40. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl – Redebeitrag der DFG-VK KA

von Stefan Lau Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen Karlsruhe am Sa. 25.04.2026 bei der Kundgebung am KA Hauptbahnhof

Ohne Atombomben keine Atomkraft – ein paar Gedanken zum Atomzeitalter“

Es gibt keine friedliche Nutzung der Atomenergie; am Anfang war die Atombombe!

Unsere Epoche des Atomzeitalters bedeutet die Möglichkeit der Selbstvernichtung der Menschheit, bzw.weise der Wahrscheinlichkeit der Selbstvernichtung.“

(Günther Anders, Hiroshima ist überall“, S. XXVII)

schwer auszuhalten, wir sollten es uns an Gedenktagen wir heute trotzdem immer wieder klar machen was Atomzeitalter bedeutet. – und heute kommen noch die globalen Folgen des menschengemachten Klima-Umbruchs dazu.

Kurze Erinnerung: Wie fing alles an:

Von 1942 bis 1945 entwickelten mehr als 150.000 Wissenschaftler*innen, Techniker*innen und Arbeiter*innen unter dem Codenamen „Manhattan Project“ die ersten Atombomben. Das „Manhattan Project“ wurde gestartet, weil Nazi-Deutschland an der Entwicklung einer Atombombe forschte. Bis Ende 1945 beliefen sich die Kosten auf 1,9 Milliarden US-Dollar. Das Manhattan-Projekt zählt zu den größten technischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Menschheitsgeschichte.

  • 16. Juli 1945 wurde die erste Atomexplosion ausgelöst:
    der sogenannte Trinity-Test in New Mexiko im Tal »Jornada del Muerto«
    (Tag des Todes); es war eine Plutoniumbombe gleicher Bauart wie sie dann über Nagasaki abgeworfen wurde.
  • 6. August 1945: Abwurf der Uranbombe „Little Boy“ über Hiroshima durch den US-Bomber Enola Gay. Ungefähr 70.000 starben direkt am Tag des Angriffs, bis Ende des Jahres 1945 kamen weitere 70.000 Tote dazu. Fünf Jahre später sollten es rund 200.000 werden.
  • 9. August 1945: Abwurf der Plutoniumbombe „Fat Man“ von einem US-amerikanischen B-29-Bomber auf Nagasaki. Ungefähr 22.000 Menschen starben direkt am Tag des Angriffs, 42.000 wurden verletzt.

Aber auch ohne direkten Einsatz im Krieg führen Atomwaffen zu Tod und Elend. Angefangen bei der Gewinnung von Uran; das Uran für die Hiroshima-Bombe und für den Reaktor in Fukushima wurden in der gleichen Mine im Kongobecken geschürft, ein von Bürgerkrieg und Warlords dominiertes Land,

Unfällen mit Atombomben,
der Gefahr eines „Atomkriegs aus Versehen“,

den wenig beachteten Langzeitfolgen der Atombombentests und
der Gefahr eines Atomkriegs „aus Versehen“.

Am 17. Januar 1966 kollidierte ein Tankflugzeug der US-Luftwaffe mit einem B-52-Bomber mit vier Wasserstoffbomben an Bord. Beide Flugzeuge explodierten; die Einzelteile und die gefährliche Fracht fielen über dem kleinen Küstendorf Palomares in Andalusien vom Himmel. Bei zwei der vier Bomben öffnete sich der Fallschirm nicht. Sie zerbarsten beim Aufprall auf der Erde und verseuchten Luft und Boden rund um Palomares mit Plutonium und Uran. Die vierte Bombe fiel ins Mittelmeer und wurde erst 80 Tage später gefunden. – Die B52-Bomber flogen seit 1961 im Rahmen der Operation »Chrome Dome« mit H-Bomben täglich über Spanien. Während der Kubakrise 1962 waren täglich 42 Bomber in der Luft. Fünf Jahre lang
flogen mehr als 17.000 Bomber mit ca. 35.000 Wasserstoffbomben über Spanien, um „gegebenenfalls“ schnell auf einen Angriff der Sowjetunion zu reagieren. Kein anderes Land in Europa erlaubte damals solche gefährlichen Manöver in seinem Luftraum.

Am 21. Januar 1968 verursachte der Absturz eines mit Atomwaffen bestückten B-52 Bombers der US Air Force über Grönlandgroße Landflächen und die umliegenden Gewässer mit radioaktivem Plutonium. Die Besatzung konnte sich per Schleudersitz retten, die Maschine stürzte etwa 13 km südlich der US-Luftwaffenbasis Thule ab.
Ein Besatzungsmitglied starb bei dem Absturz, die anderen sechs überlebten.

Durch eine glückliche Fügung kam es beim Absturz der Wasserstoffbomben nicht zu einer atomaren Kettenreaktion. Allerdings explodierte der nicht-atomare Sprengstoff und führte zur großflächigen Verseuchung des umliegenden Geländes mit ca. zehn Terabecquerel radioaktivem Plutonium (Tera = Billion) sowie Uran, Americium und Tritiom.

Einige Eisschollen sanken unter dem Gewicht der radioaktiven Stoffe und nahmen die strahlenden Partikel mit auf den Meeresboden. Man schätzt, dass insgesamt etwa fünf Gigabecquerel (Giga = Milliarde) radioaktives Plutonium in die umliegenden Gewässer gelangten. Eine radioaktive Wolke driftete zudem vom Unglücksort nach Süden ab und verseuchte die Region rund um das etwa sieben Kilometer entfernt liegende Dorf Narssarssuk.

Grönland ist völkerrechtlich Teil Dänemarks, welches sich offiziell zur atomwaffenfreien Zone erklärt hatte. Nach Großdemonstrationen der Bevölkerung reagierte die dänische Regierung auf die radioaktive Verseuchung schließlich zumindest mit einer Protestnote an die USA.

Bei großflächigen Dekontaminationsmaßnahmen wurden nach Angaben der USA ca. 90 % des Plutoniums entfernt und als Strahlenmüll in die USA zurückgebracht. Schätzungsweise ein Terabecquerel Plutonium verblieb aber im Meer und Eis rund um Thule.

Die Aufnahme von Plutonium durch die Nahrung ist ein relevantes Gesundheitsrisiko für die indigenen Inughuit in der Region rund um Thule geworden, da deren Ernährung vor allem aus Fisch und Meeressäugern besteht, deren Fleisch durch das Plutonium kontaminiert wurde. Vor allem die Bewohner nahe gelegener Siedlungen wie Narssarssuk sind betroffen. Epidemiologische Studien ihres Gesundheitszustandes wurden jedoch nie veröffentlicht.

Die dänischen Aufräum- und Dekontaminationsarbeiter berichteten von einer erheblichen Rate an Krebserkrankungen und Todesfällen unter ihren Kollegen. Bei einer Erhebung aus dem Jahr 1995 wurden in einer Stichprobe von 1.500 Arbeitskräften 410 Todesfälle durch Krebserkrankungen gefunden. Ähnliche Studien wurden an den US-amerikanischen Arbeitern nie durchgeführt, obwohl sie dem radioaktiven Material stärker ausgesetzt waren als ihre dänischen Kollegen.

Am 7. April 1989 brach auf dem sowjetischen Atom-U-Boot „Komsomolez“ zwischen Norwegen und Spitzbergen in etwa 400 Metern Tiefe im Heck ein Brand aus. Die Crew konnte ein Feuer im Maschinenraum nicht unter Kontrolle bringen, 42 Menschen an Bord starben. Das U-Boot liegt seitdem in fast 1.700 Metern Tiefe in der Norwegischen See – mit einem abgeschalteten Atomreaktor und zwei nuklearen Sprengköpfen an Bord. Um eine radioaktive Verseuchung zu verhindern, wurden 1994 Torpedorohre und andere Löcher mit Titanplatten versiegelt.

Untersuchungen zeigen, dass es Anzeichen dafür gibt, dass radioaktives Material aus dem atomaren Antrieb wie auch gelagerter nuklearer Brennstoff zerfällt.
„Die gute Nachricht“: Im Meeresboden ringsum das U-Boot lässt sich das nicht weiter nachweisen – vermutlich wird das Material nachdem es austritt sofort durch das Wasser verdünnt und abtransportiert. Die Forschenden empfehlen aber, das Wrack trotzdem regelmäßig zu kontrollieren.

Auch bei uns im Südwesten gab es Unfälle mit Atomraketen:

Am 2. November 1982 versagten in Waldprechtsweier die Bremsen eines US-1Militärtransporters mit einer Pershing-I-A-Rakete. Ein Autofahrer wurde getötet und für die Bergung musste wegen der Explosionsgefahr der Kurzstreckenrakete der gesamte Ort evakuiert werden.

Am 11. Januar 1985 fing bei einer Routineübung eine Pershing-II-Rakete auf dem Militärgelände Heilbronn-Waldheide Feuer und brannte explosionsartig ab. In 250 Meter Entfernung waren gefechtsbereit Pershing-II-Raketen mit Atomsprengköpfen stationiert. 3 US-Soldaten wurden damals getötet und 16 schwer verletzt.

Die Folgen für die Bevölkerung und Arbeiter habe ich eben schon kurz angesprochen; die Langzeitfolgen der bislang über 2.000 Atomwaffentests weltweit werden bislang immer noch recht wenig beachtet:Nach einer Studie der internationalen Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) kam es allein durch oberirdische Atomwaffentests bis zum Jahr 2000 zu 430.000 zusätzlichen Krebstoten. Die betroffenen Regionen liegen meist fernab von den testenden Staaten und sind überwiegend von einer nicht-weißen Bevölkerung und ethnischen Minderheiten bewohnt.

Die größte Gefahr durch Atombomben ist meiner Ansicht nach ein Atomkrieg „aus Versehen“, wg. Fehlalarm; Ein Beispiel für viele weitere:

Moskau, am 26. September 1983, kurz nach Mitternacht: Ein sowjetischer Frühwarnsatellit meldet den Angriff einer Handvoll US-Raketen auf die Sowjetunion. Sonne, Satellit und US-Raketenfelder waren so aufeinander ausgerichtet, dass die Strahlen der Sonne von den Satelliten falsch identifiziert wurden. Glücklicherweise entschied sich der sowjetische Oberst Stanislaw Petrow, den Alarm nicht an seine Vorgesetzten weiterzuleiten.

Ausführlichere Infos zu allen genannten und vielen weiteren Unfällen mit Atomwaffen und den Gefahren eines Atomkriegs „aus Versehen“ findet ihr hier:
https://www.atomwaffena-z.info/start

Die Gefahr eines Atomkriegs „aus Versehen“ wird sich durch die nächstes Jahr geplante Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Deutschland weiter erhöhen, denn diese Raketen lassen sich praktisch ohne Vorwarnzeit abfeuern und treffen binnen Minuten ihr Ziel – eine politische Reaktion ist also kaum mehr möglich. Zudem lassen sich atomare und konventionelle Geschosse beim Anflug praktisch nicht unterscheiden.

„Möglich“ wird die geplante Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Deutschland, weil der INF-Vertrag 2019 durch die USA unter der ersten Präsidentschaft von Donald Trump (und danach durch Russland) aufgekündigt wurde. Der INF-Vertrag wurde 1987 unterzeichnet und führte zur Verschrottung der vorhandenen Mittelstreckenraketen und Verbot neuer Mittelstreckenraketen. Das der Vertrag damals zustande kam, war auch ein Verdienst der damaligen Friedensbewegung.

Wir rufen deshalb zu Demo gegen die geplante Stationierung von neuen Mittelstreckenraketen in Deutschland am 30.Mai Wiesbaden auf! Auch von Karlsruhe wird es eine gemeinsame Anreise geben; die Abfahrtszeit findet ihr (in Kürze) auf der Webseite des Friedensbündnis Karlsruhe:
https://friedensbuendnis-ka.de/

Eine (noch) weitgehend unterschätzte Gefahr sind Atomkraftwerke als Kriegsziele.

Am 14. Februar 2025 wurde die Schutzhülle des AKW Tschernobyl von einer russischen Drohne getroffen, die explodierte und das Dach durchschlug. Erst drei Wochen nach dem Angriff wurden die Brände als gelöscht bestätigt. Es bestand die Gefahr, das Radioaktivität austreten könnte.

In der Ukraine erleben wir das erste Mal, dass ein bewaffneter Konflikt in der Nähe von Atomkraftwerken stattfindet. Gegen militärischen Beschuss sind Atomreaktoren und auch die deutschen Zwischenlager für radioaktiven Atommüll nicht ausgelegt.

Dazu mehr am Sonntag um 17:00 Uhr, wenn wir in der Kinemathek den Dokumentarfilm „Atomkraftwerke im Krieg“ zeigen und den Regisseur Reinhart Brüning zu Gast haben.

Zum Thema gehört auch, dass Atomwaffen völkerrechtlich verboten sind!
Am 7. Juli 2017 stimmten auf Initiative der internationalen Friedensbewegung in der
UN-Generalversammlung 122 Staaten für die Annahme des Atomwaffenverbots-vertrags. Nachdem im Herbst 2020 mit Honduras der 50. Staat den Atomwaffen-verbotsvertrag ratifizierte, trat er am 22. Januar 2021 in Kraft.
Seit nun über fünf Jahren sind Atomwaffen also völkerrechtlich verboten!

Trumps Atombombendrohung:
Am 7. April stellte US-Präsident Donald Trump dem Iran ein Ultimatum:
Entweder der Iran schließe bis 20 Uhr US-Ostküstenzeit mit den USA ein Abkommen zur Beendigung des Krieges, oder „eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals wieder zurückkommen“.

ICAN dazu: https://www.icanw.de/neuigkeiten/pm-ican-verurteilt-trumps-vernichtungsdrohung/

und: https://www.atomwaffena-z.info/heute/blog/war-trumps-nukleare-drohung-ernst-gemeint

Abschließend noch ein Zitat von Kenzaburo Oe, japanischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger:

Der Glaube an die atomare Abschreckung und der an die friedliche Nutzung der Atomenergie sind unweigerlich mit einander verknüpft.
Wir müssen uns von beidem lösen.“

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

Stefan Lau, Sprecher der Gruppe Karlsruhe
Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen DFG-VK

40. Jahrestag der Atomkatastrophe Tschernobyl – Rede der IL

am 25.04.26 am Karlsruhe 2026

Leider ist es in der letzten Zeit immer wieder zu hören: Atomkraft wäre als CO2 freie
Energieform die Lösung unserer Energieprobleme gewesen und es war falsch, wenn
nicht sogar fatal, aus der Atomenergie auszusteigen.
Lasst es mich klipp und klar an dieser Stelle sagen: Der Prozess der reinen
Energiegewinnung ist CO2 neutral, jedoch muss die komplette Atomspirale dabei
berücksichtigt werden, muss vom Abbau des Urans bis hin zur Endlagerung die
Atomenergie betrachtet werden. Dabei zeigt sich, dass die Behauptung, die
Atomtechnologie sei CO2 neutral, nicht zutreffend ist.
Der Weltklimarat schätzt, dass für den Betrieb eines AKWs bis zu 100 g CO2
Äquivalent pro produzierter Kilowattstunde Strom entsteht. Zum Vergleich, bei einer

Photovoltaik Anlage entsteht mit 56 g ungefähr nur die Hälfte, bei Windkraft nur 9,7
g und bei Wasserkraft können es sogar nur 2,7 g sein. Es ist ein absolutes Unding,
dass die Bundesregierung diese erneuerbaren Energieformen nicht stärker fördert,
sondern ihnen vielmehr noch Steine in den Weg legt, um die fossilen Energieträger
weiter zu unterstützen. Naja aber das soll heute nicht das Thema sein.
Wir sehen also, mal ganz abgesehen von den anderen massiven Gefahren der
Atomenergie entstehen bei dem Betrieb der AKWs CO2 Emissionen über den
kompletten Lebenszyklus, die Atomspirale.

Betrachten wir die Atomspirale genauer:
Für den Betrieb eines AKWs wird Uran benötigt. Dieses wird unter katastrophalen
Bedingungen unter anderem in Ländern des globalen Südens abgebaut, wobei durch
den Tagebau viel Landmasse abgetragen, Landschaften zerstört und auf Jahrzehnte
verseucht werden, um den Treibstoff der Atomkraftwerke, das Uranerz zu gewinnen.
Das gewonnene Uranerz wird dann über Schiffe in die jeweiligen Länder transportiert
und über ein energieaufwendiges Verfahren angereichert, bevor es zu
Brennelementen weiterverarbeitet werden kann. Das dabei Unmengen CO2 entsteht
versteht sich von selbst. Sieht man mal von diesen Aspekten ab macht sich der
deutsche Staat abhängig von anderen Ländern. Wohin das führt sehen wir gerade an
der aktuellen Energiekrise mit der Schließung der Straße von Hormus.

Betrachten wir die nächste Station der Atomspirale:
Den Bau eines AKWs:
Für den Bau werden mehrere hunderttausend Tonnen Stahl und Beton benötigt. Hier
nur ein paar Zahlen: Für den Reaktordruckbehälter werden bis zu 700 Tonnen Stahl
benötigt, für den Dampferzeuger 400, von denen es jeweils vier in einem AKW-
Block gibt. Hinzu kommen die Reaktorgebäude mit einer Wandstärke von 1,8 m und
einer Gesamtmasse von ca. 200 000 t Stahl und Beton, die Kühltürme, der Reaktor,
das Maschinenhaus und weitere Gebäude. Wenn wir uns vor Augen führen, dass für
die Herstellung von Beton Sand und Zement benötigt und Zement bei einer
Temperatur von mehr als 1500°C hergestellt wird, wird schnell klar, dass bei diesem
Prozess tonnenweise CO2 entsteht. Zum Beispiel bei der Herstellung von einer Tonne
Zement entsteht ca eine Tonne CO2. Nicht umsonst finden regelmäßig Aktionen vor
der Zementfirma Heidelberg Materials, früher Heidelberger Zement in Heidelberg
statt, um auf den Klimakiller der Zementherstellung hinzuweisen. Von der
Herstellung des Stahls ganz zu schweigen. Bei der Herstellung von Stahl bei
ebenfalls ca 1500°C entsteht bei einer Tonne Stahl zwischen 1,5 bis 2,5 Tonnen CO2
je nach Stahlqualität. Insgesamt kostete der Bau eines AKW Blocks Flamanville 3
in Frankreich 23,6 Milliarden €.

So, damit haben wir den Abbau des Urans und den Bau eines AKWs betrachtet, die
nächste Station ist der Betrieb. Auch wenn während der eigentlichen
Energiegewinnung kein CO2 entsteht, so fallen doch regelmäßige Wartungsarbeiten
an. Auch müssen Brennelemente regelmäßig jedes Jahr ausgetauscht werden.
Was passiert mit den ausgetauschten, den abgebrannten Brennelementen?
Da die Frage der Endlagerung nicht geklärt ist, werden diese in den sogenannten
Zwischenlagern für hochaktiven Atommüll an den AKW Standorten erstmal
zwischengeparkt, womit wir bei der nächsten Station der Atomspirale wären: dem
Zwischenlager.
Die abgebrannten Brennelemente werden in sogenannten Castorbehältern
aufbewahrt, die wiederum in Zwischenlagern stehen. Die Zwischenlager werden an
den AKW Standorten errichtet, mit einer Wandstärke von 80cm (Philippsburg) bis
1,20 m (Brunsbüttel) Dicke und einer massiven Bodenplatte. Und hierbei sprechen
wir nur von der Lagerung der abgebrannten Brennelemente.
Ob diese Lager vor terroristischen Anschlägen bzw. vor einem Drohnenangriff,
schützen darf stark bezweifelt werden.

Betrachten wir den nächsten Schritt der Atomspirale. Ihr seht es gibt viele Schritte
innerhalb der Atomspirale und wir sind leider auch noch nicht am Ende. Betrachten
wir den Abbau eines AKWs so dauert dieser Vorgang zwischen 20 und 30 Jahren. Die
EnBW selbst rechnet insgesamt mit Kosten für den Rückbau der AKWs in Baden-
Württemberg von 6 Milliarden Euro. Kosten, die die Atomlobby auf uns
Stromkunden bzw. Steuerzahler abdrückt, frei nach dem Motto:
Gewinne privatisieren, Kosten verstaatlichen.
Aber was passiert mit dem Müll, der bei dem Abbau anfällt, was passiert mit den
Unmengen an abgebrannten Brennelementen, die in den Zwischenlagern stehen?

Damit kommen wir zum letzten Schritt der Atomspirale:
Der Endlagerproblematik.
Seitdem Gorleben im Jahre 2013 zu Recht als ein unzureichendes Endlager deklariert
wurde, streitet sich die Expertenkommission, wo ein geeigneter Standort für den
hochradioaktiven Atommüll sein könnte. Dass diese Frage nicht trivial ist, sehen wir
an den Zuständen in dem Lager für mittelaktiven Atommüll in Asse, wo Wasser in
den Stollen eingedrungen ist und die Fässer mit radioaktivem Müll vor allem aus dem
ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe unaufhörlich vor sich hin rosten.
Solange die Frage des Endlagers nicht geklärt ist, wird der Müll in sogenannten
Zwischenlagern gesammelt. Schon jetzt ist klar, dass der Müll einige Jahrzehnte dort
deponiert werden muss, da mit einem Endlager erst in 40 bis 50 Jahren zu rechnen
ist. In welchem Zustand die Castoren dann sind, nachdem sie jahrelang im
Zwischenlager standen, ist völlig unklar.
Jahrzehntelang hat die Anti-AKW Bewegung für den Ausstieg aus der Atomenergie
gekämpft. Neben den anderen hohen Risiken, die diese Technologie mit sich bringt,
stand auch immer die ungeklärte Frage nach der Endlagerung in Zentrum der
Debatte.

Bis heute gibt es keinen Ort, wo ein sicheres Endlager entstehen könnte. Bis ein
solches in Betrieb genommen werden kann, lagert der Atommüll weiter in den
Zwischenlagern und muss dann irgendwann quer durch die Republik zum Endlager
transportiert werden.
Wir sehen also, die Behauptung, die Atomenergie sei eine CO2 neutrale Energieform,
ist eine dreiste Lüge.

Es ist gut, dass der Atomausstieg in Deutschland endlich vollzogen wurde, doch mit
dem atomaren Erbe müssen sich noch Generationen nach uns auseinandersetzen.
Doch dürfen wir uns nicht zurücklehnen. Die Suche nach einem geeigneten Endlager
muss weiterhin von unserem Protest, einer kritischen Öffentlichkeit und Druck
begleitet werden, damit die Suche nach wissenschaftlichen Kriterien getroffen wird,
basierend auf dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik, und nicht nach
kommerziellen, profitorientierten oder politischen Gesichtspunkten.

Dass es notwendig ist, der Atomlobby und den Mächtigen auf die Finger zu schauen,
zeigt sich auch an der jüngsten Meldung vom 20.04 diesen Jahres:
Der deutsche Staatsfond Kenfo, der eigens dafür eingerichtet wurde, die Endlagerung
von Atommüll in Deutschland zu finanzieren, lockert seine langjährige Beschränkung
für Investitionen in Waffenhersteller. Das bedeutet, dass Geld, was eigentlich für die
Endlagersuche reserviert war, nun in die Waffenindustrie gesteckt werden soll, ein
Skandal sondergleichen.

Wir sehen, auch nach dem Ausstieg bleibt viel für uns zu tun. Wir müssen weiterhin
auf der Hut sein, das Handeln der Atomlobby weiterhin kritisch begleiten, denn sie
wittern ihre Chancen, sei es zum Thema Endlager, small reactors oder der atomaren
Bewaffnung.
Lasst uns gemeinsam widerständig bleiben und weiterhin für eine Welt ohne AKWs
und atomare Bewaffnung kämpfen.

40. Tschernobyl Jahrestag – Redebeitrag vom AntiAtomNetz Trier zu Cattenom

von Kati Wauer am 25. 4. 2026 KA Hbf

Ich bin Kati Wauer, komme aus Trier vom dortigen AntiAtomNetz Trier. Warum ich nicht bei uns in Trier an der Mahnwache und Kundgebung teilnehme, sondern hier KA, liegt an einem familiären Termin.

Wenn Ihr, liebe Antiatommenschen, diesen Städtenamen hört, seit ehrlich, denkt ihr an das Bild der Porta Nigra und Tourismus an der Mosel. Viele Einwohner Trier`s denken jedoch weniger an UNESCO Welterbe und „Heilig Rock“ usw. sondern an das gerademal 60 km entfernte franz. Cattenom und seine je 4 x 1500Megawatt Reaktoren … ganz schön power und alt!

Reaktor 1 ging im Nov. 1986 ans Netz. (Ihr wisst doch: die Supergauwolke stoppte damals an der Grenze zu Frankreich …) Geplant war eine 40jährige Lebensdauer. Die ist nun erreicht. Und was macht die EdF? Wie selbstverständlich wird eine Laufzeitverlängerung des Reaktors 1 und zeitl. entsprechend der anderen 3 Reaktoren vorbereitet.

Das ist der Ansatzpunkt unserer Kampagne:
Stop-Cattenom.de
Darum bin ich hier, um Werbung zu machen und unser Anliegen weiter zu verbreiten.

1. Die Technik des Reaktorblocks ist veraltet und in seinem Inneren wird nix erneuert! Das wissen wir, weil die „Lokale Informationskommision“ genannt CLI, Infos veröffentlicht, auch digital, und auch ein bis zweimal im Jahr zu internationalen Sitzungen einlädt. Das klingt doch wunderbar und transparent. TOLL! Ja das ist die Normalität. Pannen und Zwischenfälle werden vorschriftsmäßig veröffentlicht und auf der INESskala bewertet. In Frankreich ist das so geregelt. Wir sind ja nicht in einem Unrechtsstaat , in dem alles, was schief gehen könnte der Geheimhaltung unterstellt wird. Siehe Tschernobyl. Mich persönlich beruhigt das aber gar nicht!
Es gibt aus unserer nachbarlichen Sicht viele Probleme, die den Weiterbetrieb risikoreich und gefährlich erscheinen lassen. Siehe: antiatonnetz-trier .de

2. Zur Landtagswahl in RLP am 22.März haben wir einen Wahlcheck gemacht, in dem wir allen 55 Kandidaten -innen unserer 7 Wahlbezirke Fragen vorgelegt haben zum Thema: Pannenanfälligkeit, Laufzeitverlängerung, fehlende UVP usw. Die Ergebnisse haben wir auf unsere Webseite gestellt: stop-cattenom.de aber das ist noch nicht alles! Wir starteten auf WEACT eine Unterschriftenaktion: stop-cattenom! Keine Laufzeitverlängerung für den Pannenreaktor!

3. Da sind wir jetzt kurz davor, die Marke von 8000 Unterschriften zu knacken und ich zitiere mal aus der WEACTplattform:

„ Jetzt, da in Mainz die Koalitionsverhandlungen laufen, entscheidet sich, ob der Schutz unserer Region am Verhandlungstisch geopfert wird. Wir entlassen die Politik nicht aus der Pflicht. Mit der Kraft tausender Unterschriften und unserem Bündnis aus 47Organisationen im Rücken haben wir alle frisch gewählte Landtagsabgeordnete aus unserer Region, sowie die Parteizentralen in Mainz persönlich angeschrieben. Die deutliche Ablehnung der Laufzeitverlängerung muss zwingend im neuen Koalitionsvertrag verankert werden!“

Darum bin ich hier, gewissermaßen auf Zwischenstation der Heimfahrt und bitte Euch: Unterstützt unsere Kampagne stop-cattenom.de mit eurer Unterschrift bei WEACT und oder euren Organisationen. Wir müssen noch viel mehr Antiatommenschen werden damit das Echo bis nach Frankreich reicht und zur EU. Das Saarland, vor allem Luxembourg und franz. AA-Gruppen sind schon dabei.

Ich danke Euch.

Leserinnenbrief von Brigitte Schilli zu „Neue Probleme mit Atommüll“

Veröffentlich in den BNN vom 28.3.2026 unter ‚Die 60 Jahre alten Atom-Loblieder‘.

Egal, wie sie derzeit heißen bei der CDU/CSU, vorneweg Bundeskanzler Friedrich Merz, Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen – sie alle träumen den Traum von den sogenannten „Minireaktoren“ vom Fließband, die bislang nur auf dem Papier existieren und die weder klein noch billig sein werden. Sie singen die alten Loblieder der Atomindustrie, genau wie vor 60 Jahren Franz Josef Strauß und Ernst Albrecht (Vater von Ursula von der Leyen), bauen Luftschlösser von „Atommüll fressender Transformation oder Fusionsforschung“ reden wie dazumal wieder von sauberer und billiger Energie ohne Risiko, beten unreflektiert alle Argumente der Atomindustrie nach!

Die Populisten im Land besetzen das Thema und gehen damit auf Stimmenfang! Als Bürger hat man den Eindruck, dass dies geschieht, ohne auf fundiertes Fachwissen von Experten zu hören, um die Bevölkerung erneut einzulullen oder gar zu täuschen. Der viele schon vorhandene Atommüll, mit dem man seit Jahren nicht fertig wird – siehe den BNN-Bericht zur Asse –, die immensen Kosten zulasten der steuerzahlenden Bevölkerung und kommender Generationen werden ausgeblendet und verharmlost!

Es wird ausgeblendet: die Abhängigkeiten von Uran abbauenden Staaten, militärische Interessen, die teils maroden Zwischenlager als Zielscheiben in einer Welt der Trumps und Putins! Es geht der Atomindustrie, deren Lobbyisten, der EU-Kommission mit ihren irreführenden Kampagnen weder ums Klima noch um Technologieoffenheit, sondern darum, weiter immense Steuergelder zu generieren, auch für das EU Joint Reseach Center, das hier vor Ort auf dem Gelände des KIT Campus Nord angesiedelt ist, wo an Brennstoffen für die gepriesenen „Mini-Atomreaktoren SMR“ unter dem Namen „Sicherheitsforschung“ geforscht wird, die anfallenden neuen atomaren Abfälle aber hier zurückbleiben!

Ein weiterer Grund für die Propagandakampagnen ist meiner Meinung nach, die erneuerbaren Energien schlechtzureden, Ängste zu wecken, sie zu verhindern, da diese weltweit an Bedeutung gewinnen und nicht mehr aufzuhalten sind.

Erneuerbare Energien aus Sonne und Wind sind heute ein großer Wachstumszweig der Wirtschaft, günstig und gefahrlos, und man fragt sich, weshalb die genannten Politiker und Parteien unreflektiert die Argumente der Atomindustrie nachbeten? Oder anders gefragt, was sind die eigentlichen Motive?

Tipps: Dokumentar-Filme zu Tschernobyl in der Mediathek bzw. MediathekView

Wer sich vor oder nach unserer Veranstaltung im ibz am Freitag, dem 24. April um 19 Uhr

zu 40 Jahre Tschernobyl informieren will, findet hier Dokumentationen zum Thema:

planet schule-Was ist 1986 in Tschernobyl passiert_ ⋅ Spickzettel (sehr empfehlenswert)

Tschernobyl 86 – Der Super-GAU (ARD, umfassend)

Exakt-Tschernobyl – Die Reaktorkatastrophe 1986

NZZ Format-Tschernobyl unter Beschuss – Europas nukleare Zeitbombe

Tschernobyl – Der Insiderbericht (1_3) (arte)

Tschernobyl – Der Insiderbericht (2_3) (arte)

Tschernobyl – Der Insiderbericht (3_3) (arte)

Tschernobyl im Krieg – ARTE Reportage

Tschernobyl – Die Katastrophe (ZDF)

Mit Sicherheit nicht ohne Risiken – AKW in der Ukraine (phoenix-Gespräch)

Dokumentar-Filme zu Tschernobyl bei youtube (u.a.)

Der Gau von Tschernobyl – Ganze Folge | Sekunden vor dem Unglück https://www.youtube.com/watch?v=se5dIzYQpmk

Super-GAU von Tschernobyl: Was wirklich geschah | ZDFinfo Doku https://www.youtube.com/watch?v=YSQnjyVUmzo

Tschernobyl – Der Insiderbericht (1_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=L133x8rktPU

Tschernobyl – Der Insiderbericht (2_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=cX6IhnNkNe4

Tschernobyl – Der Insiderbericht (3_3) (arte) https://www.youtube.com/watch?v=nCtdwAF3BCk

Zum Tode von Matthias Mauser,

geboren 28. Mai 1959 in Mannheim
gestorben am 21. Januar 2026 in Karlsruhe

Seit über 40 Jahren gehörte Matthias zum festen, aktiven Kern der Karlsruher Anti-Atom-Bewegung.

Er gründete schon in den 1980iger Jahre mit uns die „Bürgerinitiative für die Stilllegung der Atomanlagen des Kernforschungszentrums Karlsruhe und die Umwandlung des Atomforschungszentrums Karlsruhe in ein Forschungsinstitut für alternative Energien.“


Er hielt 1986 eine Rede bei der endgütigen Stilllegung des Schnellen Brüters Karlsruhe vor der damaligen Hauptzentrale des Badenwerks.

Bei deren Nachfolger, der EnBW, trat er bei vielen Hauptversammlungen auch als kritischer Aktionär auf.

Er beteiligte sich aktiv an den Erörterungsterminen zum Zwischenlager für hochaktiven Atommüll in Philippsburg ebenso wie bei den vielen anderen atomrechtlichen Genehmigungsverfahren.


Sein Rat und seine verbindende Art waren für uns politisch wie menschlich wichtig.
Kein Weg zu einer Demonstration gegen die Atomanlagen war dem begeisterten Radfahrer zu weit, um mit uns, per Rad ´angereist´, Präsenz zu zeigen. Er wird uns und der Anti-Atomkraft- Bewegung nicht nur fehlen – sein Verlust ist für uns nicht ersetzbar.

Matthias, du bist nun nicht mehr bei uns. Aber du bist sicher überall mit dabei, wo wir gegen den atomaren Wahn Widerstand leisten.

Link zur Gedenkseite:
https://karlsruhe.gemeinsam-trauern.net/Begleiten/matthias-mauser

Verwaltungsgerichtshof Mannheim am 16.12.2025:

von Harry Block

Was man auch aus einem verlorenen Prozess lernen kann …

Im Zwischenlager für hochaktiven Atommüll in Philippsburg stehen 106 Castoren. In denen befindet sich hoch radioaktiver Müll, welcher aus der Stromproduktion in Philippsburg aus zwei Atomreaktoren der vergangenen Jahrzehnte stammt. Dieser Müll hat Philippsburg nie verlassen. Nur vier Castoren stammen aus der Wiederaufbereitungsanlage in Frankreich und enthalten in Glas eingeschmolzenen hochaktiven Atommüll. Hierbei handelt es sich um deutschen Atommüll, den Deutschland zurücknehmen muss. Die letzten vier Behälter kamen erst 2024 ins Lager. Nur um diese letzte Einlagerung geht es jetzt in der 9. und 10. Änderungsgenehmigung bei dem Gerichtsverfahren. De facto beinhaltet aber jeder Behälter radioaktives Inventar in einer Größenordnung, die bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde.

Bürgermeister Stefan Martus und seine drei Mitkläger bemängeln, dass bei der ursprünglichen Genehmigung des besagten Zwischenlagers die Gefahr durch Drohnenangriffe nicht berücksichtigt wurde. Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass selbst günstige Baumarkt-Drohnen mit Sprengstoff militärisch wirksam eingesetzt werden können. Die zentrale Frage ist deshalb: Reichen die heutigen Schutzkonzepte noch aus, wenn Terroristen oder fremde Mächte Drohnen gegen das Zwischenlager einsetzen? Was, wenn bei einem solchen Angriff Radioaktivität freigesetzt wird?

Der Anwalt der Bundesrepublik Deutschland gab zum Wort ‚Drohnenangriff‘ folgende Einlassung: Erst jetzt im Prozess würden die Kläger vom Drohnenangriff mit mehreren Drohnen sprechen, und deshalb könnte man die Einlassung von Oda Becker für die Kläger nicht akzeptieren. Die Gutachterin der Kläger hatte erklärt, dass ein Drohnenangriff mit mehreren Drohnen erfolgt. Die erste Drohne durchdringt mit entsprechender Bewaffnung jede Betonkonstruktion. Die 2. Drohne fliegt durch die Betonlücke in das Lager und schießt mit einem Hohlmantelgeschoss auf die Castoren. Es ist also nur ein Drohnenangriff für eine Katastrophe notwendig.

Die Kläger wollen ferner geklärt wissen, ob die Schutzkonzepte, zum Beispiel bauliche Sicherungen oder Luftsicherungsmaßnahmen eines gezielten Flugzeugabsturzes oder einen mit Bewaffnung ausgestatteten Militärjet aushält.

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) antwortete, dass bei einem absichtlich herbeigeführten Flugzeugabsturz auf ein Zwischenlager eine Gefährdung von Leben und Gesundheit der Bevölkerung ausgeschlossen werden könne. Das Lager sei mit zusätzlichen Stahlbetonwänden nachgerüstet worden, und das Gelände liegt in einem Flugbeschränkungsgebiet (Anwohnerinnen bestätigen einige direkte Überflüge). Auch die Lüftungsschlitze am Dach des Lagers (das Lager wird mit Umgebungsluft gekühlt) seien verschlossen worden. Die BGZ räumt jedoch ein, dass es Risiken gibt, die der Betreiber allein nicht abdecken kann. Für den Schutz gegen Angriffe von außen seien Maßnahmen der BGZ (BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH) und staatliche Maßnahmen eng verzahnt.

Dazu gab es nun zwei bemerkenswerte Einlassungen.

  1. Ein Luftwaffenoffizier der Bundeswehr wurde nach der Bewaffnung und damit der Sprengkraft der Munition am Jet gefragt. Er wollte oder durfte nicht konkret antworten.
  2. Die enge Verzahnung mit den Sicherheitsbehörden wurde sinngemäß vom Bürgermeister von Philippsburg mit folgender Einlassung beantwortet. Er sei Chef der Polizeibehörde und kenne die Eingriffszeit (geheim!), die vorgesehen sei, um das Eindringen in das Zwischenlager zu verhindern. Beim Betrieb der Atomreaktoren hatte seine Stadt 120 Polizeibeamte, jetzt seien es noch 90. In der Nacht seien 5 Polizisten auf der Wache. Er bezweifelte nicht nur die zeitgerechte Einsatzfähigkeit der Polizei, sondern wies auch darauf hin, dass es derzeit noch keine Drohnenabwehrwaffen für die Polizei gibt.

Mir wurde dabei klar, dass an den 16 Atomstandorten in Deutschland über Jahrzehnte mehrere hunderte Polizisten für mehrere hundert Millionen Euro an den Atommeilerstandorten auf Kosten der SteuerzahlerInnen eingesetzt worden waren.

Am Ende des Prozesstages (ein angesetzter zweiter Tag war nicht nötig), nachdem die Presse bereits fort war, kam es noch zu einer Unterbrechung der Verhandlung. Die von den Klägern geforderte Ausbreitungsrechnung im Falle eines mit Radioaktivitätsaustritt verbundenen ´Störfalls´ lag nicht vor. Der Richter fragte mit Hinweis auf die Gesetzeslage nach dieser. Er erhielt von der Gutachterin die Auskunft, dass wegen den von ihnen berechneten ´geringen radioaktiven Austrittsdosen‘ sie auf eine solche verzichtet hätten. Sie habe deshalb nur eine Plausibilitätsrechnung vorgelegt. Wie dieser Mangel bereinigt wurde, blieb unklar.

Fazit des Anwalts der Bundesrepublik Deutschland: „Die Sache ist juristisch langweilig, aber technisch komplex“.

Mein Fazit: Die Einwände der Kläger wurden in keiner Weise von den vielen Gutachtern ausgeräumt. Da aber schon 8 gültige Veränderungsgenehmigungen vorlagen, war die Genehmigung der Änderungsgenehmigung 9. und 10. nur noch Formsache. Wie bei vielen emissions- und atomrechtlichen Verfahren gelingt diese Salamitaktik, da schon rechtsgültige Genehmigungen bestehen, die nur noch minimal erweitert werden. In diesem Fall wurden die geopolitischen und terroristischen Gefährdungslagen ausgeblendet, weil diese nicht beherrschbar sind. Zwischenlager mit hochaktivem Atommüll sind über noch viel Jahrzehnte tickende hoch gefährliche, nicht kalkulierbare Zeitbomben, nicht nur in Deutschland.