der Bewaffnung und damit der Sprengkraft der Munition am Jet gefragt. Er wollte oder durfte nicht konkret antworten.
  2. Die enge Verzahnung mit den Sicherheitsbehörden wurde sinngemäß vom Bürgermeister von Philippsburg mit folgender Einlassung beantwortet. Er sei Chef der Polizeibehörde und kenne die Eingriffszeit (geheim!), die vorgesehen sei, um das Eindringen in das Zwischenlager zu verhindern. Beim Betrieb der Atomreaktoren hatte seine Stadt 120 Polizeibeamte, jetzt seien es noch 90. In der Nacht seien 5 Polizisten auf der Wache. Er bezweifelte nicht nur die zeitgerechte Einsatzfähigkeit der Polizei, sondern wies auch darauf hin, dass es derzeit noch keine Drohnenabwehrwaffen für die Polizei gibt.

Mir wurde dabei klar, dass an den 16 Atomstandorten in Deutschland über Jahrzehnte mehrere hunderte Polizisten für mehrere hundert Millionen Euro an den Atommeilerstandorten auf Kosten der SteuerzahlerInnen eingesetzt worden waren.

Am Ende des Prozesstages (ein angesetzter zweiter Tag war nicht nötig), nachdem die Presse bereits fort war, kam es noch zu einer Unterbrechung der Verhandlung. Die von den Klägern geforderte Ausbreitungsrechnung im Falle eines mit Radioaktivitätsaustritt verbundenen ´Störfalls´ lag nicht vor. Der Richter fragte mit Hinweis auf die Gesetzeslage nach dieser. Er erhielt von der Gutachterin die Auskunft, dass wegen den von ihnen berechneten ´geringen radioaktiven Austrittsdosen‘ sie auf eine solche verzichtet hätten. Sie habe deshalb nur eine Plausibilitätsrechnung vorgelegt. Wie dieser Mangel bereinigt wurde, blieb unklar.

Fazit des Anwalts der Bundesrepublik Deutschland: „Die Sache ist juristisch langweilig, aber technisch komplex“.

Mein Fazit: Die Einwände der Kläger wurden in keiner Weise von den vielen Gutachtern ausgeräumt. Da aber schon 8 gültige Veränderungsgenehmigungen vorlagen, war die Genehmigung der Änderungsgenehmigung 9. und 10. nur noch Formsache. Wie bei vielen emissions- und atomrechtlichen Verfahren gelingt diese Salamitaktik, da schon rechtsgültige Genehmigungen bestehen, die nur noch minimal erweitert werden. In diesem Fall wurden die geopolitischen und terroristischen Gefährdungslagen ausgeblendet, weil diese nicht beherrschbar sind. Zwischenlager mit hochaktivem Atommüll sind über noch viel Jahrzehnte tickende hoch gefährliche, nicht kalkulierbare Zeitbomben, nicht nur in Deutschland.