Leserbrief zu BNN Artikel, 29.7.2019, Aus der Region, „Wohin mit dem Müll“

von Wolfgang Oberacker

Wie zu lesen ist, tut sich der Landkreis Karlsruhe schwer, den freigemessenen Atommüll, der beim Abriss im Atomkraftwerk AKW Philippsburg und im ehemaligen Kernforschungszentrum, KIT Nord in Leopoldshafen/Linkenheim entsteht, loszuwerden. Es gibt keine geeignete Hausmülldeponie, die dafür ausgelegt wäre, diesen sehr speziellen radioaktiven Müll, der laut Regierung vollkommen harmlos sein soll, aufzunehmen.

Abgesehen davon, dass der Müll z.B. Plutonium und andere künstliche radioaktive Strahler, die aus AKW Betrieb stammen und krebserregend sind, beinhaltet, spricht der Gesetzgeber von Mengen, die unterhalb der vom Staat und Betreiber festgelegten Grenzwerte sind. Radioaktive Strahlenbelastungen bis 10 Microsievert (10 μSv) gelten per Definition als unschädlich, hat die Politik festgelegt um den Betreibern den Abriss möglichst kostengünstig auf Hausmülldeponien, Wertstoffhöfen, im Straßenbau und im Recycling zu ermöglichen – „Nachtigall ick hör dir trapsen“ oder „ein Schelm der Böses dabei denkt“? Aber die Wissenschaft ist sich einig: Es gibt keine Grenzwerte unter denen Radioaktivität ungefährlich ist.

Irgendwie glauben die Verantwortlichen immer noch daran, dass der Bürger doch nicht mündig ist, dass man ihm ein „X für ein U“ vormachen kann – weit gefehlt. Auch vorbei sind die Zeiten, in denen ein Landrat den Müll einem anderen Landkreis seiner ehemaligen Deponie-Arbeitsstätte von der Öffentlichkeit unbemerkt unterjubeln kann. In der gesamten Republik wehren sich Bürger, Gemeinde- und Kreisräte, Bürgermeister und Landräte gegen die Verharmlosung der Gefahr die auch von geringer künstlicher Radioaktivität aus dem Abriss von AKWs und Forschungsstätten für Mensch, Tier, Pflanze, Boden, Wasser, Luft ausgeht. Private Deponiebetreiber lehnen bundesweit die Annahme dieser giftigen Stoffe selbst gegen Bares vehement ab. Es bilden sich allenortens Bürgerinitiativen in Deponienähe, und selbst die Landesärztekammer und der Deutsche Ärztetag, BUND und viele andere weitblickende Organisationen wehren sich dagegen den Atommüll den kommenden Generationen unkontrolliert zu überlassen – und das mit Recht.

Allen, außer den Betreibern und  dem Gesetzgeber, ist klar, wie denn eine Lösung des Problems aussehen könnte, denn: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“! Diese „gering radioaktiv“ verseuchten Stoffe sollten unter Atomaufsicht und am besten auf dem AKW-Gelände bleiben. Den nächsten Generationen zuliebe, auch wenn wir dafür etwas tiefer in die Tasche greifen müssten. Es wären auch keine Überlandtransorte notwendig, und die Arbeiten beim Abriss wären wesentlich ungefährlicher für die Menschen. Eine abschließbare Halle würde reichen, um zu verhindern, dass Radioaktivität in die Luft, ins Erdreich oder ins Grundwasser gelangen könnte. Diese Gebäude gibt es auf den Werksgeländen schon oder könnten leicht errichtet werden.

Noch anfügen möchte ich, dass in der letzte Woche die vom Umweltministerium veröffentlichte Abfallbilanz für BaWü auf 123 Seiten das Thema radioaktiver Freimessmüll aus AKW Abriss überhaupt keine Erwähnung findet und der Landkreis Karlsruhe vom Umweltminister Untersteller offensichtlich im Stich gelassen wird.

Downloadlink zur Abfallbilanz:
http://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-um/intern/Dateien/Dokumente/2_Presse_und_Service/Publikationen/Umwelt/Abfallbilanz_2018.pdf

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