40. Jahrestag der Atomkatastophe Tschernobyl

Rede der Anti-Atom-Ini KA am 25.04.26 am KA Hbf

Silke Gilliard: Teil 1. Die Katastrophe

Am 26. April 1986 ereignete sich im Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine der bisher schwerste Atomunfall in der Geschichte der sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenergie.
Unfallhergang: Das Atomkraftwerk Tschernobyl gehörte zu einem Reaktortyp, der ausschließlich in der ehemaligen Sowjetunion gebaut wurde. Während eines planmäßigen langsamen Abschaltens und eines gleichzeitigen Versuchsprogramms zur Überprüfung verschiedener Sicherheitseigenschaften der Anlage, kam es zu einer unkontrollierten atomaren Kettenreaktion. Dies führte zu einer Explosion des Reaktors, die das rund 1.000 Tonnen schwere Dach des Reaktorbehälters anhob. Mangels eines Beton- und Stahlschutzes lag der Reaktorkern infolge der heftigen Explosion frei, so dass radioaktive Stoffe aus dem Reaktor ungehindert in die Atmosphäre gelangten.

Das im Reaktor verwendete Graphit brannte. Bei den Lösch- und Aufräumarbeiten wurden viele Beschäftigte des Reaktors, Feuerwehrleute sowie als „Liquidatoren“ bekannte Rettungs- und Aufräumkräfte einer extrem hohen Strahlenbelastung ausgesetzt. Viele von ihnen starben nach vielen Jahren.

Die Freisetzungen radioaktiver Stoffe konnten erst nach 10 Tagen durch den Abwurf von ca. 5.000 Tonnen Sand, Lehm, Blei und Bor aus Militärhubschraubern auf die Reaktoranlage und das Einblasen von Stickstoff zur Kühlung des geschmolzenen Kernbereichs beendet werden.

In den Jahren 1986 und 1987 waren über 240.000 Personen als Liquidatoren innerhalb einer 30-KilometerSperrzone rund um den havarierten Reaktor eingesetzt. Weitere Aufräumarbeiten wurden bis etwa 1990 durchgeführt. Insgesamt waren etwa 600.000 Liquidatoren für den Einsatz registriert.

Anete Wellhöfer: Teil 2: Die Folgen

In diesem Beitrag sage ich etwas zu den Folgen, also zu der radioaktiven Ausbreitung im Umkreis der Atomanlage Tschernobyl und über ganz Europa:

Aufgrund der Explosion gelangten vom 26. April bis zum 6. Mai 1986 in erheblichem Maße radioaktive Stoffe in die Umwelt. Durch den 10 Tage anhaltenden Reaktorbrand entstand eine enorme Hitze. Mit dem thermischen Auftrieb gelangten tagelang große Mengen radioaktiver Stoffe durch das zerstörte Dach der Reaktorhalle in Höhen von vielen Tausenden Metern. Verschiedene Luftströmungen, also Winde, verteilten die radioaktiven Stoffe über weite Teile Europas. Sie verseuchten radioaktiv große Teile Europas. Wolken brachten eine der radioaktiven Wolken am 1. Mai 1986 auch nach Süddeutschland und damit auch nach Karlsruhe.

Freigesetzt wurden viele radioaktive Edelgase, wie etwa Xenon-133, leicht flüchtige Stoffe wie radioaktives Jod, Tellur und radioaktives Cäsium, die sich mit dem Wind weit über die Nordhalbkugel, insbesondere über Europa, verteilten. Darunter waren aber auch schwere radioaktive Nuklide wie Strontium und Plutonium, die sich vor allem in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern um den Unfallreaktor Tschernobyl in der Ukraine und in den angrenzenden Gebieten von Belarus ablagerten.
Aufgrund ihrer vergleichsweise kurzen Halbwertszeiten waren radioaktives Jod und Xenon-133 drei Monate nach dem Unfall praktisch aus der Umwelt verschwunden.
Cäsium-137 und Strontium-90 haben dagegen eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren und kontaminieren die Umwelt deutlich länger:

40 Jahre nach dem Atomreaktorunfall in Tschernobyl hat sich die Aktivität dieser radioaktiven Stoffe etwa halbiert. Plutonium-239 und Plutonium-240 haben mehrere Tausend Jahre Halbwertszeit – diese vor allem in der näheren Umgebung des Unfallreaktors vorzufindenden radioaktiven Stoffe sind bis heute praktisch nicht zerfallen, ihre Aktivitäten sind etwa so hoch wie 1986.

Am 1. Mai 1986 trafen die radioaktiven Luftmassen des Reaktorunfalls von Tschernobyl in Deutschland ein.
Aufgrund heftiger lokaler Niederschläge im Süden Deutschlands, wurde Süddeutschland deutlich höher belastet als Norddeutschland. Die radioaktiven Stoffe lagerten sich unter anderem in Wäldern, auf Feldern und Wiesen ab, auch auf erntereifem Gemüse und Weideflächen. Radieschen und frischer Salat durften nicht mehr gegessen werden, ebenso Milchprodukte. Noch heute müssen in Bayern geschossene Wildschweine getestet werden.

Der 40. Jahrestag des Super-GAUs in Tschernobyl, soll uns Anlass sein der Opfer zu gedenken und die Erinnerung an die Atomkatastrophe wachzuhalten. Die Folgen von Atomkatastrophen und im Besondere die von Tschernobyl, halten bis heute an.
Wir mahnen, dass Atomenergie eine Hochrisikotechnologie ist die an Ländergrenzen nicht halt macht. Tschernobyl steht symbolisch für die Unbeherrschbarkeit der Atomenergie.

Harry Block: Teil 3: Die Folgen Vorort und in KA

Ich berichte Ihnen, wie die Menschen vor Ort, also in der Ukraine betroffen waren:
Am Tag nach dem Unfall wurde die Stadt Prypjat evakuiert, sie ist bis heute nicht bewohnt. Das Gebiet in einem Radius von 30 Kilometern rund um das Kernkraftwerk Tschornobyl (russ.: Tschernobyl) wurde anschließend zum Schutz der Bevölkerung vor hoher Strahlung zur Sperrzone.

Die Orte innerhalb der Sperrzone wurden evakuiert und aufgegeben – betroffen davon waren 1986 neben Prypjat auch Tschornobyl, Kopatschi und weitere Ortschaften. Die Sperrzone wurde später anhand der Höhe der Kontamination räumlich angepasst. Insgesamt wurden mehrere 100.000 Personen umgesiedelt – zwangsweise oder aus eigenem Antrieb.

Die größte Belastung der Bevölkerung ist die Belastung der Schilddrüse mit radioaktivem Jod. Die Zahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen stieg nach 1986 in der Bevölkerung von Weißrussland, der Ukraine und den vier am stärksten betroffenen Regionen Russlands deutlich an. Dies ist zum größten Teil auf die Belastung mit radioaktivem Jod innerhalb der ersten Monate nach dem Unfall zurückzuführen.

Das radioaktive Jod wurde vor allem durch den Verzehr von Milch von Kühen aufgenommen, die zuvor kontaminiertes Weidegras gefressen hatten. Dies gilt als Hauptursache für die hohe Rate an Schilddrüsenkrebs bei Kindern. Radioaktives Jod wurde außerdem durch weitere kontaminierte Nahrung sowie durch Inhalation mit der Luft aufgenommen. Nach Aufnahme in den Körper reichert es sich in der Schilddrüse an.

Wird genau zum richtigen Zeitpunkt nicht-radioaktives Jod in Form einer hochdosierten Tablette aufgenommen, kann verhindert werden, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert (sogenannte Jodblockade). Entsprechende Informationen der zuständigen Behörden gab es in den betroffenen Staaten der ehemaligen SowjetUnion für die Bevölkerung, insbesondere in ländlichen Gebieten, jedoch nicht – auch nicht darüber, dass potenziell betroffene Lebensmittel, insbesondere Milch, nicht oder nur eingeschränkt verzehrt werden sollte. Dazu kam, dass die betroffene Bevölkerung oft keine Alternativprodukte zur Nahrungsaufnahme zur Verfügung hatte.

Die Katastrophe erreichte am 1. Mai 1986 Deutschland. Am 1. Mai gegen 13 Uhr fiel der radioaktive Regen auf die Region Karlsruhe.

Das Reaktorunglück trifft Ost und West gleichermaßen unvorbereitet. Auch in der Bundesrepublik gibt es keinen Notfallplan, keine gesetzlichen Vorgaben für Grenzwerte, keine offiziellen Empfehlungen, welche Maßnahmen zu treffen sind. Dass eine Katastrophe wie diese eintreten könnte, hatte man schlichtweg nicht für möglich gehalten – oder halten wollen.

In den folgenden Tagen stiegen die Strahlenwerte in manchen Regionen auf alarmierend hohe Werte. Besonders betroffen waren Teile Süddeutschlands –dort wuschen heftige Regenfälle die radioaktiven Stoffe aus der Atmosphäre aus.

Auch die Empfehlungen, wie sich die Bevölkerung angesichts der Strahlung verhalten sollte, variieren. In den Medien wurde vielfach das Einnehmen von Jod-Tabletten empfohlen, was dazu führte, dass diese innerhalb weniger Tage in den Apotheken ausverkauft waren. Die Stadt Hamburg riet ihren Bürgern, bei Regen nicht nach draußen zu gehen. Niedersachsen empfahl Kleingärtnern, die oberste Bodenschicht in ihren Beeten abzutragen. Bauern sollten ihre Kühe von der Weide holen und Blattgemüse unterpflügen. Behörden empfahlen, Kinder nach dem Spielen im Freien abzuduschen, Klassenfahrten in die DDR oder in Ostblockländer wurden abgesagt.

Die Bundesregierung dagegen erklärte mit Berufung auf die Strahlenschutzkommission, dass das Spielen und Sporttreiben im Freien unbedenklich sei. Eine Auffassung, die wiederum manche Politiker und Wissenschaftler als verharmlosend und fahrlässig kritisierten. Die vielen unterschiedlichen Empfehlungen und Anweisungen trugen maßgeblich dazu bei, die Bevölkerung zu verunsichern. Dosengemüse und H-Milch statt Frischprodukte

Auch die Berichterstattung in den Medien, die plötzlich voll war mit Begriffen wie Becquerel, Millisievert, Caesium-137 und Jod-131, trug zur Verunsicherung bei. So titelte die TAZ am 2. Mai 1986: „Misstraut den Offiziellen – auch wir können gefährdet sein“. Auf die zunehmende Verwirrung reagierte die Bundesregierung mit einer Anordnung, nach der sich die Bundesländer an die Empfehlungen der Strahlenschutzkommission zu halten hätten – woraufhin viele Bürger auf Frischmilch und -gemüse lieber ganz verzichteten und stattdessen zu H-Milch und Dosengemüse griffen.

In der DDR gab es keinerlei Mahnungen.

In Deutschland gilt für Lebensmittel der Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm, bei Milchprodukten und Babynahrung sind es 370. Becquerel ist die Maßeinheit für den Zerfall von Atomkernen pro Sekunde. Zum Vergleich: Der Verzehr von einem halben Kilo Wildschweinfleisch mit 600 Becquerel würde die natürliche Strahlenbelastung, der ein Mensch in einem Jahr ausgesetzt ist, so erhöhen wie durch eine Röntgenuntersuchung oder einen Langstreckenflug.

Durch die Pilze ist auch das bayerische Wild weiterhin belastet. Frei lebende Wildschweine wühlen gerne in der oberen Waldbodenschicht und suchen nach Leckerbissen. Auf ihrem Speiseplan stehen Hirschtrüffel, die besonders stark mit Cäsium-137 belastet sein können. Bei jedem geschossenen Wildschwein muss daher geprüft werden, ob das Fleisch unbedenklich ist, bevor es in den Handel kommen darf. Es sind immer noch Wildschweine so radioaktiv belastet, dass sie nicht verzehrt werden dürfen.

Anete Wellhöfer: Teil 4: Die Schutzhülle

Im folgenden Beitrag spreche ich über die Schutzhülle den sogenannten Sarkophag in Tschernobyl. Um die im zerstörten Atomreaktor befindlichen radioaktiven Stoffe einigermaßen sicher einzuschließen und weitere Freisetzungen radioaktiver Stoffe in die Umgebung zu begrenzen, wurde von Mai bis Oktober 1986 eine als „Sarkophag“ bekannte Konstruktion aus Beton und Stahl um und über den zerstörten Reaktor errichtet. Wegen der Dringlichkeit blieb keine Zeit für eine detaillierte Planung. Die Schutzhülle war nach wenigen Jahren defekt.

2016 wurde mit internationaler Unterstützung eine etwa 110 Meter hohe Schutzhülle – das „New Safe Confinement“ – über den ursprünglichen Sarkophag in Tschernobyl geschoben und 2019 betriebsbereit in die Verantwortung der Ukraine übergeben. Die Schutzhülle ist rund 165 Meter lang und besitzt eine Spannweite von ungefähr 260 Metern; ihre projektierte Lebensdauer beträgt 100 Jahre. Der Rückbau des alten Sarkophags sowie die Bergung und sichere Endlagerung des darin enthaltenen radioaktiven Materials stehen an.

Heute, 2026, ist Tschernobyl nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch Teil eines aktuellen militärischen Konflikts. Im Februar 2022, zu Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, besetzten russische Truppen das Gebiet des Atomkraftwerks Tschernobyl. Nach Angaben der Internationalen Atomenergieagentur IAEA und ukrainischer Behörden, gruben sich russische Soldaten in der besonders stark kontaminierten „Roten Zone“ ein – ohne ausreichenden Schutz. Der Verdacht: Die russischen Besatzer wussten nichts von der Strahlengefahr oder ignorierten sie. Nach rund fünf Wochen zogen sich die Truppen wieder zurück, offenbar mit ersten Krankheitsfällen unter den Soldaten.

Am 14. Februar 2025 schlug eine russische Drohne in die Schutzhülle ein, den sogenannten Sarkophag, des zerstörten Reaktors 4 im AKW Tschernobyl. Ein Sprengkopf verursachte ein über 15 Quadratmeter großes Loch und einen Schwelbrand. Der Drohneneinschlag beschädigte die Außen- und Innenwand der Schutzhülle, was zu einem Brand führte und die primäre Sicherheit des Einschlusses gefährdet. Die notwendige Druckdifferenz zwischen den Wänden konnte nicht mehr aufrechterhalten werden.

Die IAEA fordert eine umfassende Sanierung, da die Möglichkeit besteht, dass Radioaktivität austritt.Die Ukraine sagt, solange der Krieg anhält können sie nicht reparieren. Die Reparatur wird immense Kosten verursachen.

Was sollten wir daraus lernen. Atomkraftwerke, aber ebenso die 16 Zwischenlager in Deutschland sind tickende Zeitbomben und können mit Drohnen angegriffen werden.
Tschernobyl ist und bleibt eine Mahnung. Die Lehre von der Tschernobyl Atomkatastrophe 1986 ist heute aktueller denn je: Atomkraft kennt keine Grenzen – weder technisch, noch politisch, noch geografisch. Deshalb gibt es nur eine Forderung, weltweit alle AKWs abschalten und Kriege verhindern anstatt sie zu befeuern.

Harry Block: Teil 5: Aktuelle Lage

In Deutschland wird nach dem Atomausstieg 2023 über eine Wiederbelebung der Atomkraft debattiert.

– Die AfD fordert nach wie vor die Wiederinbetriebnahme der letzten stillgelegten Atomkraftwerke, obwohl bei einigen die Kühltürme schon gesprengt sind und der Abriss im Innern schon längst begonnen hat.

– Markus Söder (CSU) fordert ein Pilotprojekt für Mini-AKWs, die sogenannten small modula reactors (SMR), um die Versorgungssicherheit durch Kernenergie 2.0 zu erhöhen.

– EU-Kommissionspräsidentin und der Kanzler Merz halten den Ausstiegsbeschluss für falsch.

– Von der Leyen und die Europäische Union fördern den Ausbau von SMR mit 200 Millionen Euro.

– Gleichzeitig beginnt eine Diskussion um den Einstieg in die Fusionsforschung.

Die Technologie der kleinen modularen Reaktoren (SMR) gilt für die CSU als Hoffnungsträger. Diese Technik ist jedoch bisher kaum erprobt und besteht hauptsächlich aus Planzeichnungen. Ein Projekt in den USA wurde aus finanziellen Gründen eingestellt.

Auch wenn immer wieder eine „Renaissance“ der Atomkraft herbeigeredet wird: Die Fakten sprechen gegen Atomkraft. Denn sie ist und bleibt unsicher, unzuverlässig, gefährlich, dreckig und teuer. Punkt. Aus.

Vor einem Jahr verkündete das US-Energieministerium einen historischen Durchbruch: Erstmals gelang in einem Reaktor eine Kernfusion. Eine genauere Betrachtung zeigt, die Ergebnisse eignen sich nicht zur Stromerzeugung.

Die 3,5 Milliarden Dollar teure Anlage im kalifornischen Lawrence Livermore National Laboratory lieferte am 5. Dezember 2022 tatsächlich für einen ganz kurzen Augenblick 0,9 Kilowattstunden Energie. Eine Brennstoffkapsel mit den Wasserstoff-Isotopen Deuterium und Tritium wurde dabei so stark komprimiert und erhitzt, dass eine Kernfusion stattfand. Hauptsächlich trat der Energieüberschuss in Form von schnellen Neutronen auf – die sind zur Stromerzeugung allerdings überhaupt nicht nutzbar. Um diese Ausbeute zu erreichen, mussten die Forscher:innen das Hundertfache an elektrischer Energie in die Anlage stecken – der Energiegewinn war also rein theoretischer Natur. Das Experiment an sich hat minimalst Energie geliefert, der Versuchsaufbau deutlich mehr gekostet.

Kernfusion ist Jahrzehnte von Marktreife entfernt. Deshalb halte ich den ’neuen Hype‘ um die Kernfusion für unrealistisch. Es wird massiv Geld in eine Technologie gesteckt, die der Gesellschaft wenig Nutzen bringen wird und auch nicht zur laufenden Energiewende beiträgt. Die von der Bundesregierung bereitgestellte Milliarde Euro für die Fusionsforschung wäre im Zubau von erneuerbaren Energien sinnvoller investiert.

40. Jahrestag der Atomkatastophe von Tschernobyl

Redebeitrag von Gesundheit statt Profite bei der Kundgebung am 25.04.26 am KA Hbf

Vertuscht und verharmlost

Tschernobyl steht wie Fukushima für eine der größten und verheerendsten zivilen Atomunfälle. Die radioaktive Wolke zog um die ganze Erde und macht Millionen von Menschen über Nacht zu Opfer.

Nach rund 70 Jahren „friedlicher Nutzung „der Kernenergie in großtechnischen Anlagen gehören geschmolzene Reaktorkerne, unbewohnbare Gebiet, radioaktive Wolken, verseuchter Atommüll, für den es immer noch keine adäquate Entsorgungsmöglichkeit gibt und vermutlich auch nie geben wird und eine unbekannte Zahl von Toten zur Bilanz.

Zu dieser Bilanz gehört auch der Versuch der verantwortlichen Politiker und Organisationen, das Ausmaß der wahren Folgen der bisherigen Atomunfälle zu verheimlichen oder zu bagatellisieren.

Die Folgen der Verstrahlung sind Frühaborte, Fehl- und Frühgeburten, Fehlbildungen, Chromosomenaberrationen, Leukämie, Lymphome und solide Tumoren und weitere strahleninduzierte Pathologien, beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems.

Dennoch wurde und wird über das Ausmaß der Verseuchung, die Hilfslosigkeit der Helfer und auch über die gewaltigen Kosten, die nicht die Atomindustrie, sondern vor allem die Staaten tragen, geschwiegen.

Die IAEO als internationale Atomenergiebehörde ist da ein unrühmliches Beispiel. Sie steht für die Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen, die Aufdeckung der gesundheitlichen und ökologischen Folgen von Atomkatastrophen steht nicht in ihrem Fokus.

So legte die IAEO am 20ten Jahrestag von Tschernobyl einen Bericht mit offensichtlich unzureichenden Angaben zur Strahlenbelastung, zur Größe der betroffenen Personengruppe und zum Zeitraum der erhöhten Strahlenbelastung mit ihren Folgen vor.

Dabei gibt es dazu ganz konkrete Zahlen:

  • In der unmittelbaren Umgebung des havarierten Kraftwerks arbeiteten in den Wochen und Monaten nach dem Super-GAU mehr als 800 000 Aufräum- und Katastrophenarbeiter, die sogenannten Liquidatoren. Sie erhielten die größte Strahlendosis und erlitten die schwerwiegendsten gesundheitlichen Schäden.
  • Ungefähr 8,3 Millionen Bürger und Bürgerinnen der Ukraine, Weißrusslands und Russlands wurden großen Mengen radioaktiven Niederschlags ausgesetzt.
  • schätzungsweise 500 Millionen Menschen in ganz Europa wurden mit geringeren Strahlendosen belastet.
  • Auch in Deutschland kamen so Millionen von Menschen jenseits medizinischer Behandlungen in Kontakt mit radioaktiven Isotopen wie Jod-131 oder Cäsium-137 und nahmen sie mit der Atemluft, kontaminierter Nahrung, Milch und Trinkwasser in den Körper auf. Bis heute werden gesundheitsschädigende Mengen radioaktiven Cäsiums in bayerischem Wild und Waldfrüchten gefunden.

Das Zitat von Hans Blix, von 1981 bis 1997 Direktor der IAEO

„Angesichts der Wichtigkeit der Kernenergie könnte die Welt einen Unfall vom Ausmaß Tschernobyl pro Jahr ertragen“

spiegelt die Haltung der Atomwirtschaft und ihren verantwortlichen Politikern wider.

Zum Jahrestag von Tschernobyl gehört auch die Erinnerung, wer damals sofort und umfassend geholfen hat. Kuba hat damals Tausende von verstrahlten Kindern und Jugendliche aufgenommen und behandelt. Dasselbe Kuba, das jetzt auf der Abschussliste des Mörders im Weißen Haus steht.

Das Wissen über Radioaktive Strahlung und ihre Folgen auf die Gesundheit von Menschen und Natur sind heute überaus relevant, besonders vor dem Hintergrund der EU-Politik, die Milliarden an Fördergeldern in Atomprojekte fließen lassen will.

  • Frau von der Leyen befürwortet bspw. die Entwicklung sog. Minireaktoren
  • Die EU und ganz vorne Deutschland planen die Entwicklung europäischer Atomwaffen
  • Noch 2026 ist die Aufstellung amerik. Mittelstreckenraketen, die atomar bewaffnet/ bestückt werden können, in Deutschland geplant.

Nehmen wir diesen 40.ten Jahrestag zum Anlass NEIN zu sagen. Nein zum europ. Atomprogramm. Nein zur Militarisierung und Aufrüstung. Nein zur Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland.

Prävention bedeutet für uns Beschäftigte im Gesundheitswesen, dass wir verhindern müssen, was wir nicht heilen können!

40. Jahrestag der Atomkatastophe Tschernobyl

Rede vom KA Friedensbündnis bei der Kundgebung am 25.04.26 am KA Hbf

Rede gegen Atomwaffen

Vor vierzig Jahren passierte die Katastrophe in Tschernobyl.
Heute werden im Iran, in der Ukraine, in Russland Atomkraftwerke bombardiert, werden von den Kriegstreibern der Welt als legitime Ziele definiert. Erst einmal ist das ein verachtenswerter Angriff auf zivile Infrastruktur, denn jeder Tag ohne Strom
bedeutet für Millionen Menschen, dass ihre Häuser dunkel und unbeheizt sind, dass ihre
Lebensmittel in Kühlhäusern und Kühlschränken vergammeln, dass das moderne Leben zu einem halt kommt. Auf längere Sicht führen Angriffe auf Kraftwerke also zu humanitären Katastrophen, sie haben das Ziel, Menschen zu erdrosseln und zu brechen. Diese Taktik sehen wir in immer mehr der großflächigen Kriege dieses Jahrhunderts, immer auf die
Infrastruktur, immer möglichst viele Menschen treffen, totaler Krieg.

Doch bei der Bombardierung eines Atomkraftwerkes kommt natürlich noch dazu, dass es nukleare Kriegsführung ist: Jeder Angriff auf ein Atomkraftwerk nimmt Schäden am Reaktor, nimmt Austritt radioaktiven Materials, nimmt eine Kernschmelze in Kauf. Alles Schäden, die wieder die Bevölkerung besonders betreffen würden. Die Kriegstreiber setzen auch darauf, dass diese Schäden wegen der unübersichtlichen Situation
nicht repariert werden können.

Wir sehen es an den gezielten Infrastrukturbombardierungen durch die USA, an Israels offener Besatzung in Palästina und dem Libanon, wir sehen es bei den gegenseitigen Öl Blockaden vor dem Iran, wir sehen es an den Massakern in der Ukraine und am laufenden Völkermord in Sudan, überall sind Zivilist:innen und zivile Gesellschaft die Hauptziele der Kriegsführung. In diesem Licht müssen wir auch die erneut in Mode gekommenen Drohungen mit nuklearem Krieg betrachten.

Trump tweetet vom Tod ganzer Zivilisationen, Putin spricht von taktischem Atomwaffeneinsatz, Merz und Co. fordern einen Atomschirm für Europa, und laut eines indischen Diplomaten bereiten sich die Vereinten Nationen auf einen Atomschlag gegen Teheran vor. Viele hier kennen die Zahlen, andere nicht:
Über 12000 Atomwaffen gibt es weltweit, ca. 5500 davon bei Staaten der NATO.
Es gibt 9 bekannte Atommächte weltweit.
Es gibt 9 Oberbefehlshaber, die den Erstschlag entscheiden könnten.
3900 Atomwaffen werden jederzeit abschussbereit gehalten, ihre Ziele sind bereits ausgewählt.
Viele dieser Waffen sind an Computer gekoppelt, die allein im Fall einer gegnerischen
Abschusswarnung automatisch feuern.

Auch heute reichen die Atomwaffen aus, um jeden Menschen auf der Erde etliche Male
umzubringen. Durch die Pläne der EU, überall französische Atomwaffen zu stationieren, würde Frankreich weiter aufrüsten. Auch andere Staaten wie Finnland suchen nach Wegen, ein Atomwaffenarsenal aufzubauen, Deutschland hätte diese Kapazitäten bereits. Regionale Wettrüsten wären die Folge. Stationieren, drohen, nachrüsten, das wirkt alles wie ein großes Spiel. In diesem „Spiel“, so nennen es Politiker und Analytiker euphemistisch, ein Spiel mit dem Leben von Milliarden, geht es immer um die Erpressung der Machthabenden mit dem Leid ungezählter Menschen.

Seit wann kümmern sich die Machthaber um ihre Untertanen? Wenn sie das täten, hätten wir dann in allen Atommächten Obdachlosigkeit, Hungertote, Elendsviertel? Niemand kann das Spiel gewinnen! Durch ihr Spiel werden wir zu Zielen. Jede Stadt, die eine Atomrakete stationiert, wird zum Ziel eines Erstschlages, jede Stadt, in der ein Atomkraftwerk steht, könnte schon deshalb angegriffen werden.

Und auch im Frieden bedrohen stationierte Atomwaffen die Zivilbevölkerung:
1982 baute ein Raketenlaster bei Malsch einen Unfall, ein scharfer Atomkampfkörper wurde beschädigt, hunderte Anwohner:innen wurden evakuiert, einige Zeit später passierte ähnliches nahe Heilbronn, beide Male wurden ganze Nachbarschaften belogen, bis heute gibt die US-Army an, dass damals kein Sprengkopf vorhanden gewesen wäre, was
Aslo allein in dieser Region zwei Vorfälle, in denen man beinahe die eigene Bündnisbevölkerung bombardiert hätte.

Wer den Frieden will, braucht keine Atomwaffen. Da die Deutsche Führung aber Atomwaffen will, braucht sie offensichtlich keinen Frieden. Nur wir können uns gegen die Stationierung von Atomwaffen in unseren Städten und Ländern wehren, indem wir uns zusammentun und unsere Ablehnung auf die Straße tragen.
Nein zu Atomwaffen, nein zu Atomwaffenstationierungen!
Ich bin vom Friedensbündnis, wir setzen uns gegen die fortschreitende Militarisierung hierzulande ein, wenn ihr Interesse an Mitarbeit habt, kommt doch gerne auf mich zu.

40. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl

Redebeitrag von Stefan Lau DFG-VK Karlsruhe am Sa. 25.04.2026 bei der Kundgebung am KA Hauptbahnhof

Ohne Atombomben keine Atomkraft – ein paar Gedanken zum Atomzeitalter“

Es gibt keine friedliche Nutzung der Atomenergie; am Anfang war die Atombombe!

Unsere Epoche des Atomzeitalters bedeutet die Möglichkeit der Selbstvernichtung der Menschheit, bzw.weise der Wahrscheinlichkeit der Selbstvernichtung.“

(Günther Anders, Hiroshima ist überall“, S. XXVII)

schwer auszuhalten, wir sollten es uns an Gedenktagen wir heute trotzdem immer wieder klar machen was Atomzeitalter bedeutet. – und heute kommen noch die globalen Folgen des menschengemachten Klima-Umbruchs dazu.

Kurze Erinnerung: Wie fing alles an:

Von 1942 bis 1945 entwickelten mehr als 150.000 Wissenschaftler*innen, Techniker*innen und Arbeiter*innen unter dem Codenamen „Manhattan Project“ die ersten Atombomben. Das „Manhattan Project“ wurde gestartet, weil Nazi-Deutschland an der Entwicklung einer Atombombe forschte. Bis Ende 1945 beliefen sich die Kosten auf 1,9 Milliarden US-Dollar. Das Manhattan-Projekt zählt zu den größten technischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Menschheitsgeschichte.

  • 16. Juli 1945 wurde die erste Atomexplosion ausgelöst:
    der sogenannte Trinity-Test in New Mexiko im Tal »Jornada del Muerto«
    (Tag des Todes); es war eine Plutoniumbombe gleicher Bauart wie sie dann über Nagasaki abgeworfen wurde.
  • 6. August 1945: Abwurf der Uranbombe „Little Boy“ über Hiroshima durch den US-Bomber Enola Gay. Ungefähr 70.000 starben direkt am Tag des Angriffs, bis Ende des Jahres 1945 kamen weitere 70.000 Tote dazu. Fünf Jahre später sollten es rund 200.000 werden.
  • 9. August 1945: Abwurf der Plutoniumbombe „Fat Man“ von einem US-amerikanischen B-29-Bomber auf Nagasaki. Ungefähr 22.000 Menschen starben direkt am Tag des Angriffs, 42.000 wurden verletzt.

Aber auch ohne direkten Einsatz im Krieg führen Atomwaffen zu Tod und Elend. Angefangen bei der Gewinnung von Uran; das Uran für die Hiroshima-Bombe und für den Reaktor in Fukushima wurden in der gleichen Mine im Kongobecken geschürft, ein von Bürgerkrieg und Warlords dominiertes Land,

Unfällen mit Atombomben,
der Gefahr eines „Atomkriegs aus Versehen“,

den wenig beachteten Langzeitfolgen der Atombombentests und
der Gefahr eines Atomkriegs „aus Versehen“.

Am 17. Januar 1966 kollidierte ein Tankflugzeug der US-Luftwaffe mit einem B-52-Bomber mit vier Wasserstoffbomben an Bord. Beide Flugzeuge explodierten; die Einzelteile und die gefährliche Fracht fielen über dem kleinen Küstendorf Palomares in Andalusien vom Himmel. Bei zwei der vier Bomben öffnete sich der Fallschirm nicht. Sie zerbarsten beim Aufprall auf der Erde und verseuchten Luft und Boden rund um Palomares mit Plutonium und Uran. Die vierte Bombe fiel ins Mittelmeer und wurde erst 80 Tage später gefunden. – Die B52-Bomber flogen seit 1961 im Rahmen der Operation »Chrome Dome« mit H-Bomben täglich über Spanien. Während der Kubakrise 1962 waren täglich 42 Bomber in der Luft. Fünf Jahre lang
flogen mehr als 17.000 Bomber mit ca. 35.000 Wasserstoffbomben über Spanien, um „gegebenenfalls“ schnell auf einen Angriff der Sowjetunion zu reagieren. Kein anderes Land in Europa erlaubte damals solche gefährlichen Manöver in seinem Luftraum.

Am 21. Januar 1968 verursachte der Absturz eines mit Atomwaffen bestückten B-52 Bombers der US Air Force über Grönlandgroße Landflächen und die umliegenden Gewässer mit radioaktivem Plutonium. Die Besatzung konnte sich per Schleudersitz retten, die Maschine stürzte etwa 13 km südlich der US-Luftwaffenbasis Thule ab.
Ein Besatzungsmitglied starb bei dem Absturz, die anderen sechs überlebten.

Durch eine glückliche Fügung kam es beim Absturz der Wasserstoffbomben nicht zu einer atomaren Kettenreaktion. Allerdings explodierte der nicht-atomare Sprengstoff und führte zur großflächigen Verseuchung des umliegenden Geländes mit ca. zehn Terabecquerel radioaktivem Plutonium (Tera = Billion) sowie Uran, Americium und Tritiom.

Einige Eisschollen sanken unter dem Gewicht der radioaktiven Stoffe und nahmen die strahlenden Partikel mit auf den Meeresboden. Man schätzt, dass insgesamt etwa fünf Gigabecquerel (Giga = Milliarde) radioaktives Plutonium in die umliegenden Gewässer gelangten. Eine radioaktive Wolke driftete zudem vom Unglücksort nach Süden ab und verseuchte die Region rund um das etwa sieben Kilometer entfernt liegende Dorf Narssarssuk.

Grönland ist völkerrechtlich Teil Dänemarks, welches sich offiziell zur atomwaffenfreien Zone erklärt hatte. Nach Großdemonstrationen der Bevölkerung reagierte die dänische Regierung auf die radioaktive Verseuchung schließlich zumindest mit einer Protestnote an die USA.

Bei großflächigen Dekontaminationsmaßnahmen wurden nach Angaben der USA ca. 90 % des Plutoniums entfernt und als Strahlenmüll in die USA zurückgebracht. Schätzungsweise ein Terabecquerel Plutonium verblieb aber im Meer und Eis rund um Thule.

Die Aufnahme von Plutonium durch die Nahrung ist ein relevantes Gesundheitsrisiko für die indigenen Inughuit in der Region rund um Thule geworden, da deren Ernährung vor allem aus Fisch und Meeressäugern besteht, deren Fleisch durch das Plutonium kontaminiert wurde. Vor allem die Bewohner nahe gelegener Siedlungen wie Narssarssuk sind betroffen. Epidemiologische Studien ihres Gesundheitszustandes wurden jedoch nie veröffentlicht.

Die dänischen Aufräum- und Dekontaminationsarbeiter berichteten von einer erheblichen Rate an Krebserkrankungen und Todesfällen unter ihren Kollegen. Bei einer Erhebung aus dem Jahr 1995 wurden in einer Stichprobe von 1.500 Arbeitskräften 410 Todesfälle durch Krebserkrankungen gefunden. Ähnliche Studien wurden an den US-amerikanischen Arbeitern nie durchgeführt, obwohl sie dem radioaktiven Material stärker ausgesetzt waren als ihre dänischen Kollegen.

Am 7. April 1989 brach auf dem sowjetischen Atom-U-Boot „Komsomolez“ zwischen Norwegen und Spitzbergen in etwa 400 Metern Tiefe im Heck ein Brand aus. Die Crew konnte ein Feuer im Maschinenraum nicht unter Kontrolle bringen, 42 Menschen an Bord starben. Das U-Boot liegt seitdem in fast 1.700 Metern Tiefe in der Norwegischen See – mit einem abgeschalteten Atomreaktor und zwei nuklearen Sprengköpfen an Bord. Um eine radioaktive Verseuchung zu verhindern, wurden 1994 Torpedorohre und andere Löcher mit Titanplatten versiegelt.

Untersuchungen zeigen, dass es Anzeichen dafür gibt, dass radioaktives Material aus dem atomaren Antrieb wie auch gelagerter nuklearer Brennstoff zerfällt.
„Die gute Nachricht“: Im Meeresboden ringsum das U-Boot lässt sich das nicht weiter nachweisen – vermutlich wird das Material nachdem es austritt sofort durch das Wasser verdünnt und abtransportiert. Die Forschenden empfehlen aber, das Wrack trotzdem regelmäßig zu kontrollieren.

Auch bei uns im Südwesten gab es Unfälle mit Atomraketen:

Am 2. November 1982 versagten in Waldprechtsweier die Bremsen eines US-1Militärtransporters mit einer Pershing-I-A-Rakete. Ein Autofahrer wurde getötet und für die Bergung musste wegen der Explosionsgefahr der Kurzstreckenrakete der gesamte Ort evakuiert werden.

Am 11. Januar 1985 fing bei einer Routineübung eine Pershing-II-Rakete auf dem Militärgelände Heilbronn-Waldheide Feuer und brannte explosionsartig ab. In 250 Meter Entfernung waren gefechtsbereit Pershing-II-Raketen mit Atomsprengköpfen stationiert. 3 US-Soldaten wurden damals getötet und 16 schwer verletzt.

Die Folgen für die Bevölkerung und Arbeiter habe ich eben schon kurz angesprochen; die Langzeitfolgen der bislang über 2.000 Atomwaffentests weltweit werden bislang immer noch recht wenig beachtet:Nach einer Studie der internationalen Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) kam es allein durch oberirdische Atomwaffentests bis zum Jahr 2000 zu 430.000 zusätzlichen Krebstoten. Die betroffenen Regionen liegen meist fernab von den testenden Staaten und sind überwiegend von einer nicht-weißen Bevölkerung und ethnischen Minderheiten bewohnt.

Die größte Gefahr durch Atombomben ist meiner Ansicht nach ein Atomkrieg „aus Versehen“, wg. Fehlalarm; Ein Beispiel für viele weitere:

Moskau, am 26. September 1983, kurz nach Mitternacht: Ein sowjetischer Frühwarnsatellit meldet den Angriff einer Handvoll US-Raketen auf die Sowjetunion. Sonne, Satellit und US-Raketenfelder waren so aufeinander ausgerichtet, dass die Strahlen der Sonne von den Satelliten falsch identifiziert wurden. Glücklicherweise entschied sich der sowjetische Oberst Stanislaw Petrow, den Alarm nicht an seine Vorgesetzten weiterzuleiten.

Ausführlichere Infos zu allen genannten und vielen weiteren Unfällen mit Atomwaffen und den Gefahren eines Atomkriegs „aus Versehen“ findet ihr hier:
https://www.atomwaffena-z.info/start

Die Gefahr eines Atomkriegs „aus Versehen“ wird sich durch die nächstes Jahr geplante Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Deutschland weiter erhöhen, denn diese Raketen lassen sich praktisch ohne Vorwarnzeit abfeuern und treffen binnen Minuten ihr Ziel – eine politische Reaktion ist also kaum mehr möglich. Zudem lassen sich atomare und konventionelle Geschosse beim Anflug praktisch nicht unterscheiden.

„Möglich“ wird die geplante Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Deutschland, weil der INF-Vertrag 2019 durch die USA unter der ersten Präsidentschaft von Donald Trump (und danach durch Russland) aufgekündigt wurde. Der INF-Vertrag wurde 1987 unterzeichnet und führte zur Verschrottung der vorhandenen Mittelstreckenraketen und Verbot neuer Mittelstreckenraketen. Das der Vertrag damals zustande kam, war auch ein Verdienst der damaligen Friedensbewegung.

Wir rufen deshalb zu Demo gegen die geplante Stationierung von neuen Mittelstreckenraketen in Deutschland am 30.Mai Wiesbaden auf! Auch von Karlsruhe wird es eine gemeinsame Anreise geben; die Abfahrtszeit findet ihr (in Kürze) auf der Webseite des Friedensbündnis Karlsruhe:
https://friedensbuendnis-ka.de/

Eine (noch) weitgehend unterschätzte Gefahr sind Atomkraftwerke als Kriegsziele.

Am 14. Februar 2025 wurde die Schutzhülle des AKW Tschernobyl von einer russischen Drohne getroffen, die explodierte und das Dach durchschlug. Erst drei Wochen nach dem Angriff wurden die Brände als gelöscht bestätigt. Es bestand die Gefahr, das Radioaktivität austreten könnte.

In der Ukraine erleben wir das erste Mal, dass ein bewaffneter Konflikt in der Nähe von Atomkraftwerken stattfindet. Gegen militärischen Beschuss sind Atomreaktoren und auch die deutschen Zwischenlager für radioaktiven Atommüll nicht ausgelegt.

Dazu mehr am Sonntag um 17:00 Uhr, wenn wir in der Kinemathek den Dokumentarfilm „Atomkraftwerke im Krieg“ zeigen und den Regisseur Reinhart Brüning zu Gast haben.

Zum Thema gehört auch, dass Atomwaffen völkerrechtlich verboten sind!
Am 7. Juli 2017 stimmten auf Initiative der internationalen Friedensbewegung in der
UN-Generalversammlung 122 Staaten für die Annahme des Atomwaffenverbots-vertrags. Nachdem im Herbst 2020 mit Honduras der 50. Staat den Atomwaffen-verbotsvertrag ratifizierte, trat er am 22. Januar 2021 in Kraft.
Seit nun über fünf Jahren sind Atomwaffen also völkerrechtlich verboten!

Trumps Atombombendrohung:
Am 7. April stellte US-Präsident Donald Trump dem Iran ein Ultimatum:
Entweder der Iran schließe bis 20 Uhr US-Ostküstenzeit mit den USA ein Abkommen zur Beendigung des Krieges, oder „eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals wieder zurückkommen“.

ICAN dazu: https://www.icanw.de/neuigkeiten/pm-ican-verurteilt-trumps-vernichtungsdrohung/

und: https://www.atomwaffena-z.info/heute/blog/war-trumps-nukleare-drohung-ernst-gemeint

Abschließend noch ein Zitat von Kenzaburo Oe, japanischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger:

Der Glaube an die atomare Abschreckung und der an die friedliche Nutzung der Atomenergie sind unweigerlich mit einander verknüpft.
Wir müssen uns von beidem lösen.“

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

Stefan Lau, Sprecher der Gruppe Karlsruhe
Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen DFG-VK

Die Anti-Atom-Ini KA zu Gast beim Stand der DFG-VK

Am 1. Mai 2025 war die Anti-Atom-Initiative Karlsruhe auf Einladung der DFG-VK KA zu Gast bei deren Stand auf dem Karlsruher Marktplatz und konnte mit ihrem selbst gebauten Miniatur-Modell vom Sarkophag in Tschernobyl auf die Problematik des russischen Drohnenangriffs auf Tschernobyl aufmerksam machen.

Bei der Demo war auf der Brücke beim Jubez folgende Installation zu sehen, die wir sehr gut fanden. Daseinsfürsorge …

Rede von Harry Block zum 39. Tschernobyl-Jahrestag

Samstag, 26.04.2025, auf dem Marktplatz von Karlsruhe:

Am 26. April 1986 kam es im vierten Block des KKW Tschernobyl in der heutigen Ukraine (damals UdSSR), zu einem schweren Unfall, dem ersten Super-Gau, der auf der internationalen Störfall-Skala (INES) mit der höchsten Stufe, nämlich 7, bewertet wurde. In Folge der Explosion kam es zu einem Graphitbrand mit einer Freisetzung radioaktiver Stoffe in große Höhen von bis zu 10.000 Metern.

Tagelang brannte der Reaktor, jede Flamme schleuderte hochradioaktive Partikel hoch in die Luft. Mit Sand und Blei kämpften die Menschen in den ersten Tagen dagegen an. Und begannen schnell unter schlimmsten Bedingungen, eine Schutzhülle zu errichten. Die Strahlung war so hoch, dass die Arbeiter:innen nur wenige Minuten vor Ort bleiben konnten. Quasi im Vorbeirennen errichteten sie den ersten Sarkophag, der die Strahlung eindämmen sollte. Ein Einsatz, der vielen von ihnen ihre Gesundheit oder gar das Leben kostete. Hunderttausende Soldat:innen und Arbeiter:innen wurden dabei kontaminiert, viele Tausende erkrankten oder starben infolge der Strahlung. Hundertausende Menschen wurden evakuiert und verloren ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage. Ein Sperrgebiet mit einem Radius von 30 Kilometern wurde eingerichtet und besteht bis heute noch.

Die Strahlung kam auch bei uns an. Sie erreichte uns durch einen Gewitterregen am 1. Mai und führte bei uns zu zahlreichen Nahrungsmittelverboten, Bodenaustausch auf Kinderspielplätzen und noch viel mehr. Die Reststahlung ist bei uns immer noch vor allem in den Pilzen vorhanden, weshalb Fleisch von Wildschweinen heute noch auf Radioaktivität untersucht wird.

Nach dem Super-GAU in Tschernobyl begann sehr schnell der Bau einer Schutzhülle zur Eindämmung der Strahlung. Doch das Provisorium war bald einsturzgefährdet. Ein weiterer Sarkophag wurde gebaut und 2006 über die immer noch hochgradig strahlende Ruine des havarierten Reaktors geschoben, von dem Teile 2013 unter Schneemassen zusammenbrachen. Um eine zweite nukleare Katastrophe zu verhindern, baute ein Konsortium aus 28 Geberländern einen weiteren 1,5 Milliarden Euro teuren Sarkophag. Dieses riesige bewegliche Bauwerk wurde 2016 über die alte Hülle geschoben.

Am 14. Februar 2025 wurde diese Schutzhülle von einer russischen Drohne getroffen, die explodierte und das Dach durchschlug. Der Einschlag hatte Brände ausgelöst, die zu erheblichen Schäden an der Dachkonstruktion führten. Erst drei Wochen nach dem Angriff wurden die Brände als gelöscht bestätigt. Wenn Wasser in das Gewölbe eindringen, erfüllt der Schutzbunker seine Funktion nicht mehr. Radioaktivität könnte austreten.

In der Ukraine erleben wir das erste Mal, dass ein bewaffneter Konflikt in der Nähe von Atomkraftwerken stattfindet. Gegen militärischen Beschuss sind Atomreaktoren in der Welt und die 16 oberirdischen deutschen Zwischenlager für hoch radioaktiven Atommüll nicht ausgelegt. Ihr sicherer Betrieb ist zudem abhängig von der lückenlosen Versorgung mit elektrischer Energie und der Verfügbarkeit von hochspezialisiertem Fachpersonal. Beides ist in einem Krieg gefährdet bzw. nicht vorhanden. Die russischen Angriffe sind an mehreren Stellen ukrainischen Atomkraftwerken bereits sehr nahegekommen. Das Atomkraftwerk Saporischschja mit 6 Atomreaktoren ist von den Russen besetzt, abgeschaltet und deren Brennelemente müssen mit Strom von außen gekühlt erden. Durch den Beschuss von Energieanlagen verloren im November 2023 die restlichen 15 aktiven Atomkraftwerke in der Ukraine ihre Netzanbindung und konnten nur noch mit Notstromaggregaten betrieben werden. Es bestand die Gefahr von mehreren Super-Gaus, die nur mit erheblichen Einsatz tausender Mitarbeiter zum Teil unter Lebensgefahr behoben werden konnte.

Das Völkerrecht verbietet Angriffe auf Atomanlagen, aber wo auf der Welt werden in Kriegen das Völkerrecht beachtet. Kriege können jederzeit zu einer nuklearen Katastrophe führen wie der Angriffskrieg Russland gegen die Ukraine beweist. Diese Gefahr erfährt noch eine Steigerung, wenn Kriegswaffen in die Hände von Terroristen fallen und mit Hilfe von Drohnen Atomanlagen angreifen. Dies ist auch an jedem der 16 Standorte in Deutschland für hochradioaktiven Atommüll möglich. Die 80 cm dicken Betonwände, die in Philippsburg, ca. 30 km von hier, 106 Castoren umgeben, bieten keinen Schutz für kriegerische oder terroristische Angriffe. Kein Mensch würde ein Atomkraftwerk versichern. Die Deckungssumme für das Zwischenlager für Philippsburg beträgt 70 Millionen Euro. Nochmals die Sicherung mit einer Schutzhülle von Tschernobyl kostete über 1,3 Milliarden Euro.

Um auf diese Gefahr hinzuweisen, die Härtung der bestehenden Zwischenlager für hochaktiven Atommüll in Deutschland zu fordern und die weiterhin geplanten Atomanlagen in Europa zu verhindern, stehen wir, die Anti-Atom-Initiative Karlsruhe, hier auf dem Marktplatz.

Resuemee: Castor-Transport nach Philippsburg

Ein gefährliches Erbe für zukünftige Generationen!!!

Dies war das Motto der Südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen gegen den am 20.11.24 stattgefundenen Castortransport von La Hague ins Zwischenlager Philippsburg.

Den Anti-Atom-Aktivist:innen der Südwest-Initiativen war bewusst, dass das Thema Castor-Transport für viele Menschen nicht mehr im Fokus steht und somit die Probleme mit dem hochradioaktiven Atommüll aus dem Blickfeld zu geraten drohen. Ziel war es, für diese Problematik wieder ein öffentliches Bewusstsein zu schaffen.

In den Fokus des Protestes wurde die Frage nach dem verantwortungslosen Umgang mit dem Atommüll, den unnötigen Atommülltransporten und insbesondere die Frage der Zwischenlagerung in den Fokus gerückt. Alle bundesweiten Zwischenlager müssen weit über die genehmigten 40 Jahre und berechneten Sicherheitsbedingungen weiter existieren, weil voraussichtlich erst in 50-60 Jahren mit einem „Endlager“ bzw. einer Langzeitlagerung zu rechnen ist.

Durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine wurde auch immer wieder die Frage der Sicherheit durch äußere Einflüsse, wie Drohnen, Panzerfäuste und Bomben diskutiert.

Viele Fragen, keine Antworten!!!

Durch die Proteste vor und an dem Tag des Castor-Transportes wurde das Ziel erreicht, die Information über die Problematiken von Atommülltransporten und der ungeklärten Langzeitlagerung von Atommüll wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu tragen. Auch die umfangreiche mediale Berichterstattung – hauptsächlich auf lokaler Ebene – in Presse und Rundfunk trug mit dazu bei, die Problematik rund um den Atommüll zu verbreiten.

Wie wichtig der Widerstand gegen die Atommülltransporte ist zeigt die wieder aufkeimende erneut initiierte Debatte um die Wiederbelebung der Atomenergie als Stromerzeuger und als vermeintliche Lösung der Klimaprobleme. NEIN, die Stromerzeugung durch Atomkraft ist nicht klimaneutral!!!

Und wieder wird die Frage nach dem Verbleib des radioaktiven Atommülls negiert.
Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und haben im Zuge des Castor-Transports von La Hague nach Philippsburg auf Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung gesetzt. Der Atommüll ist unser aller Problem und wir können ihn nicht auf die nächste Generation abwälzen. Aber Wissenstransfer ist notwendig, da viele junge Menschen z.B. schon mit dem Begriff „Castor-Transport“ nichts anfangen können.

Interessierte wollen wir auf unsere Homepage hinweisen: www.antiatom.net, dort findet ihr z.B. unseren Flyer „Die Probleme mit dem hochradioaktiven Atommüll – Ein gefährliches Erbe für zukünftige Generationen!!!“. Bei Interesse schicken wir euch gerne einige Exemplare zu, der Inhalt des Flyers steht allen für „copy and past“ zur Verfügung.
Zudem haben wir 4 farblich und inhaltlich verschiedene Karten im Postkartenformat mit folgenden Fragen und Antworten auf der Rückseite entworfen, gedruckt und verteilt:


– Der von Deutschland produzierte Atommüll muss zurückgenommen werden. Oder? (Antwort jeweils auf der Rückseite)
– Die Endlager-Suche läuft. Bald kann der radioaktive Müll für immer sicher aufbewahrt werden. Oder?
Der Atomausstieg ist beschlossen, die Atomkraftwerke abgeschaltet. Thema erledigt. Oder
– Der radioaktive Müll wird in Zwischenlagern sicher aufbewahrt. Oder?
Auch diese Karten stehen der Anti-Atom-Bewegung zur freien Verfügung.
Die Karten eignen sich sehr, auf Sitzen im ÖPNV ausgelegt und in Kartenständer in Kneipen gesteckt zu werden. Die Flyer haben wir bei z:B. FfF Demos verteilt und an Veranstaltungsorten ausgelegt.

Gut angekommen ist anderthalb Wochen vor dem Castor-Transport unsere bunte Kundgebung am Haupteingang des Karlsruher Hbf mit drei Redebeiträgen und der anschließenden Zugfahrt nach Philippsburg und der dortigen Demo zum Marktplatz. Insgesamt haben daran über 100 Personen teilgenommen.
Am Tag x, einem Mittwoch, blieb die Teilnehmer:innenzahl leider auf den harten Kern beschränkt. Wir hatten aber einen tollen Infostand und waren optisch sehr gut aufgestellt. Das Presseinteresse war sehr groß.

Der nächste Transport steht für das Jahr 2025 (April 25 wird genannt) an, und zwar von Sellafield nach Isar in Bayern. Also ein Transport über den See- und Landweg quer durch die Republik.

Auch bei diesem Castortransport besteht die Möglichkeit, dem Thema ungeklärte Langzeitlagerung und die Problematiken der Zwischenlagerung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.

Die Anti-Atom-Bewegung muss sich überlegen, wie sie mit diesem anstehenden Transport umgeht. Wir als Südwest-Inis stehen zur Verfügung, unser Wissen und unsere Erfahrungen weiterzugeben.

Südwestdeutsche Anti-Atom- Initiativen

Bericht von der Demo zum anstehenden Castor-Transport in Philippsburg

Am 09.11.2024 um 11:30Uhr demonstrierten am Karlsruher Hbf ca. 70 Personen gegen den anstehenden Castor-Transport aus La Hague (F) nach Philippsburg (Baden). Es gab drei Redebeiträge:
1. Anete Wellhöfer zum Castor-Transport
2. Harry Block zu Zwischen- und Langzeitlager
3. Herbert Würth zur Energiewende.
Wegen einer großen Kundgebung in Karlsuhe gegen Rechts, verabschiedeten sich viele, Teilnehmer*innen, verständlicher Weise, als die Gruppe mit der Bahn nach Philippsburg zu ihrer Demo und Kundgebung fuhr. In Philippsburg schlossen sich dann wiederum weitere Menschen aus der Anti-AKW-Bewegung an, sodass wir zu Beginn der Kundgebung 70 Personen zählten.

Hier folgen die Redebeiträge von Anete Wellhöfer (Anti-Atom-Initiative KA) zum geplanten Castor-Transport und Harry Block (Anti-Atom-Initiavtive KA) zum Zwischen- und Langzeitlager.

Liebe Anti-Atom-Bewegte,
mein Name ist Anete Wellhöfer von der Anti-Atom-Initiative Karlsruhe.

Schön, dass ihr heute hier seid, um gemeinsam gegen den Atommüll-Transport von La Hague Frankreich nach Philippsburg zu demonstrieren. Und es geht um noch viel mehr.
Die CDU und andere Parteien wollen zurück zur Atomenergie, über Fussionsreaktoren, über SMR smal modular reaktors, über den Neubau von AKWs der dritten und vierten Generation und es ist nicht zu glauben, über die Reaktivierung der abgeschalteten AKWs,
viel Spaß beim Weiterbetrieb von Philippsburg mit den gesprengten Kühltürmen.
CDU, wie wäre es mit einem Faktencheck?
Hallo, wir wollen nicht zurück, wir wollen nach vorne schauen, Erneuerbare Energien sind unsere Zukunft.

Wir wissen immer noch nicht, wie mit dem Atommüll umgehen, kein Langzeitlager in Sicht. Wir sind ganz klar gegen Atomenergie, sie ist teuer, gefährlich, nicht Klimaneutral und nicht die Lösung unserer Probleme.

Nun zur Anti-Atom-Ini KA, unsere Themen sind u.a. das zum Langzeitlager werdende Atommülllager Philippsburg, das KTE also die Kerntechnische Einrichtung Karlsruhe, das die 4 Reaktoren des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe abreißt, das JRC = Joint Research Centre, das für Europa Atomforschung aktiv betreibt und nicht zuletzt das KIT Nord, Karlsruher Institut für Technologie, das seit Jahrzehnten und auch weiterhin immer noch viele Millionen Euro jährlich in die unnütze Fusionsforschung steckt.

Viele dachten, dass mit dem abschalten der Atomkraftwerke, das Thema Atomkraft erledigt sei. Das ist aber leider nicht so. Wir haben noch viele Baustellen vor uns und es tun sich mit den stärker werdenden Atombefürworter*innen wieder neue auf.
Seit ein paar Tagen trötet die CDU, und andere Parteien sind ihrer Meinung, vom Wiedereinstieg in die Atommüllproduktion. Dem müssen wir massiv etwas entgegen setzen.

Dem Atommüll-Alarm! und unserer Kundgebungen hier am Karlsruhe Hauptbahnhof und später dann in Philippsburg.

Kurz zurück in die Geschichte. Vor 40 Jahren am 8. Oktober 1984 gab es den ersten Atommülltransport in das Zwischenlager Gorleben. Seit dem ersten Atommülltransport gab es auch immer Widerstand und Protest dagegen, auch hier in Karlsruhe und in der Pfalz. Könnt ihr euch noch an die Massenproteste bei CASTOR-Transporten erinnern, z.B. als 2010 in Berg (Pfalz) ca. 1.500 Menschen auf den Gleisen saßen und den CASTOR von La Hague nach Gorleben erfolgreich blockierten? Es war ein Akt des Empowerments also der Stärkung und er hat politisch Weichen gestellt.

Jetzt ist es wieder so weit, wir erwarten vor Jahresende einen CASTOR-Transport mit 4 Castoren von La Hague (F) nach Philippsburg (ca. 30 km nördlich von Karlsruhe), genauer Termin – unbekannt, die Presse spricht davon, dass sie den Castor-Transport in der Zeit vom 18.Nov. bis 24.Nov. erwarten.

Sobald wir näheres wissen, werden wir es auf unsere Homepage antiatom.net stellen.
Bitte informiert euch und kommt am Tag X nach Philippsburg zum Protest.

Und es wird noch weitere Castor-Transporte geben, einmal von Sellafield (GB) nach Brockdorf in Schleswig-Holstein und ein Castor-Transport von Sellafield nach Isar Bayern.
Wann – unbekannt, aber in den nächsten Jahren.

Nun zum Thema Castor-Transport und erst mal zum Castor-Behälter: Castor ist die Abkürzung für Cask for Storage and Transport of Radioactive Material. Übersetzt: Behälter für Lagerung und Transport von radioaktivem Material.
Der hochradioaktive Atommüll ist derzeit in 16 Zwischenlagern in ca. 1.750 Castor-Behältern eingelagert. Man rechnet mit einem Volumen von 27.000 Kubikmetern hochradioaktivem Atommüll. Wir bezweifeln die Sicherheit der Hallen in denen die Castoren stehen. Da gibt es auch keine Standards, die sind alle unterschiedlich.
Halten die Hallen unvorhersehbaren starken Naturereignissen wie in Fukushima mit Erdbeben, Überschwemmungen und Tsunami stand? Seit dem Krieg in der Ukraine muss die Frage der Sicherheit in Form von Angriffen mit Panzerfäusten, Flugzeugabstürzen, Drohnen und Bomben neu gestellt und bewertet werden.

Für uns als Anti-Atom-Bewegte ist klar, dass wir nicht still zusehen wie dieser unnötige und gefährliche Atommülltransport von statten geht. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Bevölkerung davon Kenntnis erhält, dass hochradioaktiver Atommüll durch dicht bewohntes Gebiet rollt, für viele direkt an der Haustür vorbei. Dieser Transport ist unnötig und gefährlich.

Wir die Südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen forderten, dass der hochradioaktive Atommüll in La Hague so lange gelagert wird, bis ein Langzeitlager gefunden ist und er direkt dort hingefahren wird. Nicht von A nach B und dann nach C, diese Risiken sind unnötig und könnten vermieden werden.

Solange in Lingen (NRW) Brennelemente für AKWs hergestellt und
solange in Gronau (NRW) Uran angereichert wird,
solange Atomforschungsreaktoren wie in Garching (Bayern) weiterlaufen
solange wie im Fall Schacht Konrad auf unsichere Lager für Atommüll gesetzt wird,
solange Politiker*innen und Parteien mit populistischen Argumenten, dass unsere Energieprobleme mit Atomstrom gelöst werden könnten,
solange ist unser Protest und Widerstand gegen Atomenergie super notwendig.
Atomenergie ist teuer, gefährlich und nicht Klimaneutral.

Ein Zusammenschluss der Anti-Atom-Bewegung in Süddeutschland hat deshalb zum gemeinsamen Protest gegen diesen CASTOR-Transport aufgerufen. Da wir den genauen Termin nicht wissen, veranstalten wir heute eine gemeinsame Anti-Atom-Protestfahrt von Karlsruher nach Philippsburg. Danke dass ihr da seid und den Protest unterstützt und somit Öffentlichkeit schafft.

Wenn ihr Interesse an der Arbeit der Anti-Atom-Initiative Karlsruhe habt, dann sprecht mich gerne an, besucht unsere Homepage und nehmt Kontakt zu uns auf.

Nun folgt der Redebeitrag von Harry Block zu Zwischen- und Endlager.

Verehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,
in den nächsten Tagen werden vermutlich auch vier Castoren mit hoch radioaktivem Müll aus dem französischen La Hague Frankreich nach Philippsburg durch diesen Bahnhof rollen.

Wir stehen aber nicht nur wegen dieser hochgefährlichen Transporte hier.
Wir beobachten mit Sorge, dass Atomkraft-Befürworter auf das Vergessen und Verdrängen setzen und nun wieder unverhohlen Propaganda für den angeblichen sauberen Atomstrom leider auch in den öffentlich-rechtlichen Medien machen. Die Realität der laufenden wie der stillgelegten Atommeiler hier, der Krieg in der Ukraine und die notwendige Entsorgung des hochaktiven Atommülls entlarven täglich die Argumente der Befürworter als fake news. Aber die Forschung, Werbung und Bestellung vor allem von kleinen sogenannten ‚small reactors‘ nimmt gerade Fahrt auf und wird leider nicht nur von Bill Gates, sondern auch von der AfD und der FDP. Seit Donnerstag, den 7.11.24 hat der Kanzlerkandidat der CDU Merz mit seiner Ankündigung im ZDF kleine Atomreatoren und Fusionskraftwerke in Deutschland bauen zu wollen, eine rüclkwärtsgewamndte Zeitenwende eingeleiet. Sein Generalsektretär Linnemann hat dies am nächsten Tag im ARD wiederholt. Auch hier in Karlsruhe, dem Herz der Atomforschung der EU – dem Joint Research Centre auf dem Gelände des KIT Nord, wir der Atomkurs befeuert. Deshalb versuchen wir mit Argumenten dagegenzuhalten und wie heute auch zu demonstrieren.

Ein Argument gegen die Atomenergie ist nicht nur die Bedrohung einer nuklearen Katastrophe durch ein laufendes Atomkraftwerk, sondern vor allem die Lagerung der hunderttausenden von Tonnen zum Teil hochradioaktiver Stoffe in den sogenannten Zwischenlagern bei den ehemaligen Atomkraftwerken in Deutschland.

Liebe Zuhörende, nur 10 km von hier lagern rund 80.000 zum Teil rostende Fässer auf dem größten radioaktiven Zwischenlager für leicht radioaktive Stoffe auf dem Gelände des ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe, heute KIT Nord. Das Gebäude – Fußballfeld groß – ist heute fast gefüllt und muss durch ein neues Lager erweitert werden. Daneben stehen zwei Zwischenlager für mittelaktiven Atommüll mit rund 7.000 Fässern. Das neuere davon hat Mauern mit 2 m dicken Beton rund um. Und täglich kommen neue Fässer aus dem Abriss von zwei Atomreaktoren, einer Wiederaufarbeitungsanlage und einem schnellen Brüder in Karlsruhe dazu. Wann diese Fässer nach Schacht Konrad abtransportiert werden können, ist unklar.

Liebe Leute, 30 km von hier, in Philippsburg, ist der Standort für die vier Castoren, die nun vermutlich nächste Woche durch Karlsruhe laufen werden. Im Zwischenlager von Philippsburg stehen im Augenblick 102 der 1.750 Castoren, die hochradio-aktiven Abfallbehälter Deutschlands. Im Innern jedes Castors befinden sich 24 abgebrannte Brennelemente mit einem Gewicht von 11 t. Diese Brennelemente enthalten neben dem Uran auch das im Prozess entstandene jahrtausendlang strahlende Plutonium. Die Temperatur im Inneren eines Castors beträgt über Jahrzehnte 400 °C. Die Strahlung durch die Kernspaltung entstandenen radioaktiven Stoffe ist sehr hoch, wodurch das umgebende Gusseisenmaterial durch diese hohen Temperaturen und durch die radioaktive Strahlung stark belastet wird. Kein Mensch weiß, was in einem Castor die Radioaktivität bewirkt. In Philippsburg lagern einige schon über 20 Jahre dort. Man kann in den 16 Zwischenlagern für hochradioaktiven Atommüll nicht feststellen, wie es in diesen Castoren aussieht, weil dazu heiße Zellen notwendig wären, in denen diese Castoren aufgemacht werden könnten. Diese gibt es aber nicht. Wissenschaftler des KIT haben durch Berechnungen und durch Untersuchungen an Brennelementen herausgefunden, dass die Brennelemente, die sich in den Castoren befinden, sich zum Teil in Auflösung befinden. Das ist mehr als nur ein besorgniserregender Zustand.

Das Lager in Philippsburg hat eine Genehmigung bis in das Jahr 2047. Kein Mensch weiß im Augenblick, wann ein sogenanntes Endlager für diesen hoch radioaktiven Abfall in Deutschland zur Verfügung steht. Die Schätzungen gehen davon aus, dass nicht vor dem Jahre 2067 ein Standort für ein Endlager gefunden und dieses schon gar nicht bis dahin eingerichtet sein wird. D.h., wir müssen an den Standorten mit Lagerzeiten rechnen, die weit über die genehmigten und berechneten Sicherheitsbedingungen liegen.

Und alle diese Lager sind jetzt schon unsicher. In den letzten drei Monaten ereigneten sich im Zwischenlager für hochradioaktiven Atommüll in Philippsburg drei Störfälle, in dem die Überwachung der Castoren zeitweise ausfiel.

Was aber noch viel wichtiger ist: Zum Zeitpunkt der Genehmigung sprach man zwar über Flugzeugabsturz, Terror, Erdbeben etc., aber kein Mensch hat damals daran gedacht, dass durch kriegerische Handlungen mit hoch effektiven Waffen der Inhalt dieser Lager zur Bedrohung der gesamten Region werden könnte. Das Lager Philippsburg hat Mauern von 80 cm. Das Lager für leicht aktiven Müll in Karlsruhe hat 2 m dicke Mauern. Man hat versucht, das Lager in Philippsburg zu härten. Man hat eine Mauer gebaut, um gegen Panzerfäuste von der Straße aus geschützt zu sein. Wir wissen aber nicht, was passieren würde, wenn eine Drohne mit panzer-brechenden Waffen von oben das Zwischenlager treffen würde. D.h., die gesamte Region befindet sich tagtäglich – wie auch an den übrigen 15 Standorten – in einem erheblichen Gefahren-Zustand. Dies ist eine der Folgen der so genannten friedlichen Nutzung der Atomenergie, die am Standort Philippsburg jährlich 40 Millionen kostet, ebenso natürlich auch an den anderen Standorten. Die Kosten für die so genannte Endlagerung sind noch nicht abschätzbar. Sie werden viele Milliarden Euro betragen. Allein die Kosten des Abrisses eines Atomkraftwerkes kostet 1 Milliarde. Dies zahlen die ehemaligen Betreiber. Diese Kosten der Lagerung der gefährlichen Altlasten der Atomkraftwerke werden aus einem Fonds finanziert, der mit seinen derzeit 20 Milliarden nicht ausreicht, um die noch kommenden Milliarden Kosten für die Zwischenlager und das sogenannte Endlager zu decken. Wir SteuerzahlerInnen zahlen letztendlich die Zeche.

Die Kosten für 1 Kilowattstunde Strom liegen mit den Abrisskosten heute bei 42 Cent. Bei Winderzeugung sind es derzeit 8 Cent. Diese zwei Zahlen zeigen, dass die Hoffnung von Staaten wie Polen, Türkei oder Saudi-Arabien auf neue Atomreaktoren mehr militärisch als energie-politisch motiviert sind. Atomenergie ist also nicht nur gefährlich, keineswegs klimaneutral, sondern vor allem teuer.

Deshalb nun der Beitrag von Herbert Würth zu unseren Alternativen.

Liebe Atomkraftgegner*innen, liebe Energiewender*innen,

Wie ist der aktuelle Stand Energiewende und wie muss es rasch weitergehen?

Die erneuerbare Stromerzeugung hat in diesem Jahr einen neuen Rekordwert erreicht. Nach den Zahlen des statistischen Bundesamtes haben wir jetzt 61% erneuerbaren Strom!
Davon beträgt der Anteil Wind ein Drittel, die Photovoltaik liegt bei 14% mit der Tendenz weiter ansteigend. Allerdings gibt es immer noch 20% Kohlestrom und die politische hick-hack-Diskussion zum Ausstieg spätestens 2035 ist in vollem Gange. Der Gesundheits- und Klimaschutz tritt immer mehr in den Hintergrund.

Vor 20 Jahren ist die erneuerbare Stromerzeugung durchgestartet. Und von 2010 bis 2017 gab es jährlich einen ansteigenden Zubau an neuen Windrädern und Photovoltaikanlagen. Dies als dezentrale Energiewende mit vielen Akteuren „von unten“. In Bürgerhand, mit Genossenschaften, GBRs, Solarvereinen auch Stadtwerken und seit neustem mit der Industrie. So haben wir inzwischen 29.000 Windräder an Land und insgesamt 4,4 Millionen Photovoltaik-Anlagen die umweltfreundlich und preisgünstig Strom erzeugen. Und mit Stand August 24 schon 700.000 Balkonkraftwerke am Start.

Ausbremsregelungen 2017
Diese vorwiegend dezentrale Energiewende ist viele Jahre lang ohne die bisherigen Konzerne realisiert worden. Ihnen gehörten nur 6% der erneuerbaren Anlagen. Im Jahr 2015 sind diese dann „aufgewacht“ und haben politisch interveniert. Erfolgreich, dann im Jahr 2017 traten dann massive Ausbremsregelungen zur weiteren Energiewende in Kraft. Es wurde ein Ausschreibungszwang über die Bundesnetzagentur für jedes Windrad, jeden Windpark und große PV-Anlagen eingeführt. Gleichzeitig in mehreren Schritten die Einspeisevergütungen gesenkt und angekündigt dies zukünftig kurzfristig weiter zu tun. So wurde politisch die „Energiewende von unten“ ausgebremst und eine Verunsicherung geschaffen, wie es weiter geht.

Denn zum Bau neuer Anlagen ist eine planbare Sicherheit über Vergütungen für 20 – 25 Jahre notwendig.
Die Folge war, dass der Zubau Wind an Land seit 2017 massiv eingebrochen, in einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg (6 neue Windräder 2024)und Bayern (4 neue Windräder 2024) so gut wie zum Stillstand kam. Dies gilt bis heute, die Zielvorgaben wurden in keinem Jahr mehr erreicht.
Gerade die Photovoltaik war von 2012 – 2017 mit jährlich neuen Zubau-Rekorden von 5 – 8.000 Megawatt stark gewachsen. Die Ausbremsregelungen führten auch hier zum Kahlschlag. Erst seit 2022 beginnt die PV wieder nennenswert zu wachsen.

Rekord-PV Zubau in 2024
Von Januar bis August wurden insgesamt 730.000 neue Anlagen installiert, dies ist der größte Zubau mit 10.000 Megawatt seit 2017. Die 4,4 Millionen PV-Anlagen haben eine Leistung von 93.000 Megawatt.
Das Zubau-Ziel von 10.000 MW 2024 ist also bereits vorab erreicht worden. Jedoch sollen jedoch ab 2026-2030 jährlich neu 26.000 Megawatt zugebaut werden. Was nach jetzigem Stand nicht erreicht wird, da die Frage der Einspeisevergütung schon wieder ein Hemmschuh ist.

Wind Zubau 2024
Seit 2017 werden die jährlichen Zubau-Ziele bundesweit nicht mehr erreicht. Auch in 2024 liegen wir weit unter den erforderlichen 10.000 Megawatt. Es sind im 1. Halbjahr bundesweit 290 Windräder neu ans Netz mit 1.300 MV Leistung.
Da die Windräder nach 20 Jahren aus der Förderung fallen und dann entweder eine Direktvermarktung oder die sog. Marktprämie stattfinden muss, werden viele WR abgebaut. Denn vor allem die Marktprämie sichert den Weiterbetrieb für kleine oder wenige Windräder nicht ab. So sind in 2024 bereits 277 WR abgebaut worden. Mit einer kostendeckenden Mindestvergütung könnten diese noch jahrelang weiter laufen!
Deshalb gab es in 2024 nur einen Nettozubau bei Wind von 980 Megawatt.
Die Zubau-Ziele bis 2030 und Folgejahre werden aus heutiger Sicht ganz sicher nicht erreicht werden.
Der bürokratische Ausschreibungszwang für jedes Windrad, die Unsicherheit bei den Einspeisevergütungen und immer noch das Problem, dass zu wenig geeignete Flächen ausgewiesen sind, verhindern ein Durchstarten.

Offshore-Pläne Wind und die Konzerne
Die Ampel-Regierung hat in den letzten Jahren den Ausbau Wind im Meer favorisiert. Dabei bedeutet offshore einen gigantischen Aufwand an Technik und Milliarden-Invest. Führt weiter zu zentralen Erzeugungsstrukturen, langen aufwendigen Transportwegen und behält zentrale Verteilstrukturen bei.

Ist also das genau Gegenteil einer dezentralen, erneuerbaren Energiewende. Die bei Erzeugung, Verteilung, Speicherung und Verbrauch vorwiegend lokal mit überregionaler Verzweigung ausgerichtet ist.
Derzeit gibt es 9.000 Megawatt offshore. Dies soll bis 2035 auf 40.000 Megawatt und bis 2045 sogar auf 70.000 Megawatt ansteigen.
Die Bundesnetzagentur hat für offshore 2023 neue Ausschreibungsregeln eingeführt. Nicht mehr eine Anzahl von Windrädern und die notwendige Fläche, sondern jetzt gibt es nur Flächenausschreibungen.

Wer hat in 2023 die größten Flächen ersteigert und gekauft?
Die ausgeschriebenen 4 großen Flächen, die fast der Hälfte der aktuell verfügbaren offshore Flächen in der Nord- und Ostsee entsprechen haben der französische Total und der britische BP-Konzern für 12.6 Milliarden Euro gekauft!
Sie könnten dort Windräder für 7.000 Megawatt errichten. Aber alle Fachleute bezweifeln, selbst wenn sie das täten, dass sie jemals den Kaufpreis refinanzieren könnten. Dies ist ein typisches Greenwashing-Projekt von Konzernen um Marktmacht bei Erneuerbaren – auch gegen sie – aufbauen zu können!

Die offshore-Politik in der Nordsee ist inzwischen gepaart mit Utopien zur Wasserstoff-Erzeugung. Diese soll in Deutschland mit bis zu 40 Milliarden Euro gefördert werden. Stellt eine neue Form der zentralen Energieerzeugung dar und ist wegen den vielen Umwandlungsverlusten ineffektiv. Erfordert zur Erzeugung von 1 kwh Wasserstoff jeweils 9 Liter Wasser. Die Pläne von Deutschland, Frankreich, England und skandinavischen Ländern würden bedeuten, dass die Nordsee bis 2045 ein Industriepark mit künstlichen Inseln werden soll.
Dies lehnen wir ab! Wir fordern die rasche weitere dezentrale und umweltfreundliche Energiewende mit Wind an Land und Photovoltaik als Standbeine. Keine neuen oder alten ineffektiven und teuren Großstrukturen, sondern die direkte Anwendung der Erneuerbaren bei Strom, Wärme und Verkehr.


Rasche weitere dezentrale Energiewende – wie möglich?
Dies haben Verbände wie Bundesverband Windenergie, Organisationen wie der Solarverein in Aachen und zahlreiche Wissenschaftler wie Quaschning schon lange dargestellt. Die Umstellung auf 100% Erneuerbare ist möglich, wenn alle bürokratischen Ausbremsregelungen abgeschafft werden.
Als Größenordnung geben sie die machbaren Zubau-Ziele an:
Bei Wind Land von jetzt 55 GW auf 270 GW bis 2035, weiter auf 550 GW.

Bei PV von 70 GW auf 400 GW bis 2035, perspektiv möglich sind 1000 GW.
Auf allen geeigneten Dachflächen nicht nur Süd, auch Ost-West. Auf öffentlichen Gebäuden ein Sofortprogramm mit PV und Solarthermie, auf allen Flächen wie zum Beispiel Parkplätzen, Lärmschutzwänden usw. Und auch auf Freiflächen, die für eine andere Nutzung nicht geeignet sind, oder sowohl Landwirtschaft wie PV möglich ist.

Ziel muss es sein Quartierslösungen für Strom und Wärme zu schaffen, auch für Speicher  – nicht individuelle Einzellösungen. Vor allem auch Energieaustausch „ Energy-Sharing“ zu realisieren (Bürger teilen Energie + Kostenvorteile). Es darf keine Ausbremsregelungen mehr beim Erzeugen, speichern und der Weitergabe von Strom und Wärme mehr geben!

Wichtige Akteure sind alle aktiven Bürger, vor allem auch Genossenschaften, Bürgerenergieparks, GBRs,  Solarvereine und die Kommunen mit ihren Stadtwerken. Natürlich auch die Industrie selbst, indem sie Windräder baut und PV und Solarthermie installiert, Wärmerückgewinnung macht.

Weg mit Fossilen und Atom – weitere dezentrale und regenerative Energiewende jetzt!