TRITIUM

Warum der folgende Artikel auch für uns wichtig ist:

Bei der Erörterung zur Verglasungsanlage des hochradioaktiven flüssigen Atommülls aus der Wiederaufarbeitungsanlage im ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe fragten wir nach der Anreicherung von Tritium in Organismen.

1= Falsche Antwort. ´Es erfolgt keine Anreicherung, da unser Körper und der von tierischen Organismen Tritium wie normales Wasser so alle 14 Tage vollständig ausscheidet, obwohl seine radioaktive Halbwertszeit 12,3 Jahr beträgt.´

Wir, die Anti-Atom-Gruppen – forderten eine Untersuchung von Fischen des Altrheins bei Linkenheim, der stark mit Tritium belastet war/ist .

Die Untersuchung wurde an Fischen im Altrhein bei Linkenheim durchgeführt und ergab:

2=richtige Antwort. ´Je älter die untersuchen Fische waren, desto mehr Tritium wurde in ihnen nachgewiesen.`

Fazit: Tritium reichert sich in Organismen an.

TRITIUM ? – Ist das schlimm, Herr Doktor?

Prof. Dr. Abraham Behar und Francine Cohen-Boulakia / Paris

Aus dem Französischen übertragen von Hans Heydemann / Stuttgart 6. Nov. 2013

Als Mitteilung:

Der IPPNW-Kongress in Neu-Dehli stand unter dem Leitthema: Gesundheit – Frieden – Entwicklung. Nachdem wir nun in der Epoche der galoppierenden nuklearen Weiterverbreitung sind mit seinen unmittelbaren Auswirkungen auf das Kriegsrisiko und die Unterentwicklung, kommt es uns insbesondere zu, vorrangig die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit abzuwägen.

Nun führt die enge Verbindung zwischen den nuklearen Versuchsreaktoren, den Reaktoren zur Stromerzeugung und der Bombenherstellung zunächst zum selben Ergebnis: die exponentielle Zunahme der radioaktiven Abfälle, allesamt schädlich für die öffentliche Gesundheit. Obgleich alle „radiotoxisch“ sind und deshalb mit Vorsicht gelagert werden, werden einige ganz gesetzlich in die Natur entlassen und kommen so in täglichen Kontakt mit der Bevölkerung. Es zeigt sich, daß das dabei am häufigsten vorkommende radioaktive Element dieser Freisetzungen das „Tritium“ ist. In einem dem Kongreß-Thema gewidmeten Bericht werden wir das wahre Gesicht des Tritiums entschleiern und seine Auswirkungen auf den Menschen erklären.

Warum erregt dieses merkwürdige radioaktive Wasserstoffatom mit zwei Neutronen neben dem einzigen Proton im Kern unsere Besorgnis? Zum einen ist dieser Sender von Elektronen geringer Energie eines der Hauptelemente der Kernfusion und somit Bestandteil der „Fusion“ der H-Bombe. Zum andern wird seine künstliche Herstellung vorangetrieben durch den Bau von Versuchsanlagen und an erster Stelle des „ITER“, der bei Cadarache entsteht (es handelt sich um eine Einrichtung zur Erzeugung einer Kernfusion).

Doch in Wahrheit ist es das Abfall-Tritium, unvermeidbares Produkt sämtlicher Atomreaktoren, welches neue Probleme bereitet. Halten wir uns vor Augen, daß natürlicherseits jährlich 50 -70 Millionen Milliarden Bq (1 Bq = 1 Zerfall je Sekunde) an Tritium in der Atmosphäre durch die kosmische Strahlung entstehen. Erinnern wir uns weiter, daß die oberirdischen Atombomben-Versuche (1945 – 1963) 186 Milliarden Milliarden Bq an Tritium freigesetzt haben! Anders ausgedrückt: der durchschnittliche Gehalt an Tritium im Regenwasser auf dem Planeten ist von 0,6 Bq/l auf 350 Bq/l angestiegen!

Dann im Jahr 2000, nach Einstellung der Versuche, war der Gehalt an Tritium im Regenwasser im Mittel auf 1,2 Bq/l zurückgegangen, allerdings mit sehr großen, von Militär- und zivilen Anlagen bedingten Unterschieden. Beispielsweise kann der Gehalt an Tritium-haltigen Wasser in der Umgebung von Atomkraftwerken 10 Bq/l erreichen und um das Militär-Zentrum Val Duc herum 30 bis 100 Bq/l ! Der Gehalt an Tritium-haltigen Wasser hat sich in der Umgebung von Atom-Anlagen im Verlauf der letzten Jahre stetig erhöht, und so ist die „alte Meerschlange“ der Radiotoxität des Tritiums wieder erschienen.

Wie die CIPR (Commission Internationale pour la Protection des Rayonnements = Internationale Strahlenschutz-Kommission ISSK) 2005 feststellte, hat die wirklichkeitsgerechte Abschätzung der Toxität des Tritiums bis zu diesem Tag versagt.

Was kann man dazu in 2008 sagen? Schließlich, welche genauen Schäden verursacht Tritiums am Menschen? Welche Folgen hat die unvermeidbare Erhöhung der Tritium-Abfälle für die allgemeine Gesundheit?

  1. Tritium – was ist das eigentlich?

Jeder kennt das Wasserstoff-Atom. Es gibt davon drei Isotope:

  • Der eigentliche Wasserstoff als leichtestes und am häufigsten vorkommend, nur aus einem Proton und einem Elektron bestehend und stabil (zerfällt nicht).
  • Das Isotop „Deuterium“ D oder ²H [Schwerer Wasserstoff], bestehend aus einem Proton und einem Elektron sowie einem Neutron, ebenfalls stabil (zerfällt nicht).
  • Das Isotop „Tritium“ [Überschwerer Wasserstoff] hat einen Kern bestehend aus einem Proton und zwei Neutronen; seine Abkürzungsbezeichnungen sind T oder ³H; es ist radioaktiv und zerfällt mit einer sogen. β´-Strahlung, d.h. es sendet negativ geladene Elektronen aus.

Es findet keine Photonen-Abgabe statt; nur Photonen X oder γ dringen mühelos in Gewebe ein und durchdringen mit Leichtigkeit den menschlichen Körper.

Wenn ein β´-Strahler in einem Organismus absorbiert ist, gibt er seine Energie in einer sehr engen Zone um seinen Emissionspunkt ab. Die mittlere Energie dieser β´-Strahlung ist schwach (5,7 keV) und die von diesen β´-Teilchen zurückgelegten Strecke liegen im Mittel bei 1 µm in Wasser und in organischem Gewebe. Da aber der Durchmesser einer Zelle in der Größenordnung von 10 µm liegt, kann folglich nur die innere Verseuchung eine Rolle bei der Strahlenschädigung der Zellen spielen (Aufnahme mit der Nahrung, durch Atmung und über die Haut). Die innere Belastung hängt ab von der Form der Ablagerung.

Die physikalische radioaktive Halbwertzeit beträgt 12,3 Jahre; somit verschwindet davon natürlich jedes Jahr 5,6 % durch Umwandlung in Helium (stabil).

Das Tritium existiert in drei verschiedenen chemischen Formen:

  • tritiertes Wasser (HTO) als die am häufigsten vorkommende Form von Tritium in der natürlichen Umgebung und den Lebewesen.
  • Gasförmiges Tritium (HT).
  • An organische Materie gebundenes Tritium (OBT = Organically Bound Tritium), gefunden in Pflanzen, wo es durch Photosynthese eingebunden wird, sowie bei Mensch und Tier.

Da tritiertes Wasser chemisch identisch ist mit Wasser, wird es allgemein als stärker radiotoxisch angesehen als Tritium-Gas.

  1. Herkunft des Tritiums in der Umwelt

Natürlicher Ursprung

Dies ist hauptsächlich Folge der Einwirkung kosmischer Strahlung auf Stickstoff, Sauerstoff und Argon. Etwa 99 % dieses Tritiums ist im Wasser enthalten und folgt dessen Kreislauf (Regen, Wasserablauf, Ozean, Verdunstung…): es ist tritiertes Wasser, welches folglich in jeder lebenden Umgebung eingebaut werden kann. Natürliches Tritium ist mit 1,3 x 1018 Bq (etwa 4 kg) vorhanden, und die jährliche Neubildung beträgt 7,2 x 1016 Bq (etwa 0,2 kg Tritium).

Künstliche Erzeugung

Militär

Bei den oberirdischen Atomwaffen-Versuchen von 1945 bis 1963 wurden etwa 630 kg Tritium in die Atmosphäre geschleudert – der mittlere Gehalt an Tritium auf dem Planeten stieg dadurch von 0,6 Bq/l Regenwasser auf 350 Bq/l. Davon waren 1995 noch etwa 65 kg übrig, verteilt auf die Atmosphäre und die Ozeane. Die in der Umwelt verstreute Menge an Tritium betrug 1970 etwa 2,4*1020 Bq. Gegenwärtig sind 4,3*1019 Bq Tritium im Ozean als Folge militärischer Versuche.

Bei der Herstellung von Atomwaffen fällt Tritium an, das in die Atmosphäre freigesetzt wird. So hat 1999 allein die militärische Anlage der CEA im Val Duc davon 2,67*1014 Bq abgegeben. Im See nahe der Militär-Anlage Val Duc beträgt der Gehalt an tritiertem Wasser 30 – 100 Bq/l.

Die Militärs benutzen das Tritium in den Nuklear-Köpfen der „H-Bomben“ [Wasserstoff-Bombe] sowie auch für die Entwicklung der Fusion in inerter Sicherheitshülle. Wegen seiner verhältnismäßig kurzen Halbwertzeit muß das Tritium in den gelagerten Sprengköpfen regelmäßig ersetzt werden.

Zivile Nutzung

In den Atomreaktoren entsteht Tritium bei der Kernspaltung bestimmter Isotope des Urans und des Plutoniums in drei Bruchstücke sowie durch Neutronen-Reaktionen auf leichte Elemente im Primärkreis. Das Tritium aus der Kernspaltung verbleibt überwiegend im Brennstoff (87 %). Die Abgaben an die Umwelt betreffen in erster Linie das durch Neutronen-Aktivierung gebildete Tritium (d.h. als radioaktives Folgeprodukt, entstanden durch den Neutronenfluß). Der Ausstoß eines Leichtwasser-Reaktors betrug im Zeitraum 1995 – 1997 im Mittel 2,4*1012 Bq an gasförmigem Tritium und 1,9*1013 Bq an tritiertem Wasser. Ein Druckwasser-Reaktor mit 1.300 MWe (Megawatt elektrisch) wie die von Golfech, Cattenom oder Civeaux läßt ungefähr 15*1012 Bq überwiegend in flüssiger Form ab.

Die Freisetzung von Tritium aus der Kernspaltung geschieht vornehmlich in den Anlagen zur Wiederaufarbeitung der abgebrannten Kernbrennstoffe während der Auflösung des Brennstoffes (10*1016 Bq je 1.600 behandelter Tonnen). 1999 betrug die Abgabe der Wiederaufarbeitungs-Anlage La Hague an gasförmigem Tritium 8*1013 Bq und 1,3*1016 Bq. an tritiertem Wasser ins Meer. In Frankreich ist La Hague darum die bedeutendste Tritium-Quelle und läßt nahezu das gesamte freigesetzte Tritium in die Luft und in das Meer ab. Im Ozean sind die Konzentrationen sehr niedrig, um 1 Bq/l; in den Gewässern in der Nähe der Wiederaufarbeitungsanlage von La Hague liegen die Werte zwischen 3 und 30 Bq/l.

Die tritiumhaltigen Abfälle liegen teils in fester Form, teils in flüssiger Form vor. In Frankreich stammen die festen Abfälle vornehmlich aus dem Betrieb der Herstellung und der Entwicklung der „Direction des Applications Militaires“ [Direktion Militärische Anwendungen] des CEA (89 % des Volumens). Zur Zeit sind etwa 1.500 m³ reiner Tritium-Abfälle in fester Form (in annähernd 8.000 Fässern) in Frankreich eingelagert (Société Française de Radio Protection, SFRP 2002 [französische Strahlenschutz-Gesellschaft]). Wegen der Entweichung von Tritium-Gas werden diese von der ANDRA (Agence Nationale de gestion des Déchets Radio Actifs [Nationale Agentur zur Verwaltung radioaktiver Abfälle]) nicht angenommen und derzeit in belüfteten Gebäuden gelagert.

Denn das Tritium stellt ein gewaltiges Problem dar für die Industrie, die es erzeugt.

  1. Gefährlichkeit des Tritiums

Das Risiko der Tritium-Exposition hängt ab vom Grad der inneren Verseuchung. Das Tritium ist in Gruppe 4: „schwache Radiotoxität“ eingeordnet. Die Aktivität, unterhalb der ein Gebrauch keiner Genehmigung mehr bedarf, beträgt eine Milliarde Bq (Europäische Direktive Nr. 96/29/ EURATOM v. 13. Mai 1996). Zum Vergleich: der Schwellenwert für Plutonium beträgt 37 Bq!

Gasförmiges Tritium stellt eine Brandgefahr und eine Gefährdung durch Radioaktivität dar. Die übliche Art und Weise, das Tritium-Gas zu fassen, besteht darin, es in das noch toxischer wirkende tritierte Wasser umzuwandeln. Darüber hinaus ist es außerordentlich schwierig, Tritium zu lagern, denn es entweicht selbst durch die allerkleinsten Poren. Beispielsweise durchdringt tritriertes Wasser Beton, sofern dieser nicht mit einer besonderen Auskleidung versehen ist, und tritriertes Wasser bildet in Gegenwart von Stickstoff salpetrige Säure, die die Behältnisse zerfrißt.

Als persönliche Schutzausrüstung des Arbeiters ist das Tragen einer Maske unzureichend; es ist notwendig einen „Tritium-dichten“ Schutzanzug zu benutzen, Schutzhandschuhe aus dickem PVC zu tragen, nach Möglichkeit 2 Paar Handschuhe zum Wechseln alle 20 Minuten (Vorschrift der kanadischen Kommission für nukleare Sicherheit, 2003), und nur in Bereichen zu hantieren, die sehr gut durchlüftet sind, um so die Tritium-Konzentration der Luft gering zu halten.

Im Falle einer Kontamination der Haut ist eine Dekontaminierung durch einfaches Waschen nötig. Im Falle einer inneren Kontaminierung muß die Urinausscheidung angeregt werden durch Verabreichen von 6 bis 8 Liter Wasser täglich unter ärztlicher Aufsicht mit Überwachung von Natrium und Kalium im Blut und im Urin, um eine Vergiftung durch Wasser zu vermeiden. Die biologische Halbwertzeit verringert sich dadurch von 10 – 12 Tage auf 3 – 4 Tage.

Für Trinkwasser empfehlen die Richtlinien der WHO (1993) einen Grenzwert von 7.800 Bq/l. Die für die Qualität des für den menschlichen Genuß bestimmten Wassers maßgebliche Europäische Richtlinie 98/83/CE legt als Indikator für eine Kontamination „die Konzentration an Tritium“ fest und schlägt als Warnschwelle den Wert von 100 Bq/l vor. Eine Ratsempfehlung der Regierung von Ontario/Kanada hatte 2003 vorgeschlagen, den erlaubten Höchstwert an Tritium im Trinkwasser innerhalb von 5 Jahren auf 20 Bq/l zu senken, und sieht eine noch viel weitergehende Verringerung vor.

  1. Das Tritium – was tut es uns an?

(Die Frage nach der Aufnahme und der Ausscheidung von Tritium und was daraus folgt)

Seit der „CIPR 60“[Internationale Strahlenschutz-Kommission ISSK], die die Strahlenbiologie des Tritiums in den Marmor geschrieben hat, wissen alle Strahlenschützer, daß sich dessen Radiotoxität auf dreierlei Weise äußert. Aus folgenden Gründen:

  • Weil die Art und Weise des Eindringens von Tritium-Gas, von tritiertem Wasser und von organischen Molekülen „OBT“ sich grundlegend von einander unterscheiden: das erstere gelangt auf dem Atemweg in den menschlichen Körper, das zweite durch Aufnahme von Trinkwasser und die letzteren werden allein mit der Nahrung aufgenommen.
  • Weil die Verteilung im Organismus ebenfalls sehr unterschiedlich ist:

Das eingeatmete Tritium-Gas verteilt sich im gesamten weichen Gewebe, doch ist die Aufnahme von Tritium-Gas etwa 1.000mal schwächer als die von tritiertem Wasser; die effektive Halbwertzeit (die die physikalische und die biologische Halbwertzeit berücksichtigt) beträgt etwa 10 Tage.

Tritiertes Wasser breitet sich in der Gesamtheit der flüssigkeitsführenden Abteilungen des Menschen aus, d.h. zugleich innerhalb und außerhalb der Zellen. Es wird durch Schweiß und Urin-Ausscheidungen entfernt. Doch 3% wandeln sich um in OBT. Die [biologische] Halbwertzeit beträgt maximal 40 Tage.

Die OBT treten in den Stoffwechsel ein je nach der Art des organischen Bestandteils, und ihre effektive Halbwertzeit beträgt maximal 550 Tage. Doch gilt es zu beachten, daß es außer zu dem betreffenden Stoffwechsel eine starke Bindungs-Neigung der OBT zu den Lipiden des Gehirns besteht.

In dieser verworrenen Lage hat die ISSK mehrmals Modelle vorgeschlagen, die die unterschiedlichen relativen biologischen Wirkungen (EBR) berücksichtigen, und sie hat auch ein Rechenverfahren für die biologische Kinetik des Tritiums vorgeschlagen. Die globalen Ergebnisse ergeben nach letzter Lesung (die Toxität ist hierin ermittelt aus der Einheit der Zerfälle durch die Einheit der Radioaktivität):

Tritium-Gas: 1,8 10-15 Sv je Becquereltritiertes Wasser: 1,8 10-11 Sv je BecquerelOBT: 4,1 10-11 Sv je Becquerel

Diese Bewertung zeigt den Anteil des Tritiums an der Jahres-Grenzdosis für den Menschen mit 1 µSv ; die globale Jahres-Grenzdosis für die Bevölkerung insgesamt beträgt 1 mSv *).

Dies erklärt auch die wenigen Fälle eingeräumter Umweltbelastungen durch Tritium, und es erklärt außerdem die wiederholten Forderungen der Atomanlagen-Betreiber, die legale Freisetzung dieser RadionukleÏde zu erhöhen.

Die Auflehnung der Strahlenbiologen

Angefangen hat alles mit dem Einwand von MEWISSEN in 1978 (1). Seine ursprüngliche Absicht war, die krebserzeugende Auswirkung des Tritiums an neugeborenen Mäusen zu untersuchen. Er hat zunächst die Wirkung tritierten Wassers untersucht und dann eine traditionelle OBT mit markiertem Thymidin versucht und hat eine Vielzahl von Ergebnissen und eine große Bandbreite der Schädigungen gefunden, die in diesem Fall nicht reproduzierbar waren, insbesondere hinsichtlich der Chromosomenbrüche.

Er hat dann versucht, die DNA, die RNS und die Tritium markierten Proteine abzutrennen.

Seine Schlußfolgerung war einfach: nichts ist so verschiedenartig wie die Auswirkungen des Tritiums in der Zelle, und folglich ist die Berechnung einer Dosis nicht möglich, die eine einheitliche Verteilung voraussetzt. Daraufhin hat er eine Überarbeitung der offiziellen Normen gefordert, jedoch ohne jeglichen Erfolg.

Man mußte bis 1999 auf die Arbeiten des Japaners WANG et al (2) warten, um zu beginnen die wirklichen intrazellulären Auswirkungen der OBT zu verstehen. Erinnert man sich an die gewaltige Entdeckung der Rolle des Proteins P53 mit seiner Fähigkeit, den Zellenzerfall hervorzurufen (d.h. den programmierten Tod), erinnert man sich weiter an seinen mitochondrialen Ursprung (d.h. die Zell-Organiten erzeugen auf Befehl Proteine und statten diese mit DNA und RNS aus), dann kann man der Begründung von Wang folgen. Wenngleich das Tritium nur geringe Möglichkeiten hat, sein Elektron in einen Kern zu senden angesichts des geringen zurücklegbaren Weges, selbst wenn Schädigungen an den Chromosomen nachgewiesen sind, kann es hingegen sehr leicht die Mitochondrien der Zelle schädigen, und eine Möglichkeit diese Auswirkung zu messen besteht in der Dosierung des P53. Wang hat Zellkulturen von Maus-Embryos verwendet und diese einer schwachen γ-Strahlung, tritiertem Wasser und einer OBT, dem Methyl-H³-Thymidin, unterzogen. In allen Fällen ergab sich eine verminderte Zellteilung und insbesondere eine gesteigerte Ausscheidung von P53, 2 Stunden nach der Einwirkung und dies vor Eintritt des Zellentodes. Darüber hinaus zeigte sich, daß bei den trächtigen Weibchen, denen tritiertes Wasser zu trinken gegeben wurde, der Anteil an Nachkommen mit Zelltod im Gehirn deutlich größer war als bei jenen, die einer γ-Strahlung ausgesetzt waren.

Angeregt von diesen Ergebnissen wurde das Einheitsmodell der CIPR/ISSK erneut in Frage gestellt durch Arbeiten von HAMBY und PALMER in 2001 (3) sowie von RICHARDSON und DUNFORD in 2003 (4). Diese schlagen vor, die biologische Wirkung der OBT mit dem dreifachen Wert anzusetzen, und weisen vor allem auf die besondere Toxität und insbesondere die der OBT für das Gehirn hin.

Ausgehend von dieser Feststellung einer besonderen Affinität des Tritiums zu den Lipiden des Gehirnes hat der Inder BHATIA in 2005(6) die Auswirkungen der nicht austauschbaren OBT, induziert durch tritiertes Wasser, auf das Gehirngewebe untersucht. Er hat dazu Mäuse im Alter von einer bis 3 Wochen verwendet und die in das Kleinhirn eingebrachten „Purkinje-Zellen“ untersucht. Bei der Behandlung mit tritiertem Wasser nimmt das Zellen-Volumen ab, und zwar stärker als nach einer Bestrahlung mit γ-Strahlen, und die Pycnocytose wird angeregt. Anschließend hat er die Kleinhirn-Ströme untersucht, um die Folgen der Tritium-Vergiftung auf die geistigen Fähigkeiten abzuschätzen. Er hat dabei eine Verringerung sowohl der Amplitude als auch der Frequenz des Potentials festgestellt. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse hat er eine starke Erhöhung der EBR (Efficacité Biologique Relative = relative biologische Wirksamkeit) der OBT für das Gehirn gefordert und die Debatte neu angestoßen über die Gefährlichkeit schwacher Dosen des Tritiums, zumindest in Form der OBT, auch wenn die Betreiber von Atomanlagen darauf beharren, diese als vernachlässigbar anzusehen.

Was ist daraus zu schließen?

Die Infragestellung des beruhigenden klassischen Modells zur Toxität des Tritiums steht hinsichtlich der OBT auf der Tagesordnung. Dies betrifft zuerst das Abfall-Tritium in seiner Form als tritiertes Wasser, weil dieses die OBT erzeugt. Die wichtigsten Lieferanten dieses Giftes sind die militärischen Reaktoren (8), moderiert mit Schwerwasser, und die Wiederaufarbeitung der nuklearen Abfälle. Die nukleare Weiterverbreitung verschlimmert diesen Zustand. Die Vorhaben der nuklearen Fusion lassen eine noch größere Erzeugung und Freisetzung an Tritium erwarten.

Der Abgeordnete Christian Bataille stellt fest, daß das Tritium für die menschliche Gesundheit nicht bestreitbare Gefahren darstellt, die nie vergessen werden dürfen. Er fügt hinzu: „Die verantwortlichen Behörden der atomaren Einrichtungen, ob zivil oder militärisch, müssen sich bewußt sein, daß die Freisetzung von Tritium in die Umwelt in den kommenden Jahren zu einem Hauptproblem und sicherlich zu einem der Hauptgründe des Anti-Atom-Protestes werden wird.“

Wir Mediziner rufen jetzt dazu auf, die Tritium-Frage zu einer Hauptachse unserer Kampagne „ICAN“ zu machen, denn das Ende seiner Herstellung und somit seiner Freisetzung wäre ein gutes Zeichen für die Schaffung einer Welt ohne Atomwaffen.

*) Das SIEVERT (Sv) ist die Einheit für den Zerfall unter Berücksichtigung späterer Strahlenschäden beim Menschen. Es ist die absorbierte Dosis ausgedrückt in Gray (Joule/kg) gewichtet mit einem Faktor der Strahlung Wr und einem Faktor für bestrahltes lebendes Gewebe Wt.

BIBLIOGRAPHIE

1- MEWISSEN DJ, FUREDI M, UGARTE A, RUST JH. Comparative incorporation of tritium from triated water versus triated thymidine, uridine and leucine. Curr. Top Radiat. Res. 0 1978, 12, 1-4, 225-54

2- WANG B, TAKEDA H, GAO WM, ZHOU XY, ODAKA T, OHYAMA H, YAMADA T, HAYATA I. Induction of apoptosis by beta irradiation from tritium compounds in mouse embryonic brain cells. Health phys. 1999, 77-1, 16-23

3- HAMBY DM, PALMER TS, Analysis of an internal kinetic model for free and bound tritium. Health phys. 2001, 81-4,426-37

4- RICHARDSON RB, DUNFORD DW. A biochemical based model for the dosimetry of dietary organically bound tritium-part 2: Dosimetric evaluation. Health phys. 2003, 85-5, 539-52

5- ICRP Relative biological effectiveness, Quality factor, and radiation weighting factor 2004, IAN FAIRLIE comments, 2004

6- BHATIA AL. Radiation risk: technological perspective and public perception of tritium toxicity in the environment. Proc. 9th international conference on environmental science and technology, 2005

7- ROUSSEL-DEBET S, OIERRARD O, RENAUD Ph. Tritium, carbone 14: mythe ou réalité? Contrôle (asn) 2007, 177, 79-84 ASN Ed.

8- GUETAT Ph, LE GOFF P et al Apport de la surveillance du centre CEA VALDUC sur la connaissance des transferts de l’eau tritiée dans les différents compartiments de l’environnement, RADIOPROTECTION, 48,3, 2013.