Begründung für den Beitritt des „Karlsruher Bündnis gegen neue Generationen von Atomreaktoren“ zum „Klimabündnis Karlsruhe“

Karlsruhe, 17.11.19
Von: Dr. Dirk-M. Harmsen und Dipl.-Ing. Thomas Partmann

Gegenwärtig wird eine starke Lobby sichtbar, die die Produktion von Elektrizität mit Atomkraftwerken bisheriger und neuer Generationen propagiert, um die drohende Klimakrise zu vermeiden.

Begründung: Der Betrieb von Atomkraftwerken produziere nahezu keine Klimagase.

Diese Begründung ist schlicht falsch: Eine Kilowattstunde Atomenergie verursacht im Durchschnitt 88 bis 146Gramm CO2, wenn man u.a. die bei der Förderung von Uran bis zur Brennelementherstellung entstehenden Treibhausgase hinzurechnet. Wissenschaftler der Yale-Universität kamen in ihrer Studie 2012 im Schnitt auf 10 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Windstrom. Das Ökoinstitut in Darmstadt kam in seiner Untersuchung 2007 zu einem vergleichbaren Ergebnis.
Damit hat Atomstrom eine deutlich schlechtere Klimabilanz als Windenergie.

Wir sind zudem der Meinung, dass

  1. die Entwicklung neuer Generationen von Atomreaktoren mittels Atomkern-Spaltung oder Atomkern-Fusion noch einige Jahrzehnte benötigt, bevor diese frühestens in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts industriell einsetzbar sind. Viel zu spät, um noch Einfluss zu nehmen auf die drohende Klimakatastrophe,
  2. die Verlängerung des Betriebs deutscher Atomkraftwerke über das vom Bundestag beschlossene Ausstiegsdatum aus der kommerziellen Nutzung der Kernenergie, Ende 2022, keinen Beitrag zur Abwendung der drohenden Klimakatastrophe liefert,
  3. der Weiterbetrieb vorhandener und die Forschung zu den neuen Reaktoren und deren Bau jahrzehntelang finanzielle Mittel binden, die für die Forschung und den Ausbau alternativer Energieformen fehlen,
  4. das hohe Risikopotential der Atomkraft, wie Tschernobyl und Fukushima belegen, und die ihr innewohnende Proliferationsgefahr (Gefahr der Verbreitung von Atomwaffen), sowie die ungelöste Endlagerproblematik diese als Lösung verbieten.

Diese Einsicht sollte vom „Klimabündnis-Karlsruhe“ nicht nur in Karlsruhe sondern nach Möglichkeit auch bundesweit und europaweit verbreitet werden.

Quellen:

https://wiseinternational.org/sites/default/files/u93/climatenuclear.pdf
https://www.wiwo.de/technologie/green/studie-zeigt-windraeder-sind-wahre-effizienzwunder/13549604.html
https://www.oeko.de/oekodoc/318/2007-008-de.pdf
https://www.ausgestrahlt.de/blog/2017/11/07/cop23-dont-nuke-climate/
https://anti-atom-ka.de/gibt-es-einen-zusammenhang-zwischen-dem-un-atomwaffen-verbotsvertrag-tpnw-und-der-entwicklung-neuartiger-fluessigsalz-kernreaktoren-mit-thorium-als-brutstoff/

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