am 25.04.26 am Karlsruhe 2026
Leider ist es in der letzten Zeit immer wieder zu hören: Atomkraft wäre als CO2 freie
Energieform die Lösung unserer Energieprobleme gewesen und es war falsch, wenn
nicht sogar fatal, aus der Atomenergie auszusteigen.
Lasst es mich klipp und klar an dieser Stelle sagen: Der Prozess der reinen
Energiegewinnung ist CO2 neutral, jedoch muss die komplette Atomspirale dabei
berücksichtigt werden, muss vom Abbau des Urans bis hin zur Endlagerung die
Atomenergie betrachtet werden. Dabei zeigt sich, dass die Behauptung, die
Atomtechnologie sei CO2 neutral, nicht zutreffend ist.
Der Weltklimarat schätzt, dass für den Betrieb eines AKWs bis zu 100 g CO2
Äquivalent pro produzierter Kilowattstunde Strom entsteht. Zum Vergleich, bei einer
Photovoltaik Anlage entsteht mit 56 g ungefähr nur die Hälfte, bei Windkraft nur 9,7
g und bei Wasserkraft können es sogar nur 2,7 g sein. Es ist ein absolutes Unding,
dass die Bundesregierung diese erneuerbaren Energieformen nicht stärker fördert,
sondern ihnen vielmehr noch Steine in den Weg legt, um die fossilen Energieträger
weiter zu unterstützen. Naja aber das soll heute nicht das Thema sein.
Wir sehen also, mal ganz abgesehen von den anderen massiven Gefahren der
Atomenergie entstehen bei dem Betrieb der AKWs CO2 Emissionen über den
kompletten Lebenszyklus, die Atomspirale.
Betrachten wir die Atomspirale genauer:
Für den Betrieb eines AKWs wird Uran benötigt. Dieses wird unter katastrophalen
Bedingungen unter anderem in Ländern des globalen Südens abgebaut, wobei durch
den Tagebau viel Landmasse abgetragen, Landschaften zerstört und auf Jahrzehnte
verseucht werden, um den Treibstoff der Atomkraftwerke, das Uranerz zu gewinnen.
Das gewonnene Uranerz wird dann über Schiffe in die jeweiligen Länder transportiert
und über ein energieaufwendiges Verfahren angereichert, bevor es zu
Brennelementen weiterverarbeitet werden kann. Das dabei Unmengen CO2 entsteht
versteht sich von selbst. Sieht man mal von diesen Aspekten ab macht sich der
deutsche Staat abhängig von anderen Ländern. Wohin das führt sehen wir gerade an
der aktuellen Energiekrise mit der Schließung der Straße von Hormus.
Betrachten wir die nächste Station der Atomspirale:
Den Bau eines AKWs:
Für den Bau werden mehrere hunderttausend Tonnen Stahl und Beton benötigt. Hier
nur ein paar Zahlen: Für den Reaktordruckbehälter werden bis zu 700 Tonnen Stahl
benötigt, für den Dampferzeuger 400, von denen es jeweils vier in einem AKW-
Block gibt. Hinzu kommen die Reaktorgebäude mit einer Wandstärke von 1,8 m und
einer Gesamtmasse von ca. 200 000 t Stahl und Beton, die Kühltürme, der Reaktor,
das Maschinenhaus und weitere Gebäude. Wenn wir uns vor Augen führen, dass für
die Herstellung von Beton Sand und Zement benötigt und Zement bei einer
Temperatur von mehr als 1500°C hergestellt wird, wird schnell klar, dass bei diesem
Prozess tonnenweise CO2 entsteht. Zum Beispiel bei der Herstellung von einer Tonne
Zement entsteht ca eine Tonne CO2. Nicht umsonst finden regelmäßig Aktionen vor
der Zementfirma Heidelberg Materials, früher Heidelberger Zement in Heidelberg
statt, um auf den Klimakiller der Zementherstellung hinzuweisen. Von der
Herstellung des Stahls ganz zu schweigen. Bei der Herstellung von Stahl bei
ebenfalls ca 1500°C entsteht bei einer Tonne Stahl zwischen 1,5 bis 2,5 Tonnen CO2
je nach Stahlqualität. Insgesamt kostete der Bau eines AKW Blocks Flamanville 3
in Frankreich 23,6 Milliarden €.
So, damit haben wir den Abbau des Urans und den Bau eines AKWs betrachtet, die
nächste Station ist der Betrieb. Auch wenn während der eigentlichen
Energiegewinnung kein CO2 entsteht, so fallen doch regelmäßige Wartungsarbeiten
an. Auch müssen Brennelemente regelmäßig jedes Jahr ausgetauscht werden.
Was passiert mit den ausgetauschten, den abgebrannten Brennelementen?
Da die Frage der Endlagerung nicht geklärt ist, werden diese in den sogenannten
Zwischenlagern für hochaktiven Atommüll an den AKW Standorten erstmal
zwischengeparkt, womit wir bei der nächsten Station der Atomspirale wären: dem
Zwischenlager.
Die abgebrannten Brennelemente werden in sogenannten Castorbehältern
aufbewahrt, die wiederum in Zwischenlagern stehen. Die Zwischenlager werden an
den AKW Standorten errichtet, mit einer Wandstärke von 80cm (Philippsburg) bis
1,20 m (Brunsbüttel) Dicke und einer massiven Bodenplatte. Und hierbei sprechen
wir nur von der Lagerung der abgebrannten Brennelemente.
Ob diese Lager vor terroristischen Anschlägen bzw. vor einem Drohnenangriff,
schützen darf stark bezweifelt werden.
Betrachten wir den nächsten Schritt der Atomspirale. Ihr seht es gibt viele Schritte
innerhalb der Atomspirale und wir sind leider auch noch nicht am Ende. Betrachten
wir den Abbau eines AKWs so dauert dieser Vorgang zwischen 20 und 30 Jahren. Die
EnBW selbst rechnet insgesamt mit Kosten für den Rückbau der AKWs in Baden-
Württemberg von 6 Milliarden Euro. Kosten, die die Atomlobby auf uns
Stromkunden bzw. Steuerzahler abdrückt, frei nach dem Motto:
Gewinne privatisieren, Kosten verstaatlichen.
Aber was passiert mit dem Müll, der bei dem Abbau anfällt, was passiert mit den
Unmengen an abgebrannten Brennelementen, die in den Zwischenlagern stehen?
Damit kommen wir zum letzten Schritt der Atomspirale:
Der Endlagerproblematik.
Seitdem Gorleben im Jahre 2013 zu Recht als ein unzureichendes Endlager deklariert
wurde, streitet sich die Expertenkommission, wo ein geeigneter Standort für den
hochradioaktiven Atommüll sein könnte. Dass diese Frage nicht trivial ist, sehen wir
an den Zuständen in dem Lager für mittelaktiven Atommüll in Asse, wo Wasser in
den Stollen eingedrungen ist und die Fässer mit radioaktivem Müll vor allem aus dem
ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe unaufhörlich vor sich hin rosten.
Solange die Frage des Endlagers nicht geklärt ist, wird der Müll in sogenannten
Zwischenlagern gesammelt. Schon jetzt ist klar, dass der Müll einige Jahrzehnte dort
deponiert werden muss, da mit einem Endlager erst in 40 bis 50 Jahren zu rechnen
ist. In welchem Zustand die Castoren dann sind, nachdem sie jahrelang im
Zwischenlager standen, ist völlig unklar.
Jahrzehntelang hat die Anti-AKW Bewegung für den Ausstieg aus der Atomenergie
gekämpft. Neben den anderen hohen Risiken, die diese Technologie mit sich bringt,
stand auch immer die ungeklärte Frage nach der Endlagerung in Zentrum der
Debatte.
Bis heute gibt es keinen Ort, wo ein sicheres Endlager entstehen könnte. Bis ein
solches in Betrieb genommen werden kann, lagert der Atommüll weiter in den
Zwischenlagern und muss dann irgendwann quer durch die Republik zum Endlager
transportiert werden.
Wir sehen also, die Behauptung, die Atomenergie sei eine CO2 neutrale Energieform,
ist eine dreiste Lüge.
Es ist gut, dass der Atomausstieg in Deutschland endlich vollzogen wurde, doch mit
dem atomaren Erbe müssen sich noch Generationen nach uns auseinandersetzen.
Doch dürfen wir uns nicht zurücklehnen. Die Suche nach einem geeigneten Endlager
muss weiterhin von unserem Protest, einer kritischen Öffentlichkeit und Druck
begleitet werden, damit die Suche nach wissenschaftlichen Kriterien getroffen wird,
basierend auf dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik, und nicht nach
kommerziellen, profitorientierten oder politischen Gesichtspunkten.
Dass es notwendig ist, der Atomlobby und den Mächtigen auf die Finger zu schauen,
zeigt sich auch an der jüngsten Meldung vom 20.04 diesen Jahres:
Der deutsche Staatsfond Kenfo, der eigens dafür eingerichtet wurde, die Endlagerung
von Atommüll in Deutschland zu finanzieren, lockert seine langjährige Beschränkung
für Investitionen in Waffenhersteller. Das bedeutet, dass Geld, was eigentlich für die
Endlagersuche reserviert war, nun in die Waffenindustrie gesteckt werden soll, ein
Skandal sondergleichen.
Wir sehen, auch nach dem Ausstieg bleibt viel für uns zu tun. Wir müssen weiterhin
auf der Hut sein, das Handeln der Atomlobby weiterhin kritisch begleiten, denn sie
wittern ihre Chancen, sei es zum Thema Endlager, small reactors oder der atomaren
Bewaffnung.
Lasst uns gemeinsam widerständig bleiben und weiterhin für eine Welt ohne AKWs
und atomare Bewaffnung kämpfen.
40. Tschernobyl Jahrestag – Redebeitrag vom AntiAtomNetz Trier zu Cattenom
von Kati Wauer am 25. 4. 2026 KA Hbf
Ich bin Kati Wauer, komme aus Trier vom dortigen AntiAtomNetz Trier. Warum ich nicht bei uns in Trier an der Mahnwache und Kundgebung teilnehme, sondern hier KA, liegt an einem familiären Termin.
Wenn Ihr, liebe Antiatommenschen, diesen Städtenamen hört, seit ehrlich, denkt ihr an das Bild der Porta Nigra und Tourismus an der Mosel. Viele Einwohner Trier`s denken jedoch weniger an UNESCO Welterbe und „Heilig Rock“ usw. sondern an das gerademal 60 km entfernte franz. Cattenom und seine je 4 x 1500Megawatt Reaktoren … ganz schön power und alt!
Reaktor 1 ging im Nov. 1986 ans Netz. (Ihr wisst doch: die Supergauwolke stoppte damals an der Grenze zu Frankreich …) Geplant war eine 40jährige Lebensdauer. Die ist nun erreicht. Und was macht die EdF? Wie selbstverständlich wird eine Laufzeitverlängerung des Reaktors 1 und zeitl. entsprechend der anderen 3 Reaktoren vorbereitet.
Das ist der Ansatzpunkt unserer Kampagne:
Stop-Cattenom.de
Darum bin ich hier, um Werbung zu machen und unser Anliegen weiter zu verbreiten.
1. Die Technik des Reaktorblocks ist veraltet und in seinem Inneren wird nix erneuert! Das wissen wir, weil die „Lokale Informationskommision“ genannt CLI, Infos veröffentlicht, auch digital, und auch ein bis zweimal im Jahr zu internationalen Sitzungen einlädt. Das klingt doch wunderbar und transparent. TOLL! Ja das ist die Normalität. Pannen und Zwischenfälle werden vorschriftsmäßig veröffentlicht und auf der INESskala bewertet. In Frankreich ist das so geregelt. Wir sind ja nicht in einem Unrechtsstaat , in dem alles, was schief gehen könnte der Geheimhaltung unterstellt wird. Siehe Tschernobyl. Mich persönlich beruhigt das aber gar nicht!
Es gibt aus unserer nachbarlichen Sicht viele Probleme, die den Weiterbetrieb risikoreich und gefährlich erscheinen lassen. Siehe: antiatonnetz-trier .de
2. Zur Landtagswahl in RLP am 22.März haben wir einen Wahlcheck gemacht, in dem wir allen 55 Kandidaten -innen unserer 7 Wahlbezirke Fragen vorgelegt haben zum Thema: Pannenanfälligkeit, Laufzeitverlängerung, fehlende UVP usw. Die Ergebnisse haben wir auf unsere Webseite gestellt: stop-cattenom.de aber das ist noch nicht alles! Wir starteten auf WEACT eine Unterschriftenaktion: stop-cattenom! Keine Laufzeitverlängerung für den Pannenreaktor!
3. Da sind wir jetzt kurz davor, die Marke von 8000 Unterschriften zu knacken und ich zitiere mal aus der WEACTplattform:
„ Jetzt, da in Mainz die Koalitionsverhandlungen laufen, entscheidet sich, ob der Schutz unserer Region am Verhandlungstisch geopfert wird. Wir entlassen die Politik nicht aus der Pflicht. Mit der Kraft tausender Unterschriften und unserem Bündnis aus 47Organisationen im Rücken haben wir alle frisch gewählte Landtagsabgeordnete aus unserer Region, sowie die Parteizentralen in Mainz persönlich angeschrieben. Die deutliche Ablehnung der Laufzeitverlängerung muss zwingend im neuen Koalitionsvertrag verankert werden!“
Darum bin ich hier, gewissermaßen auf Zwischenstation der Heimfahrt und bitte Euch: Unterstützt unsere Kampagne stop-cattenom.de mit eurer Unterschrift bei WEACT und oder euren Organisationen. Wir müssen noch viel mehr Antiatommenschen werden damit das Echo bis nach Frankreich reicht und zur EU. Das Saarland, vor allem Luxembourg und franz. AA-Gruppen sind schon dabei.
Ich danke Euch.
Leserinnenbrief von Brigitte Schilli zu „Neue Probleme mit Atommüll“
Veröffentlich in den BNN vom 28.3.2026 unter ‚Die 60 Jahre alten Atom-Loblieder‘.
Egal, wie sie derzeit heißen bei der CDU/CSU, vorneweg Bundeskanzler Friedrich Merz, Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen – sie alle träumen den Traum von den sogenannten „Minireaktoren“ vom Fließband, die bislang nur auf dem Papier existieren und die weder klein noch billig sein werden. Sie singen die alten Loblieder der Atomindustrie, genau wie vor 60 Jahren Franz Josef Strauß und Ernst Albrecht (Vater von Ursula von der Leyen), bauen Luftschlösser von „Atommüll fressender Transformation oder Fusionsforschung“ reden wie dazumal wieder von sauberer und billiger Energie ohne Risiko, beten unreflektiert alle Argumente der Atomindustrie nach!
Die Populisten im Land besetzen das Thema und gehen damit auf Stimmenfang! Als Bürger hat man den Eindruck, dass dies geschieht, ohne auf fundiertes Fachwissen von Experten zu hören, um die Bevölkerung erneut einzulullen oder gar zu täuschen. Der viele schon vorhandene Atommüll, mit dem man seit Jahren nicht fertig wird – siehe den BNN-Bericht zur Asse –, die immensen Kosten zulasten der steuerzahlenden Bevölkerung und kommender Generationen werden ausgeblendet und verharmlost!
Es wird ausgeblendet: die Abhängigkeiten von Uran abbauenden Staaten, militärische Interessen, die teils maroden Zwischenlager als Zielscheiben in einer Welt der Trumps und Putins! Es geht der Atomindustrie, deren Lobbyisten, der EU-Kommission mit ihren irreführenden Kampagnen weder ums Klima noch um Technologieoffenheit, sondern darum, weiter immense Steuergelder zu generieren, auch für das EU Joint Reseach Center, das hier vor Ort auf dem Gelände des KIT Campus Nord angesiedelt ist, wo an Brennstoffen für die gepriesenen „Mini-Atomreaktoren SMR“ unter dem Namen „Sicherheitsforschung“ geforscht wird, die anfallenden neuen atomaren Abfälle aber hier zurückbleiben!
Ein weiterer Grund für die Propagandakampagnen ist meiner Meinung nach, die erneuerbaren Energien schlechtzureden, Ängste zu wecken, sie zu verhindern, da diese weltweit an Bedeutung gewinnen und nicht mehr aufzuhalten sind.
Erneuerbare Energien aus Sonne und Wind sind heute ein großer Wachstumszweig der Wirtschaft, günstig und gefahrlos, und man fragt sich, weshalb die genannten Politiker und Parteien unreflektiert die Argumente der Atomindustrie nachbeten? Oder anders gefragt, was sind die eigentlichen Motive?
Deklaration: Konsequente Energiewende nur ohne Atomkraft
Tipps: Dokumentar-Filme zu Tschernobyl in der Mediathek bzw. MediathekView
Wer sich vor oder nach unserer Veranstaltung im ibz am Freitag, dem 24. April um 19 Uhr
zu 40 Jahre Tschernobyl informieren will, findet hier Dokumentationen zum Thema:
planet schule-Was ist 1986 in Tschernobyl passiert_ ⋅ Spickzettel (sehr empfehlenswert)
Tschernobyl 86 – Der Super-GAU (ARD, umfassend)
Exakt-Tschernobyl – Die Reaktorkatastrophe 1986
NZZ Format-Tschernobyl unter Beschuss – Europas nukleare Zeitbombe
Tschernobyl – Der Insiderbericht (1_3) (arte)
Tschernobyl – Der Insiderbericht (2_3) (arte)
Tschernobyl – Der Insiderbericht (3_3) (arte)
Tschernobyl im Krieg – ARTE Reportage
Tschernobyl – Die Katastrophe (ZDF)
Mit Sicherheit nicht ohne Risiken – AKW in der Ukraine (phoenix-Gespräch)
Dokumentar-Filme zu Tschernobyl bei youtube (u.a.)
Der Gau von Tschernobyl – Ganze Folge | Sekunden vor dem Unglück https://www.youtube.com/watch?v=se5dIzYQpmk
Super-GAU von Tschernobyl: Was wirklich geschah | ZDFinfo Doku https://www.youtube.com/watch?v=YSQnjyVUmzo
Tschernobyl – Der Insiderbericht (1_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=L133x8rktPU
Tschernobyl – Der Insiderbericht (2_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=cX6IhnNkNe4
Tschernobyl – Der Insiderbericht (3_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=nCtdwAF3BCk
Fukushima Jahrestag
Die Anti-Atom-Initiative Karlsruhe unterstützt die Anzeige der IPPNW zum Fukushima Jahrestag 2026.
40. Tschernobyl Jahrestag am 26.04.2026
Zum Tode von Matthias Mauser,
geboren 28. Mai 1959 in Mannheim
gestorben am 21. Januar 2026 in Karlsruhe
Seit über 40 Jahren gehörte Matthias zum festen, aktiven Kern der Karlsruher Anti-Atom-Bewegung.
Er gründete schon in den 1980iger Jahre mit uns die „Bürgerinitiative für die Stilllegung der Atomanlagen des Kernforschungszentrums Karlsruhe und die Umwandlung des Atomforschungszentrums Karlsruhe in ein Forschungsinstitut für alternative Energien.“

Er hielt 1986 eine Rede bei der endgütigen Stilllegung des Schnellen Brüters Karlsruhe vor der damaligen Hauptzentrale des Badenwerks.

Bei deren Nachfolger, der EnBW, trat er bei vielen Hauptversammlungen auch als kritischer Aktionär auf.

Er beteiligte sich aktiv an den Erörterungsterminen zum Zwischenlager für hochaktiven Atommüll in Philippsburg ebenso wie bei den vielen anderen atomrechtlichen Genehmigungsverfahren.

Sein Rat und seine verbindende Art waren für uns politisch wie menschlich wichtig.
Kein Weg zu einer Demonstration gegen die Atomanlagen war dem begeisterten Radfahrer zu weit, um mit uns, per Rad ´angereist´, Präsenz zu zeigen. Er wird uns und der Anti-Atomkraft- Bewegung nicht nur fehlen – sein Verlust ist für uns nicht ersetzbar.
Matthias, du bist nun nicht mehr bei uns. Aber du bist sicher überall mit dabei, wo wir gegen den atomaren Wahn Widerstand leisten.
Link zur Gedenkseite:
https://karlsruhe.gemeinsam-trauern.net/Begleiten/matthias-mauser




Verwaltungsgerichtshof Mannheim am 16.12.2025:
von Harry Block
Was man auch aus einem verlorenen Prozess lernen kann …
Im Zwischenlager für hochaktiven Atommüll in Philippsburg stehen 106 Castoren. In denen befindet sich hoch radioaktiver Müll, welcher aus der Stromproduktion in Philippsburg aus zwei Atomreaktoren der vergangenen Jahrzehnte stammt. Dieser Müll hat Philippsburg nie verlassen. Nur vier Castoren stammen aus der Wiederaufbereitungsanlage in Frankreich und enthalten in Glas eingeschmolzenen hochaktiven Atommüll. Hierbei handelt es sich um deutschen Atommüll, den Deutschland zurücknehmen muss. Die letzten vier Behälter kamen erst 2024 ins Lager. Nur um diese letzte Einlagerung geht es jetzt in der 9. und 10. Änderungsgenehmigung bei dem Gerichtsverfahren. De facto beinhaltet aber jeder Behälter radioaktives Inventar in einer Größenordnung, die bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde.
Bürgermeister Stefan Martus und seine drei Mitkläger bemängeln, dass bei der ursprünglichen Genehmigung des besagten Zwischenlagers die Gefahr durch Drohnenangriffe nicht berücksichtigt wurde. Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass selbst günstige Baumarkt-Drohnen mit Sprengstoff militärisch wirksam eingesetzt werden können. Die zentrale Frage ist deshalb: Reichen die heutigen Schutzkonzepte noch aus, wenn Terroristen oder fremde Mächte Drohnen gegen das Zwischenlager einsetzen? Was, wenn bei einem solchen Angriff Radioaktivität freigesetzt wird?
Der Anwalt der Bundesrepublik Deutschland gab zum Wort ‚Drohnenangriff‘ folgende Einlassung: Erst jetzt im Prozess würden die Kläger vom Drohnenangriff mit mehreren Drohnen sprechen, und deshalb könnte man die Einlassung von Oda Becker für die Kläger nicht akzeptieren. Die Gutachterin der Kläger hatte erklärt, dass ein Drohnenangriff mit mehreren Drohnen erfolgt. Die erste Drohne durchdringt mit entsprechender Bewaffnung jede Betonkonstruktion. Die 2. Drohne fliegt durch die Betonlücke in das Lager und schießt mit einem Hohlmantelgeschoss auf die Castoren. Es ist also nur ein Drohnenangriff für eine Katastrophe notwendig.
Die Kläger wollen ferner geklärt wissen, ob die Schutzkonzepte, zum Beispiel bauliche Sicherungen oder Luftsicherungsmaßnahmen eines gezielten Flugzeugabsturzes oder einen mit Bewaffnung ausgestatteten Militärjet aushält.
Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) antwortete, dass bei einem absichtlich herbeigeführten Flugzeugabsturz auf ein Zwischenlager eine Gefährdung von Leben und Gesundheit der Bevölkerung ausgeschlossen werden könne. Das Lager sei mit zusätzlichen Stahlbetonwänden nachgerüstet worden, und das Gelände liegt in einem Flugbeschränkungsgebiet (Anwohnerinnen bestätigen einige direkte Überflüge). Auch die Lüftungsschlitze am Dach des Lagers (das Lager wird mit Umgebungsluft gekühlt) seien verschlossen worden. Die BGZ räumt jedoch ein, dass es Risiken gibt, die der Betreiber allein nicht abdecken kann. Für den Schutz gegen Angriffe von außen seien Maßnahmen der BGZ (BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH) und staatliche Maßnahmen eng verzahnt.
Dazu gab es nun zwei bemerkenswerte Einlassungen.
- Ein Luftwaffenoffizier der Bundeswehr wurde nach der Bewaffnung und damit der Sprengkraft der Munition am Jet gefragt. Er wollte oder durfte nicht konkret antworten.
- Die enge Verzahnung mit den Sicherheitsbehörden wurde sinngemäß vom Bürgermeister von Philippsburg mit folgender Einlassung beantwortet. Er sei Chef der Polizeibehörde und kenne die Eingriffszeit (geheim!), die vorgesehen sei, um das Eindringen in das Zwischenlager zu verhindern. Beim Betrieb der Atomreaktoren hatte seine Stadt 120 Polizeibeamte, jetzt seien es noch 90. In der Nacht seien 5 Polizisten auf der Wache. Er bezweifelte nicht nur die zeitgerechte Einsatzfähigkeit der Polizei, sondern wies auch darauf hin, dass es derzeit noch keine Drohnenabwehrwaffen für die Polizei gibt.
Mir wurde dabei klar, dass an den 16 Atomstandorten in Deutschland über Jahrzehnte mehrere hunderte Polizisten für mehrere hundert Millionen Euro an den Atommeilerstandorten auf Kosten der SteuerzahlerInnen eingesetzt worden waren.
Am Ende des Prozesstages (ein angesetzter zweiter Tag war nicht nötig), nachdem die Presse bereits fort war, kam es noch zu einer Unterbrechung der Verhandlung. Die von den Klägern geforderte Ausbreitungsrechnung im Falle eines mit Radioaktivitätsaustritt verbundenen ´Störfalls´ lag nicht vor. Der Richter fragte mit Hinweis auf die Gesetzeslage nach dieser. Er erhielt von der Gutachterin die Auskunft, dass wegen den von ihnen berechneten ´geringen radioaktiven Austrittsdosen‘ sie auf eine solche verzichtet hätten. Sie habe deshalb nur eine Plausibilitätsrechnung vorgelegt. Wie dieser Mangel bereinigt wurde, blieb unklar.
Fazit des Anwalts der Bundesrepublik Deutschland: „Die Sache ist juristisch langweilig, aber technisch komplex“.
Mein Fazit: Die Einwände der Kläger wurden in keiner Weise von den vielen Gutachtern ausgeräumt. Da aber schon 8 gültige Veränderungsgenehmigungen vorlagen, war die Genehmigung der Änderungsgenehmigung 9. und 10. nur noch Formsache. Wie bei vielen emissions- und atomrechtlichen Verfahren gelingt diese Salamitaktik, da schon rechtsgültige Genehmigungen bestehen, die nur noch minimal erweitert werden. In diesem Fall wurden die geopolitischen und terroristischen Gefährdungslagen ausgeblendet, weil diese nicht beherrschbar sind. Zwischenlager mit hochaktivem Atommüll sind über noch viel Jahrzehnte tickende hoch gefährliche, nicht kalkulierbare Zeitbomben, nicht nur in Deutschland.
Rechte Sicht auf die Atomkraft am Beispiel des Karlsruher Bundestagsabgeordneten und Gemeinderatsmitglied Dr. Paul Schmidt
von Harry Block, Dez. 2025
Am 21. Mai 2025 hielt Dr. Paul Schmidt vor dem Deutschen Bundestag seine erste Rede und stellte sich mit folgenden Worten vor:
„Ich bin Kerntechniker in der zweiten Generation. Mein Vater hat im Kernforschungszentrum Karlsruhe eine Forschungsgruppe geleitet. Ich selbst habe nach der Promotion 25 Jahre in der Kerntechnik gearbeitet. Bis zur Abschaltung 2011 war ich Betriebsphysiker im Siedewasserreaktor KKP 1 in Philippsburg, danach bis zur Abschaltung Ende 2019 Betriebsphysiker im Druckwasserreaktor KKP 2. Seit 2014 bin ich zudem Betriebsrat in Philippsburg.
Betriebsphysiker waren in Deutschland in 25 Kernkraftwerksblöcken unverzichtbar. Jetzt kann man meinen Beruf in Deutschland gar nicht mehr ausüben. Ähnliches gilt für die Berufe vieler meiner Kollegen an den verschiedenen Kernkraftstandorten im Land. Wir alle hatten gehofft, dass sie von der Union nun endlich das versprochene Rückbaumoratorium in Kraft setzen und der Albtraum des Kernenergieausstiegs beendet wird. Wir wurden bitter enttäuscht!“
Diese persönlich motivierte, berufliche Enttäuschung über den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie machte ihn zum lautstarken Trommler in der AfD für die absurde Vorstellung der Wiederinbetriebnahme der letzten stillgelegten Atomkraftwerke in Deutschland, wie auch die Forderung nach neuen Atomkraftwerken.
Weitere sechs Reden hat er seither im Bundestag gehalten, die immer um das Thema „Atom“ (Endlagerung, Castortransporte) kreisten.
Am 10 Juli 205 holte er im Bundestag zum Rundumschlag gegen die Windenergie aus und endete mit der Feststellung:
„Wenn wir wirklich mehr CO2-armen Strom im deutschen Netz haben wollen, brauchen wir mehr Grundlastenergie, also mehr Kernenergie.“
Am 25. September stellte er in seiner Rede im Bundestag fest, dass seine Fraktion eine Arbeitsgemeinschaft „Kernkraft“ eingerichtet hat, weil
„Weltweit sind 439 Kernreaktoren in Betrieb und 69 in Bau“ … und endete mit:
„Echte Technologieoffenheit gibt es nur mit Kernkraft.“
Nur nebenbei: Bei dem im Bau befindlichen Atomkraftwerken befinden sich 41 in China und 23 in Russland.
Man könnte nun viel zum Pro und Contra Atomkraft ausführen. Lassen wir Herrn Schmidts ehemaligen Chef der EnBW, Georg Stamatelopoulos, zum Thema Atomkraft zu Wort kommen. Auf einer Pressekonferenz der EnBW am 2. April 2025 führte er aus:
„Kernkraftwerke: Also was die Zukunft betrifft, wenn wir die aktuell verfügbare Technologie betrachten, dann kommt mir immer in den Sinn, das Beispiel der Anlage, die aktuell in UK gebaut wird, das ist Hinkley Point, das ist ein Doppelblock mit einer Gesamtleistung von 3.200 Megawatt und Investitionskosten, heute geschätzt, von 53 Milliarden Euro. Nur diese Kombination zeigt, dass die Kernenergie, so wie wir die kennen, nicht wirtschaftlich ist. Ich nenne immer zum Vergleich unser Investitionsprogramm bei der EnBW bis zum Jahr 2030. Im Übrigen, das ist das größte Investitionsprogramm in der Geschichte der Firma. Wir wollen über 40 Milliarden Euro bis 2030 investieren in allen Bereichen, wo wir unterwegs sind.
Und wir sind ein vollintegriertes Unternehmen. Wir haben Netze, wir haben Erzeugung, Handel, wir haben direkten Kontakt zum Kunden, wir haben Elektromobilität. Also in allen diesen Bereichen wollen wir 40 Milliarden Euro investieren und das reicht nicht mal, um ein Kernkraftwerk zu bauen. Also es ist nicht nur die Sache der Wirtschaftlichkeit, es ist auch eine Frage des Risikos.“
In den übrigen Reden von Herr Schmidt kritisiert dieser die gesamte Energiepolitik der Bundesregierung, einschließlich der Förderung erneuerbarer Energien. Er und die AfD setzen dabei nicht auf die alternativen Energieformen. Sie wollen eine Rückkehr zur Kernkraft und fossilen Brennstoffen. Er und die AfD (nur nebenbei auch die CDU) fordern kleine Atomreaktoren – die sogenannten Small Modular Reaktors.
Dazu sagte der EnBW-Chef Stamatelopoulos auf der gleichen Konferenz von oben:
„Diese SMR-Entwicklung, also Small Modular Reaktors, die ist da, hat ein gewisses Potenzial wirtschaftlich zu werden durch die Modularisierung, aber das ist auch keine erprobte Technologie. Es gibt ca. 70 Firmen, die solche Konzepte entwickeln. Gebaut sind weltweit drei Anlagen, eine in China, eine in Russland und eine in Indien. Wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe, 20 Megawatt in China, 30 Megawatt in Russland und 230 in Indien. Ob man die letzte als Small noch bezeichnen kann, ist erstmal dahingestellt, aber es gibt kein kommerziell verfügbares Produkt.“
Es bleibt festzuhalten: Der Fokus der AfD und von Herrn Dr. Schmidt (auch noch Mitglied im Karlsruher Gemeinderat) liegen auf Kernkraft und fossilen Kraftwerken und fordern die sofortige Wiederinbetriebnahme von Nordstream 2. Sie lehnen auchGeothermie- und Windkaftprojekte mehr oder minder kategorisch ab. Ihre Begründungen sind: Gefährlichkeit oder Landschaftsverschandelung (Frau Dr. Weidel: „Windmühlen der Schande“).
Über den von der AfD geleugneten menschlich verursachten Klimawandel in den letzten 100 Jahren (AfD-Grundsatzprogramm „Das Klima wandelt sich, solange die Erde existiert. … Seit die Erde eine Atmosphäre hat, gibt es Kalt- und Warmzeiten.“) könnte man noch viele Seiten schreiben.


