Thorium – Atomkraft ohne Risiko?

Flugblatt Oktober 2018
von AKW-NEE-Gruppe Aachen und
Karlsruher Bündnis gegen neue Atomreaktoren

Die Thorium Energy World Conference 29-31 October 2018, Brussels, RoyalBelgian Institute of Natural Sciences  möchte die Welt mit neuen Atomreaktoren beglücken.

Aber: Thoriumreaktoren können einerseits Strom erzeugen 
und sind doch so gefährlich wie die Hiroshima Bombe.  

(siehe Bild)

Wir stellen uns klar dagegen und wollen nicht,
dass in der EU weitere neue Atomreaktorsystemeentwickelt werden!

Bei dem im Programm der Thorium-Konferenz 2018 in Brüssel angekündigten Film „The far side of Nuclear“handelt es sich um die englische Version des im deutschen öffentlichen Fernsehen und bei arte mehrfach gezeigten Films „Thorium – Atomkraft, ohne Risiko“. In dem Film wird laut eigener Aussage erörtert, „warum Kernkraft aus Thorium 1945 eine technologische Totgeburt war und warum es plötzlich doch der Brennstoff der Zukunft sein soll“. Nur zu den Risiken dieser Technologie wird im Film kein Wort gesagt, auch wenn der deutsche Titel dies verspricht. Dieser höchst umstrittene, parteiische Werbefilm wurde im Auftrag des NDR mit Unterstützung durch arte 2016 produziert.

Hier werden wir die Risiken benennen: Forschung und Entwicklung zu Flüssigsalzreaktoren (MSR: Molten Salt 
Reactor) sind Gegenstand der internationalen Thorium Energy 

Conference. Sie zählen zu den Reaktoren der kommenden 4. Generation und werden mit geschmolzenen Thoriumsalzen (um 700°C) betrieben.

•  DieProliferationsgefahr steigt extrem
(Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen) 

Thorium selbst ist kein Spaltstoff, aber es lässt sich daraus atomwaffenfähiges Material (Uran-233) erbrüten. Die MSRs sehen eine integrierte Wiederaufarbeitungsanlage vor, um störende Nuklide und Spaltprodukte zu entfernen, bevor der Kernbrennstoff zusammen mit dem Thorium zurück in den Brenn-stoffkreislauf kommt. Die Möglichkeit, bei diesem Prozess waffenfähiges Uran-233 „abzuzweigen“, ist gegeben. Damit ist die Proliferationsgefahr sehr hoch. Die Entwicklung kleiner modularer Thorium-reaktoren (SMR: Small Modular Reactor), die in hohen Stückzahlen gebaut und weltweit vertrieben werden sollen, potenziert diese Gefahr. Die Internationale Atomenergie-Organisation IAEO unterstützt Forschung und Entwicklung dieser Reaktoren, deren Betrieb und Standort kaum zu kontrollieren sind. Insbesondere die Förderung der zivilen Atomenergienutzung für Schwellenstaaten und Entwicklungsländer mit Hilfe dieser Technologie steht im Focus der IAEO. Viele kleine Anlagen erhöhen jedoch die Gefahr, dass radioaktives Material in fremde Hände kommt. Man bedenke auch das Risiko eines Unfalls, wenn tausende Mini-Reaktoren, mit einer Laufzeit von 3 bis 5 Jahren, über Straßen und Flüsse transportiert, weltweit durch den Hersteller entsorgt und ersetzt werden müssen. Auch die EU-Kommission will den Bau von weiteren Atomreaktoren vorantreiben. Außerdem sollen neue SMRs entwickelt werden. Spätestens 2030 soll ein SMR in Europa im Einsatz sein.

•  Wirtschaflich machen Forschung, Entwicklung, Bau und Betrieb
   neuer Atomreaktoren keinenSinn, auch die neuen SMRs sind 
   nicht rentabel

Nach Expertenmeinung ist der Markt für SMRs zu klein, um lebensfähig zu sein. Es gibt einfach nicht genug abgelegene Gemeinwesen als Stromkunden mit ausreichender Kaufkraft, um die Herstellung von SMRs zu Tausenden als Massenprodukt finanziell zu stemmen!

Atomkraft: ein „wirtschaftlich und technisch unnützer Wahnsinn“, dies äußerte der ehemalige französische Umweltminister Nicolas 
Hulot bei seinem Abschied

Atomenergie ist nicht CO2-frei und kann das Klima nicht retten

Der Betrieb von Uranerzminen und Urananreicherungsanlagen, der Transport von Atommüll und nicht zuletzt der Bau und Abriss von AKWs und die Entsorgung verursachen CO2-Emissionen, Umweltschäden und gefährden die Gesundheit der Arbeiter*innen.
Die AKWs werden nicht rentabel arbeiten und eher einen 
nachteiligen Einfuss auf den Klimaschutz haben, da sie die 

erneuerbaren Energien verdrängen!

Der Machtanspruch der Atommächte beruht auf zivilen Reaktoren

Der enge Zusammenhang zwischen der zivilen Nuklearindustrie und der 
Fähigkeit des Militärs, sein Atomwaffenpotential aufrechtzuerhalten, wird 
in einem Bericht von Experten aus dem Umfeld des Pentagons dargelegt: „Tritum, ein wesentlicher Bestandteil von Kernwaffen, wird in 
zivilen Reaktoren für denmilitärischen Einsatz hergestellt, und 
zivile Reaktoren werden für die Herstellung von hochan-
gereichertem Uran und Plutonium zum Bau von Atombomben 
benötigt“.

Außerdem wird für den Betrieb und die Konstrukton von militärischenReaktoren eine kerntechnisch ausgebildete und geschulte Belegschaft benötigt, die der zivile Bereich kostengünstig liefern soll.

Forschung zur 4. Generation in Karlsruhe und Mol (Belgien)

Eine Reihe von Instituten im Karlsruher Institut für Technologie (KIT), sowie insbesondere Institute des Joint Research Center (JRC-Dir G) der Europäischen Union, arbeiten zum Thema MSR. Das belgische Kernforschungszentrum (SCK-CEN) arbeitet an der Planung zum Bau einer multifunktionalen Forschungsanlage MYRRHA im belgischen Mol. MYRRHA dient auch zur Entwicklung von Materialien und Brennstoffen für Reaktoren, die mit Thorium arbeiten sollen.

•   Braunkohle plus Atom, ein verheerendes Signal

Zahlreiche Initiativen und Verbände kritisierten schon im Januar 2018 das Ergebnis der Sondierungsgespräche der Gro-Ko scharf: „Das Thema Klimaschutz wurde an eine Kommission ausgelagert, die Atomkraft ganz ausgeklammert. Weder gibt es eine schnellere Abschaltung der noch laufenden Atomkraftwerke noch eine Vereinbarung zur längst überfälligen Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau und der Brennelementefabrik in Lingen.“

Besonders enttäuscht sind die Verbände und Initiativen von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)und dem ehemaligen SPD-Chef Martin Schulz. Laschet hatte im vergangenen Jahr mehrfach ein Aus für die Brennelementeexporte von Lingen ins belgische Tihange gefordert. Davon war bei den Sondierungsgesprächen nichts mehr zu hören. Stattdessen bot Laschet vor Weihnachten ausgerechnet dreckige deutsche Braunkohle als Ersatz für die belgischen AKWs an. Schulz hingegen tut so, als wenn das deutsch-belgische Atomproblem gar nicht existiert. „Damit sind die Aufgaben der „Kohlekommission“ fest umrissen. „Die Politik der Bundesregierung dient der Schaffung von Vollbeschäftigung und gleichwertigen Lebensverhältnissen in ganz Deutschland“, lautet der erste Satz des Dokuments, in dem die Kommission, die Deutschland den Weg aus der Kohleverstromung weisen soll, ihre Aufgaben definiert. Von Klimaschutz steht dort kein Wort.

Anstatt zivilmilitärischer Atomforschung fordern wir Forschungsgelder für die Weiterentwicklung der Erneuerbaren Energieen, der Speichertechnologieen , der Energieeffizienz- und Energiespartechnologieen!

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