Rede vom KA Friedensbündnis bei der Kundgebung am 25.04.26 am KA Hbf
Rede gegen Atomwaffen
Vor vierzig Jahren passierte die Katastrophe in Tschernobyl.
Heute werden im Iran, in der Ukraine, in Russland Atomkraftwerke bombardiert, werden von den Kriegstreibern der Welt als legitime Ziele definiert. Erst einmal ist das ein verachtenswerter Angriff auf zivile Infrastruktur, denn jeder Tag ohne Strom
bedeutet für Millionen Menschen, dass ihre Häuser dunkel und unbeheizt sind, dass ihre
Lebensmittel in Kühlhäusern und Kühlschränken vergammeln, dass das moderne Leben zu einem halt kommt. Auf längere Sicht führen Angriffe auf Kraftwerke also zu humanitären Katastrophen, sie haben das Ziel, Menschen zu erdrosseln und zu brechen. Diese Taktik sehen wir in immer mehr der großflächigen Kriege dieses Jahrhunderts, immer auf die
Infrastruktur, immer möglichst viele Menschen treffen, totaler Krieg.
Doch bei der Bombardierung eines Atomkraftwerkes kommt natürlich noch dazu, dass es nukleare Kriegsführung ist: Jeder Angriff auf ein Atomkraftwerk nimmt Schäden am Reaktor, nimmt Austritt radioaktiven Materials, nimmt eine Kernschmelze in Kauf. Alles Schäden, die wieder die Bevölkerung besonders betreffen würden. Die Kriegstreiber setzen auch darauf, dass diese Schäden wegen der unübersichtlichen Situation
nicht repariert werden können.
Wir sehen es an den gezielten Infrastrukturbombardierungen durch die USA, an Israels offener Besatzung in Palästina und dem Libanon, wir sehen es bei den gegenseitigen Öl Blockaden vor dem Iran, wir sehen es an den Massakern in der Ukraine und am laufenden Völkermord in Sudan, überall sind Zivilist:innen und zivile Gesellschaft die Hauptziele der Kriegsführung. In diesem Licht müssen wir auch die erneut in Mode gekommenen Drohungen mit nuklearem Krieg betrachten.
Trump tweetet vom Tod ganzer Zivilisationen, Putin spricht von taktischem Atomwaffeneinsatz, Merz und Co. fordern einen Atomschirm für Europa, und laut eines indischen Diplomaten bereiten sich die Vereinten Nationen auf einen Atomschlag gegen Teheran vor. Viele hier kennen die Zahlen, andere nicht:
Über 12000 Atomwaffen gibt es weltweit, ca. 5500 davon bei Staaten der NATO.
Es gibt 9 bekannte Atommächte weltweit.
Es gibt 9 Oberbefehlshaber, die den Erstschlag entscheiden könnten.
3900 Atomwaffen werden jederzeit abschussbereit gehalten, ihre Ziele sind bereits ausgewählt.
Viele dieser Waffen sind an Computer gekoppelt, die allein im Fall einer gegnerischen
Abschusswarnung automatisch feuern.
Auch heute reichen die Atomwaffen aus, um jeden Menschen auf der Erde etliche Male
umzubringen. Durch die Pläne der EU, überall französische Atomwaffen zu stationieren, würde Frankreich weiter aufrüsten. Auch andere Staaten wie Finnland suchen nach Wegen, ein Atomwaffenarsenal aufzubauen, Deutschland hätte diese Kapazitäten bereits. Regionale Wettrüsten wären die Folge. Stationieren, drohen, nachrüsten, das wirkt alles wie ein großes Spiel. In diesem „Spiel“, so nennen es Politiker und Analytiker euphemistisch, ein Spiel mit dem Leben von Milliarden, geht es immer um die Erpressung der Machthabenden mit dem Leid ungezählter Menschen.
Seit wann kümmern sich die Machthaber um ihre Untertanen? Wenn sie das täten, hätten wir dann in allen Atommächten Obdachlosigkeit, Hungertote, Elendsviertel? Niemand kann das Spiel gewinnen! Durch ihr Spiel werden wir zu Zielen. Jede Stadt, die eine Atomrakete stationiert, wird zum Ziel eines Erstschlages, jede Stadt, in der ein Atomkraftwerk steht, könnte schon deshalb angegriffen werden.
Und auch im Frieden bedrohen stationierte Atomwaffen die Zivilbevölkerung:
1982 baute ein Raketenlaster bei Malsch einen Unfall, ein scharfer Atomkampfkörper wurde beschädigt, hunderte Anwohner:innen wurden evakuiert, einige Zeit später passierte ähnliches nahe Heilbronn, beide Male wurden ganze Nachbarschaften belogen, bis heute gibt die US-Army an, dass damals kein Sprengkopf vorhanden gewesen wäre, was
Aslo allein in dieser Region zwei Vorfälle, in denen man beinahe die eigene Bündnisbevölkerung bombardiert hätte.
Wer den Frieden will, braucht keine Atomwaffen. Da die Deutsche Führung aber Atomwaffen will, braucht sie offensichtlich keinen Frieden. Nur wir können uns gegen die Stationierung von Atomwaffen in unseren Städten und Ländern wehren, indem wir uns zusammentun und unsere Ablehnung auf die Straße tragen.
Nein zu Atomwaffen, nein zu Atomwaffenstationierungen!
Ich bin vom Friedensbündnis, wir setzen uns gegen die fortschreitende Militarisierung hierzulande ein, wenn ihr Interesse an Mitarbeit habt, kommt doch gerne auf mich zu.