40. Tschernobyl Jahrestag – Redebeitrag vom AntiAtomNetz Trier zu Cattenom

von Kati Wauer am 25. 4. 2026 KA Hbf

Ich bin Kati Wauer, komme aus Trier vom dortigen AntiAtomNetz Trier. Warum ich nicht bei uns in Trier an der Mahnwache und Kundgebung teilnehme, sondern hier KA, liegt an einem familiären Termin.

Wenn Ihr, liebe Antiatommenschen, diesen Städtenamen hört, seit ehrlich, denkt ihr an das Bild der Porta Nigra und Tourismus an der Mosel. Viele Einwohner Trier`s denken jedoch weniger an UNESCO Welterbe und „Heilig Rock“ usw. sondern an das gerademal 60 km entfernte franz. Cattenom und seine je 4 x 1500Megawatt Reaktoren … ganz schön power und alt!

Reaktor 1 ging im Nov. 1986 ans Netz. (Ihr wisst doch: die Supergauwolke stoppte damals an der Grenze zu Frankreich …) Geplant war eine 40jährige Lebensdauer. Die ist nun erreicht. Und was macht die EdF? Wie selbstverständlich wird eine Laufzeitverlängerung des Reaktors 1 und zeitl. entsprechend der anderen 3 Reaktoren vorbereitet.

Das ist der Ansatzpunkt unserer Kampagne:
Stop-Cattenom.de
Darum bin ich hier, um Werbung zu machen und unser Anliegen weiter zu verbreiten.

1. Die Technik des Reaktorblocks ist veraltet und in seinem Inneren wird nix erneuert! Das wissen wir, weil die „Lokale Informationskommision“ genannt CLI, Infos veröffentlicht, auch digital, und auch ein bis zweimal im Jahr zu internationalen Sitzungen einlädt. Das klingt doch wunderbar und transparent. TOLL! Ja das ist die Normalität. Pannen und Zwischenfälle werden vorschriftsmäßig veröffentlicht und auf der INESskala bewertet. In Frankreich ist das so geregelt. Wir sind ja nicht in einem Unrechtsstaat , in dem alles, was schief gehen könnte der Geheimhaltung unterstellt wird. Siehe Tschernobyl. Mich persönlich beruhigt das aber gar nicht!
Es gibt aus unserer nachbarlichen Sicht viele Probleme, die den Weiterbetrieb risikoreich und gefährlich erscheinen lassen. Siehe: antiatonnetz-trier .de

2. Zur Landtagswahl in RLP am 22.März haben wir einen Wahlcheck gemacht, in dem wir allen 55 Kandidaten -innen unserer 7 Wahlbezirke Fragen vorgelegt haben zum Thema: Pannenanfälligkeit, Laufzeitverlängerung, fehlende UVP usw. Die Ergebnisse haben wir auf unsere Webseite gestellt: stop-cattenom.de aber das ist noch nicht alles! Wir starteten auf WEACT eine Unterschriftenaktion: stop-cattenom! Keine Laufzeitverlängerung für den Pannenreaktor!

3. Da sind wir jetzt kurz davor, die Marke von 8000 Unterschriften zu knacken und ich zitiere mal aus der WEACTplattform:

„ Jetzt, da in Mainz die Koalitionsverhandlungen laufen, entscheidet sich, ob der Schutz unserer Region am Verhandlungstisch geopfert wird. Wir entlassen die Politik nicht aus der Pflicht. Mit der Kraft tausender Unterschriften und unserem Bündnis aus 47Organisationen im Rücken haben wir alle frisch gewählte Landtagsabgeordnete aus unserer Region, sowie die Parteizentralen in Mainz persönlich angeschrieben. Die deutliche Ablehnung der Laufzeitverlängerung muss zwingend im neuen Koalitionsvertrag verankert werden!“

Darum bin ich hier, gewissermaßen auf Zwischenstation der Heimfahrt und bitte Euch: Unterstützt unsere Kampagne stop-cattenom.de mit eurer Unterschrift bei WEACT und oder euren Organisationen. Wir müssen noch viel mehr Antiatommenschen werden damit das Echo bis nach Frankreich reicht und zur EU. Das Saarland, vor allem Luxembourg und franz. AA-Gruppen sind schon dabei.

Ich danke Euch.

Leserinnenbrief von Brigitte Schilli zu „Neue Probleme mit Atommüll“

Veröffentlich in den BNN vom 28.3.2026 unter ‚Die 60 Jahre alten Atom-Loblieder‘.

Egal, wie sie derzeit heißen bei der CDU/CSU, vorneweg Bundeskanzler Friedrich Merz, Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen – sie alle träumen den Traum von den sogenannten „Minireaktoren“ vom Fließband, die bislang nur auf dem Papier existieren und die weder klein noch billig sein werden. Sie singen die alten Loblieder der Atomindustrie, genau wie vor 60 Jahren Franz Josef Strauß und Ernst Albrecht (Vater von Ursula von der Leyen), bauen Luftschlösser von „Atommüll fressender Transformation oder Fusionsforschung“ reden wie dazumal wieder von sauberer und billiger Energie ohne Risiko, beten unreflektiert alle Argumente der Atomindustrie nach!

Die Populisten im Land besetzen das Thema und gehen damit auf Stimmenfang! Als Bürger hat man den Eindruck, dass dies geschieht, ohne auf fundiertes Fachwissen von Experten zu hören, um die Bevölkerung erneut einzulullen oder gar zu täuschen. Der viele schon vorhandene Atommüll, mit dem man seit Jahren nicht fertig wird – siehe den BNN-Bericht zur Asse –, die immensen Kosten zulasten der steuerzahlenden Bevölkerung und kommender Generationen werden ausgeblendet und verharmlost!

Es wird ausgeblendet: die Abhängigkeiten von Uran abbauenden Staaten, militärische Interessen, die teils maroden Zwischenlager als Zielscheiben in einer Welt der Trumps und Putins! Es geht der Atomindustrie, deren Lobbyisten, der EU-Kommission mit ihren irreführenden Kampagnen weder ums Klima noch um Technologieoffenheit, sondern darum, weiter immense Steuergelder zu generieren, auch für das EU Joint Reseach Center, das hier vor Ort auf dem Gelände des KIT Campus Nord angesiedelt ist, wo an Brennstoffen für die gepriesenen „Mini-Atomreaktoren SMR“ unter dem Namen „Sicherheitsforschung“ geforscht wird, die anfallenden neuen atomaren Abfälle aber hier zurückbleiben!

Ein weiterer Grund für die Propagandakampagnen ist meiner Meinung nach, die erneuerbaren Energien schlechtzureden, Ängste zu wecken, sie zu verhindern, da diese weltweit an Bedeutung gewinnen und nicht mehr aufzuhalten sind.

Erneuerbare Energien aus Sonne und Wind sind heute ein großer Wachstumszweig der Wirtschaft, günstig und gefahrlos, und man fragt sich, weshalb die genannten Politiker und Parteien unreflektiert die Argumente der Atomindustrie nachbeten? Oder anders gefragt, was sind die eigentlichen Motive?

Tipps: Dokumentar-Filme zu Tschernobyl in der Mediathek bzw. MediathekView

Wer sich vor oder nach unserer Veranstaltung im ibz am Freitag, dem 24. April um 19 Uhr

zu 40 Jahre Tschernobyl informieren will, findet hier Dokumentationen zum Thema:

planet schule-Was ist 1986 in Tschernobyl passiert_ ⋅ Spickzettel (sehr empfehlenswert)

Tschernobyl 86 – Der Super-GAU (ARD, umfassend)

Exakt-Tschernobyl – Die Reaktorkatastrophe 1986

NZZ Format-Tschernobyl unter Beschuss – Europas nukleare Zeitbombe

Tschernobyl – Der Insiderbericht (1_3) (arte)

Tschernobyl – Der Insiderbericht (2_3) (arte)

Tschernobyl – Der Insiderbericht (3_3) (arte)

Tschernobyl im Krieg – ARTE Reportage

Tschernobyl – Die Katastrophe (ZDF)

Mit Sicherheit nicht ohne Risiken – AKW in der Ukraine (phoenix-Gespräch)

Dokumentar-Filme zu Tschernobyl bei youtube (u.a.)

Der Gau von Tschernobyl – Ganze Folge | Sekunden vor dem Unglück https://www.youtube.com/watch?v=se5dIzYQpmk

Super-GAU von Tschernobyl: Was wirklich geschah | ZDFinfo Doku https://www.youtube.com/watch?v=YSQnjyVUmzo

Tschernobyl – Der Insiderbericht (1_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=L133x8rktPU

Tschernobyl – Der Insiderbericht (2_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=cX6IhnNkNe4

Tschernobyl – Der Insiderbericht (3_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=nCtdwAF3BCk

Zum Tode von Matthias Mauser,

geboren 28. Mai 1959 in Mannheim
gestorben am 21. Januar 2026 in Karlsruhe

Seit über 40 Jahren gehörte Matthias zum festen, aktiven Kern der Karlsruher Anti-Atom-Bewegung.

Er gründete schon in den 1980iger Jahre mit uns die „Bürgerinitiative für die Stilllegung der Atomanlagen des Kernforschungszentrums Karlsruhe und die Umwandlung des Atomforschungszentrums Karlsruhe in ein Forschungsinstitut für alternative Energien.“


Er hielt 1986 eine Rede bei der endgütigen Stilllegung des Schnellen Brüters Karlsruhe vor der damaligen Hauptzentrale des Badenwerks.

Bei deren Nachfolger, der EnBW, trat er bei vielen Hauptversammlungen auch als kritischer Aktionär auf.

Er beteiligte sich aktiv an den Erörterungsterminen zum Zwischenlager für hochaktiven Atommüll in Philippsburg ebenso wie bei den vielen anderen atomrechtlichen Genehmigungsverfahren.


Sein Rat und seine verbindende Art waren für uns politisch wie menschlich wichtig.
Kein Weg zu einer Demonstration gegen die Atomanlagen war dem begeisterten Radfahrer zu weit, um mit uns, per Rad ´angereist´, Präsenz zu zeigen. Er wird uns und der Anti-Atomkraft- Bewegung nicht nur fehlen – sein Verlust ist für uns nicht ersetzbar.

Matthias, du bist nun nicht mehr bei uns. Aber du bist sicher überall mit dabei, wo wir gegen den atomaren Wahn Widerstand leisten.

Link zur Gedenkseite:
https://karlsruhe.gemeinsam-trauern.net/Begleiten/matthias-mauser

Verwaltungsgerichtshof Mannheim am 16.12.2025:

von Harry Block

Was man auch aus einem verlorenen Prozess lernen kann …

Im Zwischenlager für hochaktiven Atommüll in Philippsburg stehen 106 Castoren. In denen befindet sich hoch radioaktiver Müll, welcher aus der Stromproduktion in Philippsburg aus zwei Atomreaktoren der vergangenen Jahrzehnte stammt. Dieser Müll hat Philippsburg nie verlassen. Nur vier Castoren stammen aus der Wiederaufbereitungsanlage in Frankreich und enthalten in Glas eingeschmolzenen hochaktiven Atommüll. Hierbei handelt es sich um deutschen Atommüll, den Deutschland zurücknehmen muss. Die letzten vier Behälter kamen erst 2024 ins Lager. Nur um diese letzte Einlagerung geht es jetzt in der 9. und 10. Änderungsgenehmigung bei dem Gerichtsverfahren. De facto beinhaltet aber jeder Behälter radioaktives Inventar in einer Größenordnung, die bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde.

Bürgermeister Stefan Martus und seine drei Mitkläger bemängeln, dass bei der ursprünglichen Genehmigung des besagten Zwischenlagers die Gefahr durch Drohnenangriffe nicht berücksichtigt wurde. Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass selbst günstige Baumarkt-Drohnen mit Sprengstoff militärisch wirksam eingesetzt werden können. Die zentrale Frage ist deshalb: Reichen die heutigen Schutzkonzepte noch aus, wenn Terroristen oder fremde Mächte Drohnen gegen das Zwischenlager einsetzen? Was, wenn bei einem solchen Angriff Radioaktivität freigesetzt wird?

Der Anwalt der Bundesrepublik Deutschland gab zum Wort ‚Drohnenangriff‘ folgende Einlassung: Erst jetzt im Prozess würden die Kläger vom Drohnenangriff mit mehreren Drohnen sprechen, und deshalb könnte man die Einlassung von Oda Becker für die Kläger nicht akzeptieren. Die Gutachterin der Kläger hatte erklärt, dass ein Drohnenangriff mit mehreren Drohnen erfolgt. Die erste Drohne durchdringt mit entsprechender Bewaffnung jede Betonkonstruktion. Die 2. Drohne fliegt durch die Betonlücke in das Lager und schießt mit einem Hohlmantelgeschoss auf die Castoren. Es ist also nur ein Drohnenangriff für eine Katastrophe notwendig.

Die Kläger wollen ferner geklärt wissen, ob die Schutzkonzepte, zum Beispiel bauliche Sicherungen oder Luftsicherungsmaßnahmen eines gezielten Flugzeugabsturzes oder einen mit Bewaffnung ausgestatteten Militärjet aushält.

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) antwortete, dass bei einem absichtlich herbeigeführten Flugzeugabsturz auf ein Zwischenlager eine Gefährdung von Leben und Gesundheit der Bevölkerung ausgeschlossen werden könne. Das Lager sei mit zusätzlichen Stahlbetonwänden nachgerüstet worden, und das Gelände liegt in einem Flugbeschränkungsgebiet (Anwohnerinnen bestätigen einige direkte Überflüge). Auch die Lüftungsschlitze am Dach des Lagers (das Lager wird mit Umgebungsluft gekühlt) seien verschlossen worden. Die BGZ räumt jedoch ein, dass es Risiken gibt, die der Betreiber allein nicht abdecken kann. Für den Schutz gegen Angriffe von außen seien Maßnahmen der BGZ (BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH) und staatliche Maßnahmen eng verzahnt.

Dazu gab es nun zwei bemerkenswerte Einlassungen.

  1. Ein Luftwaffenoffizier der Bundeswehr wurde nach der Bewaffnung und damit der Sprengkraft der Munition am Jet gefragt. Er wollte oder durfte nicht konkret antworten.
  2. Die enge Verzahnung mit den Sicherheitsbehörden wurde sinngemäß vom Bürgermeister von Philippsburg mit folgender Einlassung beantwortet. Er sei Chef der Polizeibehörde und kenne die Eingriffszeit (geheim!), die vorgesehen sei, um das Eindringen in das Zwischenlager zu verhindern. Beim Betrieb der Atomreaktoren hatte seine Stadt 120 Polizeibeamte, jetzt seien es noch 90. In der Nacht seien 5 Polizisten auf der Wache. Er bezweifelte nicht nur die zeitgerechte Einsatzfähigkeit der Polizei, sondern wies auch darauf hin, dass es derzeit noch keine Drohnenabwehrwaffen für die Polizei gibt.

Mir wurde dabei klar, dass an den 16 Atomstandorten in Deutschland über Jahrzehnte mehrere hunderte Polizisten für mehrere hundert Millionen Euro an den Atommeilerstandorten auf Kosten der SteuerzahlerInnen eingesetzt worden waren.

Am Ende des Prozesstages (ein angesetzter zweiter Tag war nicht nötig), nachdem die Presse bereits fort war, kam es noch zu einer Unterbrechung der Verhandlung. Die von den Klägern geforderte Ausbreitungsrechnung im Falle eines mit Radioaktivitätsaustritt verbundenen ´Störfalls´ lag nicht vor. Der Richter fragte mit Hinweis auf die Gesetzeslage nach dieser. Er erhielt von der Gutachterin die Auskunft, dass wegen den von ihnen berechneten ´geringen radioaktiven Austrittsdosen‘ sie auf eine solche verzichtet hätten. Sie habe deshalb nur eine Plausibilitätsrechnung vorgelegt. Wie dieser Mangel bereinigt wurde, blieb unklar.

Fazit des Anwalts der Bundesrepublik Deutschland: „Die Sache ist juristisch langweilig, aber technisch komplex“.

Mein Fazit: Die Einwände der Kläger wurden in keiner Weise von den vielen Gutachtern ausgeräumt. Da aber schon 8 gültige Veränderungsgenehmigungen vorlagen, war die Genehmigung der Änderungsgenehmigung 9. und 10. nur noch Formsache. Wie bei vielen emissions- und atomrechtlichen Verfahren gelingt diese Salamitaktik, da schon rechtsgültige Genehmigungen bestehen, die nur noch minimal erweitert werden. In diesem Fall wurden die geopolitischen und terroristischen Gefährdungslagen ausgeblendet, weil diese nicht beherrschbar sind. Zwischenlager mit hochaktivem Atommüll sind über noch viel Jahrzehnte tickende hoch gefährliche, nicht kalkulierbare Zeitbomben, nicht nur in Deutschland.

Rechte Sicht auf die Atomkraft am Beispiel des Karlsruher Bundestagsabgeordneten und Gemeinderatsmitglied Dr. Paul Schmidt

von Harry Block, Dez. 2025

Am 21. Mai 2025 hielt Dr. Paul Schmidt vor dem Deutschen Bundestag seine erste Rede und stellte sich mit folgenden Worten vor:

„Ich bin Kerntechniker in der zweiten Generation. Mein Vater hat im Kernforschungszentrum Karlsruhe eine Forschungsgruppe geleitet. Ich selbst habe nach der Promotion 25 Jahre in der Kerntechnik gearbeitet. Bis zur Abschaltung 2011 war ich Betriebsphysiker im Siedewasserreaktor KKP 1 in Philippsburg, danach bis zur Abschaltung Ende 2019 Betriebsphysiker im Druckwasserreaktor KKP 2. Seit 2014 bin ich zudem Betriebsrat in Philippsburg.

Betriebsphysiker waren in Deutschland in 25 Kernkraftwerksblöcken unverzichtbar. Jetzt kann man meinen Beruf in Deutschland gar nicht mehr ausüben. Ähnliches gilt für die Berufe vieler meiner Kollegen an den verschiedenen Kernkraftstandorten im Land. Wir alle hatten gehofft, dass sie von der Union nun endlich das versprochene Rückbaumoratorium in Kraft setzen und der Albtraum des Kernenergieausstiegs beendet wird. Wir wurden bitter enttäuscht!“

Diese persönlich motivierte, berufliche Enttäuschung über den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie machte ihn zum lautstarken Trommler in der AfD für die absurde Vorstellung der Wiederinbetriebnahme der letzten stillgelegten Atomkraftwerke in Deutschland, wie auch die Forderung nach neuen Atomkraftwerken.

Weitere sechs Reden hat er seither im Bundestag gehalten, die immer um das Thema „Atom“ (Endlagerung, Castortransporte) kreisten.

Am 10 Juli 205 holte er im Bundestag zum Rundumschlag gegen die Windenergie aus und endete mit der Feststellung:

„Wenn wir wirklich mehr CO2-armen Strom im deutschen Netz haben wollen, brauchen wir mehr Grundlastenergie, also mehr Kernenergie.“

Am 25. September stellte er in seiner Rede im Bundestag fest, dass seine Fraktion eine Arbeitsgemeinschaft „Kernkraft“ eingerichtet hat, weil

„Weltweit sind 439 Kernreaktoren in Betrieb und 69 in Bau“ … und endete mit:

„Echte Technologieoffenheit gibt es nur mit Kernkraft.“

Nur nebenbei: Bei dem im Bau befindlichen Atomkraftwerken befinden sich 41 in China und 23 in Russland.

Man könnte nun viel zum Pro und Contra Atomkraft ausführen. Lassen wir Herrn Schmidts ehemaligen Chef der EnBW, Georg Stamatelopoulos, zum Thema Atomkraft zu Wort kommen. Auf einer Pressekonferenz der EnBW am 2. April 2025 führte er aus:

„Kernkraftwerke: Also was die Zukunft betrifft, wenn wir die aktuell verfügbare Technologie betrachten, dann kommt mir immer in den Sinn, das Beispiel der Anlage, die aktuell in UK gebaut wird, das ist Hinkley Point, das ist ein Doppelblock mit einer Gesamtleistung von 3.200 Megawatt und Investitionskosten, heute geschätzt, von 53 Milliarden Euro. Nur diese Kombination zeigt, dass die Kernenergie, so wie wir die kennen, nicht wirtschaftlich ist. Ich nenne immer zum Vergleich unser Investitionsprogramm bei der EnBW bis zum Jahr 2030. Im Übrigen, das ist das größte Investitionsprogramm in der Geschichte der Firma. Wir wollen über 40 Milliarden Euro bis 2030 investieren in allen Bereichen, wo wir unterwegs sind.

Und wir sind ein vollintegriertes Unternehmen. Wir haben Netze, wir haben Erzeugung, Handel, wir haben direkten Kontakt zum Kunden, wir haben Elektromobilität. Also in allen diesen Bereichen wollen wir 40 Milliarden Euro investieren und das reicht nicht mal, um ein Kernkraftwerk zu bauen. Also es ist nicht nur die Sache der Wirtschaftlichkeit, es ist auch eine Frage des Risikos.“

In den übrigen Reden von Herr Schmidt kritisiert dieser die gesamte Energiepolitik der Bundesregierung, einschließlich der Förderung erneuerbarer Energien. Er und die AfD setzen dabei nicht auf die alternativen Energieformen. Sie wollen eine Rückkehr zur Kernkraft und fossilen Brennstoffen. Er und die AfD (nur nebenbei auch die CDU) fordern kleine Atomreaktoren – die sogenannten Small Modular Reaktors.

Dazu sagte der EnBW-Chef Stamatelopoulos auf der gleichen Konferenz von oben:

„Diese SMR-Entwicklung, also Small Modular Reaktors, die ist da, hat ein gewisses Potenzial wirtschaftlich zu werden durch die Modularisierung, aber das ist auch keine erprobte Technologie. Es gibt ca. 70 Firmen, die solche Konzepte entwickeln. Gebaut sind weltweit drei Anlagen, eine in China, eine in Russland und eine in Indien. Wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe, 20 Megawatt in China, 30 Megawatt in Russland und 230 in Indien. Ob man die letzte als Small noch bezeichnen kann, ist erstmal dahingestellt, aber es gibt kein kommerziell verfügbares Produkt.“

Es bleibt festzuhalten: Der Fokus der AfD und von Herrn Dr. Schmidt (auch noch Mitglied im Karlsruher Gemeinderat) liegen auf Kernkraft und fossilen Kraftwerken und fordern die sofortige Wiederinbetriebnahme von Nordstream 2. Sie lehnen auchGeothermie- und Windkaftprojekte mehr oder minder kategorisch ab. Ihre Begründungen sind: Gefährlichkeit oder Landschaftsverschandelung (Frau Dr. Weidel: „Windmühlen der Schande“).

Über den von der AfD geleugneten menschlich verursachten Klimawandel in den letzten 100 Jahren (AfD-Grundsatzprogramm „Das Klima wandelt sich, solange die Erde existiert. … Seit die Erde eine Atmosphäre hat, gibt es Kalt- und Warmzeiten.“) könnte man noch viele Seiten schreiben.

Das JRC hat der europäischen Gemeinschaft ein Fehlgutachten über die Anwendung der Atomenergie = Taxonomievereinbarung geliefert.

Von Harry Block, Oktober 2025

Förderung der europäischen Atomenergie durch wissenschaftliche Inkompetenz

Joint Research Centre Karlsruhe darf keine Genehmigung für die Forschung an atomaren Brennstoffen im neuen Gebäude M bekommen.

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat 2021 eine Untersuchung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse weitgehend unbeachtet blieben:

Fachstellungnahme zum Bericht des Joint Research Centre der Europäischen Kommission „Technical assessment of nuclear energy with respect to the ‘do no significant harm’ criteria of Regulation (EU) 2020/852 (‘Taxonomy Regulation’)”

Unter besonderer Berücksichtigung der Kriterieneignung für die Aufnahme der Kernenergie in die EU-Taxonomie“

Das Ergebnis der Nachprüfung ist vernichtend. Ich habe die wichtigsten Aussagen der 66 Seiten hier vollständig zitiert:

„Vorliegende Fachstellungnahme kommt zum Ergebnis, dass im JRC-Bericht Schlussfolgerungen getroffen wurden, deren fachliche Herleitung an zahlreichen Stellen nicht nachvollzogen werden kann. Darüber hinaus wurden Themenbereiche mit hoher Umweltrelevanz im JRC-Bericht nur sehr reduziert dargestellt bzw. ausgespart. So werden die Auswirkungen schwerer Unfälle – die es in den vergangenen Jahrzehnten der Nutzung dieser Energieform bereits mehrfach gegeben hat – auf die Umwelt nicht in die Bewertung der Taxonomie-Fähigkeit der Kernenergienutzung einbezogen. Dadurch stellt sich die Frage, ob das JRC einen zu engen Betrachtungsmaßstab wählt. Der genannte sowie weitere in dieser Fachstellungnahme aufgeführte Aspekte legen diesen Schluss nahe.

Ferner zeigt die vorliegende Fachstellungnahme auf, dass das JRC Themen zwar anreißt, diese dann allerdings nicht weiter berücksichtigt, obwohl sie in die Bewertung der Nachhaltigkeit der Kernenergienutzung einzubeziehen sind. Die Notwendigkeit, diese zu berücksichtigen, ergibt sich teilweise daraus, dass Auswirkungen auf die weiteren Umweltziele der Taxonomie-Verordnung bei einer umfassenderen Betrachtung zu erwarten sind oder zumindest nicht ausgeschlossen werden können. In anderen Fällen ergibt sie sich daraus, dass sich die Taxonomie-Verordnung in ihrem Nachhaltigkeitsverständnis auf den UN-Ansatz der Agenda 2030 bezieht, die etwa auch die Ziele „Berücksichtigung künftiger Generationen“ und „partizipative Entscheidungsfindung“ enthält.

Eine Nachhaltigkeit, insbesondere auch für künftige Generationen, kann nur gewährleistet werden, wenn frühzeitig versucht wird, eine Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen und den adäquaten Umgang künftiger Generationen mit der Kernenergienutzung und deren Hinterlassenschaften bzw. Abfällen zu ermöglichen und einen langfristigen Informations- und Wissenserhalt sicherzustellen. Prinzipiell ist festzustellen, dass das Problem der Entsorgung radioaktiver Abfälle bereits durch frühere Generationen auf heute verschoben wurde und zwangsläufig vielen weiteren Generationen „erhalten bleiben“ wird. Das vom JRC beschriebene Prinzip der (Zitat) „no undue burdens for future generations“ (Seiten 205 ff.) ist damit bereits (nicht heilbar) verletzt, die DNSH-Hürde bereits verletzt. Die Erzeugung großer Mengen gefährlicher Abfälle wird über Jahrzehnte ohne existierende und wirksame Entsorgungslösung fortgesetzt. Das JRC sagt selbst, dass die primäre und beste Strategie des Waste Management ist, radioaktive Abfälle erst gar nicht zu erzeugen. Diese Bewertung wird jedoch im Bericht nicht konsequent angewendet.

Der JRC-Bericht betrachtet die Folgen und Risiken der Kernenergienutzung für Mensch und Umwelt sowie für nachfolgende Generationen nur unvollständig oder spart diese in seiner Bewertung aus. Soweit er sie behandelt, werden die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens zum Teil nicht korrekt berücksichtigt. Der JRC-Bericht liefert somit einen unvollständigen Beitrag, mit dem die Nachhaltigkeit der Kernenergienutzung nicht umfassend bewertet werden kann.“

Die Taxonomie-Einstufung der Atomenergie durch das JRC war, wie oben ausgeführt, fehlerhaft und als Gesamtkonsequenz ein für die klimaneutrale und sichere Energiebereitstellung eine wissenschaftliche Katastrophe. Dies ist ein von der Öffentlichkeit weitgehend verschwiegener Skandal. Die Vereinbarung müsste eigentlich noch einmal in das EU-Parlament gebracht und in Sachen Atomenergie zu Fall gebracht werden.

Die Anti-Atom-Initiative Karlsruhe begleitet seit vielen Jahren sehr kritisch die Forschungsaktivitäten des JRC in Sachen Brennstoffentwicklung für Atomkraftwerke und die dazu notwendige Herstellung von kleinen Brennstäben, die im Ausland in Atomreaktoren eingesetzt wurden. Sie kamen nach dem Einsatz nach Karlsruhe zurück und wurden in den heißen Zellen des JRC dann auf ihre Radionuklidzusammensetzung weiter untersucht. Dies war immer auch mit Abgabe von Alpha-Strahlung = Plutoniumabgabe über die Abluft verbunden. Diese Forschung stockt derzeit, weil der Neubau des Forschungs- und Lagerkomplexes ´Bau M´ immer noch nicht abgeschlossen ist. Wir haben schon oft bemängelt, dass die Transparenz des JRC in Sachen Atomforschung – die anderen Bereiche des JRC wie Ausbildung und Medizinforschung betrifft das nicht – sehr zu wünschen übrig lässt. Das Ergebnis dieses Fachberichtes bestärkt uns in unserer Haltung, dass es am JRC in Karlsruhe keine weitere Forschung in Sachen Brennstoffentwicklung geben darf. Das Umweltministerium darf die anstehende Genehmigung für den Betrieb nur unter strikten Auflagen = keine Brennstoffforschung genehmigen.