Mehr als 60 Jahre Atomforschung und Atomenergienutzung in Deutschland
und fast ebenso lange dauert die gesellschaftliche Auseinandersetzung
darum. Die Anti-Atom-Bewegung hat Geschichte geschrieben. Doch wer
bewahrt sie auf? Wer macht sie für die nächste Generation zugänglich?
Und wer bereitet sie historisch auf?
JETZT ist es Zeit zu handeln. Viele, die seit
Jahrzehnten aktiv sind, wollen ihre Keller räumen und wissen nicht,
wohin mit den alten Akten. Dafür bauen wir ein Archiv zur Geschichte der
Atomenergienutzung in Deutschland auf. Ansonsten gehen wichtige und
wunderbare Zeitdokumente unwiderruflich verloren.
Wir sammeln alles…
…was mit der Atomenergienutzung und der Atommüllproduktion in Deutschland und darüber hinaus zusammenhängt, wissenschaftliche Gutachten, Betreiberinformationen, politische Schriften, aber vor allem alle Unterlagen zur Geschichte der Anti-Atom-Bewegung in Deutschland. Werft nichts weg! Stiftet Euer Material dem Archiv, die konkreten Bedingungen (Zugangsrechte, wissenschaftliche Aufarbeitung, etc.) können wir ganz individuell vereinbaren. Uns ist wichtig, behutsam mit unserer Geschichte und dem Zugang dazu umzugehen.
2. April 2020, 19:30 – 21:30 Uhr DGB-Haus, Ettlinger Str. 3a, 76137 Karlsruhe
Was steckt hinter der plötzlich wiederentdeckten Liebe zur Atomkraft bei Teilen von CDU und FDP? Rechtspopulisten und Konservative versuchen sich derzeit auf möglichst vielen Politikfeldern zu einer „bürgerlichen Alternative“ aufzubauen. Vor allem versuchen sie die notwendige Energie- und Verkehrswende zu verhindern und stellen den Atomausstieg in Frage. Über diese „Zombie-Debatte“, den Versuch, „die Atomkraftleiche wieder auszugraben“, kann man nur den Kopf schütteln, zumal die „etablierten Konservativen“ vom rechten Rand der AfD bei diesem Thema vor sich hergetrieben werden.
Wer
für
angeblich
sichere
künftige
Reaktorkonzepte
schwärmt,
sollte
sich
die
ökonomischen
Realitäten
vor Augen führen. Dazu gehören das
Versagen
der europäischen
Atomindustrie
bei
in
Bau befindlichen
Atommeilern,
bei den Folgen des Abrisses der stillgelegten Atomkraftwerke sowie
bei der ungelösten
Endlagerfrage.
Dieses
und noch einiges mehr wollen wir, das Karlsruher Bündnis gegen neue
Genrationen von Atomreaktoren, aufzeigen und laden herzlich ein zu
unserer Veranstaltung:
Atomkraft
als Klimaretter?
2. April 2020, 19:30 – 21:30 Uhr im DGB-Haus, Ettlinger Str. 3a, 76137 Karlsruhe
Themen:
Die Renaissance der Atomenergie – politische Bewertung (Sylvia Kotting-Uhl MdB)
Was läuft in Karlsruhe und Deutschland? (Harry Block)
Was läuft in Europa und weltweit? (Thomas Partmann)
Wunderwaffe Kernfusion? (Sylvia Kotting-Uhl MdB)
Atomkraft als Klimaretter? Gegenüberstellung der Positionen der Atomkraftbefürworter und der dagegensprechenden Fakten (Dr. Dirk Harmsen)
Fragen und Diskussion
Eine Veranstaltung des Karlsruher Bündnis gegen neue Generationenvon Atomreaktoren
Hochradioaktiver Atommüll zum Zwischenlager Biblis: Transportgenehmigung über deutschen Hafen erteilt
Die Informationen verdichten sich, dass ein Castor-Transport mit sechs Behältern voll hochradioaktivem Atommüll aus England vermutlich über den Hafen im niedersächsischen Nordenham und weiter auf der Schiene in das Zwischenlager Biblis stattfinden wird.
Der hochradioaktive verglaste Atomabfall ist in der Plutoniumfabrik Sellafield bei der inzwischen verbotenen Wiederaufarbeitung von Brennstäben aus deutschen Atommeilern entstanden.
CASTOR-Alarm
2020? Hat sich da nicht jemand im Jahrzehnt vergriffen? Leider nicht.
Für die Jahre 2020 bis 2024 sind vier Castor-Transporte geplant, bei
denen hochradioaktiver Atommüll von Frankreich und Großbritannien
nach Deutschland verschoben werden soll, ohne dass es ein Konzept für
eine langfristige Lagerung gibt und geben kann. Jeder einzelne
Transport stellt ein zusätzliches Risiko durch radioaktive
Verstrahlung dar.
Für
die breite Bevölkerung scheint der Atomausstieg 2022 beschlossene
Sache zu sein. Ausstiegskonzepte beinhalten aber immer die
Möglichkeit eines Ausstiegs vom Ausstieg. Die Anti-Atom-Bewegung
fordert schon seit langem die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen
weltweit. Doch sechs Atomreaktoren sind in Deutschland noch in
Betrieb. Dazu kommen die Uranfabriken in Lingen und Gronau, die
unbefristet weiter laufen sollen. Durch das gezielte Ausbremsen des
Ausbaus erneuerbarer Energien und der Stromnetze, kommt die
Energiewende nur schleppend voran. Im Windschatten der
Klimakatastrophe versuchen die Befürworter*innen der mörderischen
Atomenergie nun wieder in die Offensive zu kommen. Industrie und
Politik arbeiten auf eine Laufzeitverlängerung der noch laufenden
AKW hin – über die vorgesehenen Stilllegungsdaten hinaus. Auf dem
Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs im Dezember 2019 wurde die
Atomenergie als Beitrag zur Klimaneutralität ausdrücklich genannt.
Aber die Atomenergie ist mit all ihren Gefahren für Mensch und
Umwelt – vom Abbau des Urans über den Betrieb der Reaktoren bis zur
nicht geklärten Atommüllproblematik – kein Beitrag zur Lösung der
Klimakrise. Wie längst totgeglaubte Zombies taucht die Atomenergie
nun aber wieder in der öffentlichen Diskussion auf.
Der
erste Castor-Transport soll im ersten Halbjahr 2020 per Schiff und
dann per Zug von Sellafield (UK) ins Zwischenlager beim Atomkraftwerk
Biblis stattfinden. Der genaue Zeitpunkt wird erst wenige Tage vorher
feststehen, wir werden uns dem Transport aber trotzdem mit unserem
Protest gegen sinnlose Atommüll-Verschiebungen und drohende
Laufzeitverlängerungen von AKW entgegenstellen.
Unser
Protest wird bunt und vielfältig sein und verschiedene Formen haben.
Es wird eine angemeldete Mahnwache für alle in Biblis geben. Auf dem
deutschen Teil der Transportstrecke wird es neben weiteren Mahnwachen
oder Kundgebungen Kleingruppenaktionen und anschlussfähige
gemeinschaftliche Aktionen mit vielen Aktivist*innen aus der
Antiatom- und Klimabewegung geben. Wir organisieren uns in
Bezugsgruppen und es wird in den Tagen vor dem Transport einen
gemeinsamen Anlaufpunkt geben.
Bei
der Vielfältigkeit der Aktionen achten wir darauf, dass wir uns
gegenseitig nicht gefährden und verschiedene Aktionsformen
nebeneinander möglich sind. Auf Grund der Kurzfristigkeit müsst ihr
euch stärker als sonst vorbereiten, flexibel und mobil sein. Wer
kann, bildet schon im Vorhinein Fahrgemeinschaften.
Wir
rufen Menschen aus der Antiatom- und Klimabewegung auf, Teil der
Proteste rund um den Castor-Transport zu sein. Überlegt euch, welche
Aktionsform für euch in Frage kommt und organisiert euch in
Bezugsgruppen. Auch wenn ihr nicht zu den Protesten kommen könnt,
nutzt den bevorstehenden Transport um auf die Gefahren der Atomkraft
hinzuweisen und klar zu machen, dass Klimaschutz und Atomkraft nicht
zusammengehen.
Für
die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit!
Am 2.2.20 hat ein Bundesweiter Aktionstag stattgefunden.
Die Anti Atom Initiative Karlsruhe hat mit Unterstützung von Freund*innen ebenfalls am Bundesweiten Aktionstag teilgenommen. Vor dem KA Hfb wurde mit Transparenten, Atommüllfässern auf die bestehenden Castor Transporte aufmerksam gemacht. Mehrere hundert Flugblätter wurden an die Reisenden verteilt. Unser Eindruck war, dass die Informationen interessiert aufgenommen wurden und es gab viel positive Rückmeldung und interessante Gespräche mit Passant*innen. Für die Anti Atom Ini KA war die Aktion ein Erfolg.
Erfolgreicher Aktionstag gegen #castor2020 am 2. Februar: Mehr als 300 Menschen beteiligten sich bundesweit an ersten Protesten gegen die Atommülllieferung und für den sofortigen Atomausstieg.
An einem Dutzend Orten hat es am Sonntag im Rahmen eines ersten Aktionstags kreative und wirkungsvolle Protestaktionen gegen den geplanten CASTOR-Transport aus der WAA Sellafield (GB) ins hessische Biblis gegeben. Damit hat ein Teil der Anti-Atom-Bewegung deutlich gemacht, dass sowohl erneute CASTOR-Transporte als auch eine angedachte Renaissance der Atomkraft als Energieträger auf erheblichen Widerstand stoßen werden.
„Die
Castoren aus Sellafied und La Hague beinhalten ja nur mittelaktiven
Atommüll und keine hochgefährlichen abgebrannte Brennelemente … “
Ich kannte das Verhältnis der Strahlung von Castor V zu Castor HAW (s. Folie 1 im Anhang aus Infokommission Philippsburg 2015) aus Berechnungen des Umweltministerium Baden-Württemberg. Dann besuchte ich das sich noch im Bau befindlichen Zwischenlager für etwa 6.000 Fässer mittelaktiven Atommüll der KTE im KIT Nord mit 2 m dicken Wänden (2019). Dort wurde mir die hochgefährliche Strahlung von mittelaktivem Atommüll deutlich vor Augen geführt und erläutert („1 Stunde neben einem dort gelagerten Fass und du bist tot“ = Strahlenchef KTE).
Mit
dem hervorragenden, weil wissenschaftlich neutral und nicht
verharmlosend, Vortrag von Herrn V. Metz PH.D. vom Institut für
nukleare Entsorgung am KIT am 28. Januar 2020 wurde mir zahlenmäßig
glasklar, dass in der Öffentlichkeit eine totale Verharmlosung des
mittelaktiven Atommülls in den Glaskokillen bezüglich seines
Gefährdungspotentials vorgenommen wird.
In
diesem Vortrag ‚Einstieg in die Entsorgung nuklearer Reststoffe zur
langfristigen Tiefenlagerung nuklearer Reststoffe‘ am 2020-01-28
von Dr. V. Metz (INE) bei kine erklärte er zu Folie 11 seines
Vortrages (er hat uns die Folien zugesandt, aus Datenschutzgründen
geben wir sie nicht weiter):
„Die
Kontaktdosisleistung … sind Größenordnung 400.000 mSv/die
Stunde! *1 … angenommen, dort in die Anlage würde eine Maus sich dahin
verirren, die würde innerhalb von Sekunden kollabieren, würde
sterben.
Zum Vergleich: Die durchschnittliche Strahlenexposition für den normalen Bürger in Deutschland liegt bei 0.0002 mSv/pro Stunde.
Solche
Glaskokillen, 28 zusammen, werden in einen Transport- und
Lagerbehälter eingestellt … diese Castoren sind sehr dickwandig,
dickwandig deswegen, weil sie diese Strahlung abschirmen. Was man an
der Oberfläche messen kann, das ist um millionenfach geringer als
der Zustand unter der Abschirmung. *2
*1 Messung 16. Febr. 2011, Transport von VEK zum Zwischenlager Lubmin *2 laut Folie 11: Kontaktdosisleistung 0.0480 mSv/h an der dünnsten Behälterstelle“
Der
Inhalt der Behälter aus Sellafield und La Hague (Castor HAW) ist bei
Beschädigung der ‚Transportbehälter‘ ähnlich tödlich wie bei
den Castor V eingelagerten abgebrannten Brennelementen. Die
Unterschiede in der Größenordnung der Becquerel spielen da eine
untergeordnete Rolle.
Zur ‚End‘lagerung des verglasten Materials sagte er: „Da minore Actiniden (Pu, Am, Np, Cm …) in verglasten hochaktiven Abfällen nicht transmutieriert werden können, kann das existierende Actinideninventar in HAW-Glas nicht verringert werden und muss endgelagert werden.
Die
radiologische Dosis des HAW-Glas wird dominiert durch langlebige
Spalt-, Aktivierungs- und Zerfallsprodukte ( 14 C, 36 Cl, 93 Zr, 99
Tc, 129 I, 135 Cs, 226 Ra).“
Der
Wissenschaftler des INE am KIT erklärte ferner in aller
Deutlichkeit, dass niemand genau weiß, was in den in den
Zwischenlagern sich befindlichen Castoren passiert. Die Forschung
tappt im Dunkeln und forscht und forscht.
Aus der Folie dazu: „Der Nachweis des Langzeitverhaltens von Metalldichtungen und anderen Komponenten der Behälter (z.B. CASTOR®) sowie der Nachweis der Integrität der Brennstäbe sind für eine verlängerte Zwischenlagerung (> 40 Jahre) zu führen.
Über
Zeiten von vielen Jahrzehnten wird eine Abnahme der Integrität bzw.
der Handhabbarkeit von Behältern / Behälterinventaren erwartet,
insbesondere durch Alterung der Brennelemente im eigenen
Strahlungsfeld, Versprödung / Korrosion der Zircaloy-Hüllrohre
Umorientierung
von Zirkonhydriden
erhöhte
Sprödbruchempfindlichkeit
Anstieg
des mechanischen Drucks auf die Brennstabhülle
im
Zircaloy/Brennstoff Kontaktbereich kann es zu Korrosion durch
volatile Spaltprodukte (z.B. Cs-Iod-Verbindungen) kommen
Amorphisierung
der Brennstoffmatrix durch Strahlung“
Seine Folie dazu zeigte ein Bild eines aufgeschnittenen Brennelements. Es macht deutlich, dass die Strahlung nicht nur den Brennstoff nach einiger Zeit pulverisiert, sondern die Ummantelung erst spröde, dann rissig werden lässt und ihn letztlich zerstört.*3
*3 Quelle: ESK (2015): Diskussionspapier zur verlängerten
Zwischenlagerung (…). Entsorgungskommission,
Bonn, Germany, Oktober 2015; Metz et al. (2016) Zircaloy cladding
properties under conditions of prolonged dry interim storage.
Abbildungen:
F. Becker, V. Metz, KIT-INE
Schutzziel
müsse sein: „Entsorgung radioaktiver Abfälle muss den Schutz von
Mensch, Umwelt und Gütern heute und in der Zukunft sicherstellen,
ohne künftige Generationen in unzumutbarer Weise zu belasten oder
verpflichten.“
Dr. V. Metz sprach sich für die „Entsorgung nuklearer Reststoffe durch langfristige Tiefenlagerung aus“. Er erklärte sachlich alle damit verbundenen ‚Probleme‘ und Zeitabläufe.