Das Karlsruher Bündnis gegen neue Generationen von Atomreaktoren stellt sich vor

Warum haben wir uns gegründet?

Den ersten Impuls zur Gründung des Bündnisses bekamen wir bei den Atomtagen 2017. Nach dem Programmpunkt „Wiedereinstieg mit Thorium?“ waren wir uns einig, dass die Verbindung Karlsruhe und Atomforschung in der Öffentlichkeit nicht die Rolle spielt, die seiner Relevanz entspricht. Immerhin war Karlsruhe mit seinen beiden großen Atomforschungseinrichtungen JRC/ITU und dem heutigen KIT Campus Nord seit den späten 1950er Jahren ein Hotspot der Kernenergieforschung.

Gesellschaftliche Bewertung der Atomenergie

In den 60 Jahren seit Gründung der beiden Institutionen hat sich die gesellschaftliche Bewertung der Atomenergie massiv verändert. Anfangs wurde die zivile Nutzung von Kernenergie kritiklos als verheißungsvolle Technologie der Zukunft bejubelt.
Seitdem wurden mit dem Schnellen Brüter und der Wiederaufarbeitung zwei Forschungslinien des Kernforschungszentrums aufgegeben, wir haben Tschernobyl und Fukushima erlebt. Deutschland ist zweimal und hoffentlich endgültig aus der Atomenergie ausgestiegen.

Und KIT Campus Nord und JRC? 

Was hat der Ausstieg bei der Atomforschung bewirkt?
Die offizielle Erzählung des KIT lautet grob vereinfacht:
„Wir haben verstanden, die Erneuerbaren sind die Energie der Zukunft, bei der wir viel zu bieten haben. Allerdings wird beim Rückbau der AKWs und Entsorgung der verschiedenen strahlenden Abfälle und bei Fragen der Sicherheit von Lagern und Atomreaktoren – auch Reaktoren neuer Entwicklungslinien – weiterhin Forschung und Expertise gefragt sein, und beides können wir bieten.“

Sicherheitsforschung zur gesellschaftlichen Akzeptanz?

Dem könnte man zustimmen, wenn nicht beim Stichwort Sicherheitsforschung bei jedem Atomkraftgegner und bei jeder Atomkraftgegnerin die Alarmglocken schrillen würden. Spätestens seit dem Untersuchungsausschuss Gorleben, wo in Bergen von Akten ein sehr erhellendes Strategiepapier aus dem BMU von Anfang der 90er zu finden war, in dem der Bundesregierung empfohlen wird, die Entwicklung neuer Reaktoren nach Tschernobyl unter dem Begriff Sicherheitsforschung laufen zu lassen – der besseren Akzeptanz wegen. Davon abgesehen ist Sicherheitsforschung z.B. an Castoren etwas völlig anderes als Sicherheitsforschung an Reaktortypen in Entwicklung, wo Aspekte der Sicherheit für die kommende Marktreife eine große Rolle spielen und damit diese Marktreife erst ermöglichen.

Verschwörungstheorien aus der Anti-Atom-Echokammer?

Ist es also in Wirklichkeit so, dass die Atomlobbyisten unter den Wissenschaftler*innen der Öffentlichkeit Sand in die Augen streuen, unter dem Deckmantel Sicherheitsforschung an der Weiterentwicklung von Atomreaktoren arbeiten und unversehrt wieder auftauchen, sobald Politik und Kohlelobby die Energiewende an die Wand gefahren haben und man zum Wohl des Klimas wieder auf die – inzwischen weiter entwickelte und viel verträglichere – Kernkraft zurück greift? Oder sind das Verschwörungstheorien aus der Anti-Atom-Echokammer?

Wir sehen es als Kernaufgabe unseres Bündnisses, hier Daten zu sammeln, zu einer fundierten Einschätzung zu gelangen, uns kundig zu machen und die Öffentlichkeit zu informieren. Wir wollen dafür sorgen, dass gerade in Karlsruhe das Thema Atomkraft und Atomforschung in der öffentlichen Diskussion bleibt.


Schwerpunkt unserer Arbeit

Den Schwerpunkt unserer Arbeit legen wir dabei auf die sogenannten Atomreaktoren der 4. Generation, Flüssigsalzreaktoren, die mit dem Brennstoff Thorium arbeiten.
Flüssigsalzreaktoren befinden sich noch im Entwicklungsstadium, werden als besonders sicher bezeichnet und produzieren weniger und kürzer strahlenden Atommüll als z.B. unsere Reaktoren der 2. Generation – in der Beschreibung des Euratom-Forschungsprojekts SAMOFAR (Sicherheitsaspekte von Flüssigsalzreaktoren) , an dem in Karlsruhe JRC und KIT beteiligt sind, fällt das schöne Wort „nachhaltig“.

Hauptgründe

Die beiden wichtigsten Gründe, weshalb wir die Forschung an Flüssigsalzreaktoren breit diskutieren und in Frage stellen wollen:

1. Bei diesen Reaktoren scheint es möglich zu sein, im laufenden Betrieb und relativ einfach waffenfähiges Uran 233 zu gewinnen.
Die Reaktoren könnten also der Weiterverbreitung von Atomwaffen dienen.

2. Hinzu kommt, dass bei Flüssigsalzreaktoren eine kleine modulare und mobile Bauweise möglich ist – extrem schwer zu kontrollieren. 

Beides macht unsere Welt nicht sicherer.

Whistleblower Moormann

Flüssigsalzreaktoren waren auch Thema bei der ersten Veranstaltung des Bündnisses im November 2017, zu der wir Dr. Walter Moormann eingeladen hatten, ehemaliger Mitarbeiter an einem Thorium-Versuchsreaktor in der Kernforschungsanlage Jülich und Träger des Whistleblower-Preises. Er bestätigte nicht nur die Proliferationsgefahr durch Thorium-Reaktoren, sondern zerpflückte auch manche schöne Behauptung in Richtung sparsam, sicher und ohne Müll.

Kooperation mit der Forschung

Weiter haben wir erste Kontakte zu Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Technikfolgenabschätzung und Wissenschaftsethik aufgenommen. Und versucht, die Schulungs- Kooperation des KIT mit der AREVA Professional Business School in Frage zu stellen, mit der ein dritter Atom-Player, der französische Atomkonzern ORANO, in Karlsruhe vertreten ist.


Mitglieder

Mitglied im Karlsruher Bündnis gegen neue Generationen von Atomreaktoren – oder kurz Thorium-Initiative – sind neben zahlreichen Einzelpersonen diese Gruppen:

  • Anti-Atom-Initiative Karlsruhe
  • attac AG Frieden durch Abrüstung
  • BI Müll und Umwelt
  • BUND Mittlerer Oberrhein und Karlsruhe
  • BUZO
  • DFG-VK Karlsruhe
  • DIE LINKE Karlsruhe
  • Initiative gegen Militärforschung an Universitäten
  • Initiativkreis Energie Kraichgau
  • IPPNW e.V. ( Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung) und
  • Sylvia Kotting-Uhl MdB BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN

Bündnistreffen

Es sind sehr unterschiedliche Menschen in der Initiative –Wissenschaftler*innen, gar aus der Kernphysik, und eher politisch engagierte und motivierte Mitglieder, Leute, die sehr viel Zeit und Engagement in ihre Mitarbeit stecken und Leute, die es zeitlich gerade so schaffen, zu lesen, was die anderen recherchiert haben. Das alles könnte unter ungünstigen Umständen auch zu Konflikten führen– doch die Umstände sind meist günstig, und die etwa monatlich statt findenden Bündnistreffen verlaufen produktiv in angenehmerAtmosphäre.


Unterstützung gesucht!

Wir können also mit gutem Gewissen Werbung machen und alle am Thema Atomforschung in Karlsruhe Interessierten herzlich einladen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Es gibt viel zu tun und wir können Unterstützung gut brauchen!

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